Analerkrankungen: Die Psyche leidet mit

Probleme mit Hämorrhoiden werden von Nicht-Betroffenen oft als Lappalie abgetan. Dabei kann schon eine leichte Vergrößerung der Gefäßpolster am Afterausgang äußerst lästig sein.

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Für die Betroffenen kann es im Alltag häufig unangenehm sein.
(c) Stockbyte

Permanenter Juckreiz, Brennen und Schmerzen durch Entzündungen schlagen auf die Laune. Viele können kaum sitzen - eine echte Pein für Menschen mit einem Bürojob. "Man sitzt auf der halben Pobacke", schildert ein Patient. Andere rutschen ständig hin und her. Wer sich mit Hämorrhoiden herumplagt, fühlt sich generell unsicherer als andere, ergab eine Befragung. Symptome wie Blut auf dem Stuhl erschrecken und schüren quälende Ängste: "Womöglich handelt es sich gar nicht um Hämorrhoiden, sondern um Schlimmeres wie Darmkrebs."

Der ganze Tagesablauf orientiert sich an der Erkrankung

Umso schwerer die Beschwerden im Analbereich sind, desto mehr wirken sie sich auf die Organisation des alltäglichen Lebens aus. Es beginnt bei der Auswahl der Kleidung: Blut ist auf einer weißen Hose schnell und gut zu sehen also wird helle Garderobe gemieden. Patienten achten peinlich genau auf ihre Ernährung, damit es bloß nicht zu einer Verstopfung kommt.

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Das vermeidet zwar Qualen auf der Toilette, ist aber sehr einschränkend, wie eine Betroffene berichtet: "Am schlimmsten finde ich, dass man immer viel trinken soll. Das schreckt mich von längeren Ausflügen ab. Außerdem habe ich unterwegs immer Angst, 'groß' zu müssen. Zuhause geht das ja, aber unterwegs! Nach dem Stuhlgang wasche ich mich immer, trotzdem muss ich nach zirka einer halben Stunde noch mal ran, weil es juckt." Alles muss bedacht werden: Essen, Trinken, Toilettengang, Säubern, Sitzbäder und Medikamente (Salben, Zäpfchen) anwenden. So bestimmen Analerkrankungen rasch die gesamte Tagesplanung.

Analerkrankung: Keine Lust auf Ausgehen, Reisen und Sex

Viele verkneifen sich Aktivitäten, gehen nicht in Schwimmbäder und Saunen oder fahren kein Rad. Gerade in Sommer verzichten Erkrankte auf Sport. Denn hohe Temperaturen kurbeln die Durchblutung und Beschwerden an. Schwitzen verschärft außerdem Hautreizungen und Analekzeme, die mit Hämorrhoidalleiden einhergehen. Eine schwere Analerkrankung behindert beim Verreisen. Schon die Fahrt kann zur Tortur werden.

Eine ehemalige Betroffene erinnert sich: "Eine einstündige Autofahrt hat mich damals schier verzweifeln lassen, und ich wusste hinterher nicht, wie ich aussteigen sollte." Kein Wunder, dass jemand unter diesen Umständen lieber zu Hause bleibt und sich aufs Sofa legt, um die Problemzone Po zu entlasten. Analerkrankungen vereiteln Lust auf Sex, wie eine Befragung zeigt. Frauen regieren hier sehr sensibel, möchten "da unten" nicht berührt werden. Männer stören sich vor allem an Schmerzen.

Unverständnis verletzt

Stark belastet Erkrankte Unverständnis in ihrer Umgebung. Oft tun Partner oder Angehörige ihr Leiden als Anstellerei ab. Das verletzt. "Mein Lebensgefährte hat mich letzte Woche als wehleidig bezeichnet", erzählt eine Frau mit einer langwierigen Analfissur und Analthrombosen. "Nun ist es halt so, dass ich nach dem morgendlichen Toilettenbesuch durch die akuten Schmerzen bis zu drei Stunden nicht unbedingt geregelt meinen Alltag erledigen kann. Diese Kritik hat mich doch sehr getroffen. Er versteht irgendwie einfach nicht, dass sich solche Fissurschmerzen nicht mit einem Arztbesuch abstellen lassen."

Verständnis im Forum finden

Verzicht, Unverständnis, Rückzug, Isolation eine oft zu beobachtende Entwicklung bei Patienten mit Analerkrankungen, aber keine zwangsläufige. Wer in seiner nächsten Umgebung niemanden hat, der zuhört und unterstützt, dem kann das Internet häufig weiterhelfen. Gesprächsforen, in denen sich Betroffene austauschen, sind so etwas wie Selbsthilfegruppen für Hämorrhoiden-Geplagte. Ihr Vorteile: Sie sind anonym. Alle Beteiligten wissen, worum es geht und können eigene Erfahrungen und Tipps beisteuern. Zu sehen, dass man nicht wehleidig reagiert und andere ähnliche Problemen haben, gibt Kraft, auch um sich einem Arzt anzuvertrauen.

Manche warten nämlich zu lange, bis sie der Ursache ihrer Analbeschwerden auf den Grund gehen. Dabei müssten viele Einschränkungen und Quälereien nicht sein. Ein Hämorrhoidalleiden etwa lässt sich in jedem Stadium ärztlich in den Griff bekommen, versichert Dr. Bernhard Lenhard, Facharzt aus Heidelberg.

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Autor: Martina Janning
Letzte Aktualisierung: 01. Juli 2015
Durch: sl
Quellen: Nach Informationen von Patientenbefragungen und nach einem Gespräch mit Dr. Bernhard Lenhard, Coloproktologe aus Heidelberg

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