Unterwäsche
Feuchtigkeit sollte verdunsten können
Slips aus Baumwolle oder Synthetik? Oder vielleicht besser Funktionswäsche? Das hängt zum Beispiel davon ab, wie stark jemand schwitzt. Denn Nässe sollte sich nicht stauen. Das schadet der Haut.
Um Beschwerden zu vermeiden, raten Ärzte Hämorrhoiden-Geplagten in der Regel zu Baumwollwäsche. Sie ist saugfähig und luftdurchlässig. „Am besten ist es, wenn Feuchtigkeit aus der Unterwäsche ‚verdunsten’ kann“, erklärt Dr. Bernhard Lenhard vom Berufsverband der Coloproktologen.
Baumwolle – bewährt und gut waschbar
Unterwäsche soll schön und sexy sein. Das ist aber nicht alles, worauf Menschen mit Hämorrhoidenproblemen beim Wäschekauf achten sollten. Besonders wer zu Analekzemen neigt, ist gut beraten, genauer aufs Etikett zuschauen, bevor er schicke Spitzendessous oder knackige Retro-Pants zur Kasse trägt. Denn Wäsche sollte die Haut nicht reizen, sondern sie gesund halten.
Denn bei einem fortgeschrittenen Hämorrhoidenleiden kommt es auch zum Nässen aus dem After. Dazu ein männlicher Nutzer im LIFELINE-Expertenforum Hämorrhoiden: „Was richtig stört, ist, dass sie nässen. Ich habe ständig 'Spuren' im Slip.“ Durch die Feuchtigkeit kann sich die Haut am Po entzünden und ein Analekzem entstehen – deshalb ist der Verdunstungseffekt so wichtig und Unterwäsche aus Baumwolle eine gute Wahl. Synthetische Unterhosen nehmen Feuchtigkeit nur schlecht auf. Vielmehr schwitzt der Po sogar schneller als in Baumwollwäsche. Der Schweiß kann die Haut reizen und ein bestehendes Analekzem verschlimmern.
Ein Pluspunkt für Baumwolle ist zudem, dass sie sich in der Regel bei heißeren Temperaturen wäschen lässt, als die meisten Synthetikfasern und daher Darmsekret, Stuhlschlieren oder Reste von Heilsalbe gut zu entfernen sind.
Doch Vorsicht: Baumwolle ist zwar eine Naturfaser, im konventionellen Anbau wird sie aber mit Chemikalien behandelt. Auch um ihre Trage- und Pflegeeigenschaften zu verbessern, werden der Baumwolle heutzutage allerhand Stoffe zugesetzt. Besonders wer sensible oder entzündete Po-Haut hat, sollte Unterwäsche aus Baumwolle deshalb vor dem ersten Tragen gut durchwaschen, um Hautreizungen vorzubeugen. Eine Alternative zu der konventionell produzierten Faser ist Baumwolle aus biologischem Anbau.
Funktionswäsche – eine Option für starke Schwitzer
„Ich habe seit Jahren Probleme mit Analschwitzen, vor allem im Sommer könnte ich jede Stunde die Unterwäsche wechseln“, schreibt ein Nutzer im LIFELINE-Expertenforum Hämorrhoiden. Wer so stark am After schwitzt wie dieser Nutzer, für den können Unterhosen aus Funktionsfasern eine Möglichkeit sein. Denn Baumwolle saugt Flüssigkeit zwar auf, sie braucht aber lange, um zu trocknen – was bei großer Nässe ein Problem sein kann. Funktionswäsche hingegen leitet Feuchtigkeit nach außen. Das hält die Haut trocken und verhindert, dass sie aufweicht und angegriffen wird.
Das Geheimnis von Funktionswäsche besteht darin, dass sie Kunststoffe und Naturfasern zusammenbringt. Bei einem zweischichtigen Funktionstextil z.B. nimmt die körpernahe Chemiefaser den Schweiß auf und leitet ihn an die außen liegende Baumwolle zur Verdunstung weiter. „In Kombination bieten die beiden Materialien durch das trockenere Gefühl am Körper einen deutlich besseren Tragekomfort als Baumwollwäsche“, urteilen die Wissenschaftler der Hohenstein-Institute, die Textilien erforschen.
Jedoch gibt es bisher keine Untersuchungen darüber, wie sich Funktionsfasern auf angegriffene Haut oder ein Analekzem durch ein Hämorrhoidenleidens auswirken. Hier bleibt Betroffenen vorerst nur der Weg, den vorsichtig auszuprobieren, ob sie mit Funktionswäsche gut zurechtkommen. In anderen Bereichen ist die Forschung schon weiter und hat z.B. Funktionsfasern mit eingelagerten Silberpartikeln für Neurodermitiker hervorgebraucht.
Bislang ist Funktionswäsche vor allem bei Sportlern beliebt. Sie nennen aber auch einen Nachteil: Wenn Funktionswäsche einen hohen Anteil an synthetischen Fasern erhält, riecht sie bei starkem Schwitzen unangenehm.
Auch bei Funktionswäsche empfiehlt es sich, auf Hautverträglichkeit zu achten. Zwei Siegel können dabei helfen: Die Kennzeichung „Bluesign Safety“. Sie garantiert ein schadstoffarmes Produkt, das nachhaltig hergestellt wird. Der Öko-Tex-Standard 100 sichert zu, dass die Kleidung auf Schwermetalle, krebserregende Farben und andere Schadstoffe geprüft wurde und die gesetzlichen Grenzwerte nicht überschreitet.




