Rektozele
Wenn der Darm aussackt
Wer Probleme mit Hämorrhoiden hat, leidet bisweilen auch an einer Rektozele. Diese Ausstülpung des Mastdarms steht zwar in keinem direkten Zusammenhang mit einem Hämorrhoidalleiden, doch die Veränderungen spielen sich in der gleichen Körperregion ab. Wichtiger ist allerdings, dass bei beiden schwaches Bindegewebe eine entscheidende Rolle spielt.
Meist bleiben sie unerkannt. Erst wenn sie Beschwerden bereiten, ist es vorbei mit der unbemerkten Existenz im Dunkeln des Enddarms. Die Rede ist von Rektozelen. Das sind Vorwölbungen des Mastdarms. Die können zwar auch Männer betreffen, gelten aber vorwiegend als Erkrankung von Frauen. "Meistens fallen Rektozelen Gynäkologen auf", berichtet Dr. Günther Hasslbauer, Chefarzt der Frauenklinik an den Kreiskliniken Aschersleben-Staßfurt. "Bei Männern sieht man eine Ausstülpung des Enddarms nicht ohne weiteres. Dazu müsste ein Internist oder Chirurg den Mastdarm schon gezielt untersuchen, also eine Rektroskopie machen." Bei Frauen sind die Rektozelen leichter zu bemerken, weil sich bei ihnen der Darm in die Scheide drückt.
Ein Drittel der Aussackungen verursachen keine Beschwerden
Oft treten Rektozelen im Zusammenhang mit Gebärmutter- und Scheidensenkungen (Descensus) auf. "Wir operieren mindestens 1-2 Frauen pro Woche, die in Kombination mit einer Senkung auch eine Rektozele haben", sagt Hasslbauer. Zum Vergleich: Insgesamt macht die Frauenklinik etwa 38 solcher Operationen in der Woche. Viele Frauen hätten aber eine Rektozele, ohne dass sie Beschwerden verursache. "Laut Untersuchungen macht nur ein Drittel aller Rektozelen Probleme", weiß der Facharzt. In den übrigen Fällen kommt es typischerweise zu Störungen bei der Darmentleerung. In der Ausbuchtung kann sich nämlich Stuhl sammeln. "Manche Patientinnen machen dann Folgendes", berichtet Dr. Bernhard Lenhard, Coloproktologe in Heidelberg: "Während des Stuhlgangs drücken sie mit der Hand die Wölbung in der Scheide zurück und versuchen so den Darm zu begradigen."
Normaler, regelmäßiger Stuhlgang verhindert Rektozelen
Viele Frauen mit einer problematischen Rektozele empfinden einen Fremdkörper. Sie haben das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können. In schweren Fällen werden sie von chronischer Verstopfung (Obstipation) und Stuhlinkontinenz geplagt. Dann sollte eine Rektozele natürlich behandelt werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zunächst wird ein Arzt mit Einläufen oder Abführmittel versuchen, einen normalen Stuhlgang zu erreichen. Wichtig ist, dass eine Patientin regelmäßig zur Toilette geht. "Dabei ist drei Mal am Tag genauso normal wie einmal alle drei Tage", erläutert Hasslbauer. Außerdem soll der Stuhl nicht herausgepresst werden, und Toilettensitzungen nicht unnötig lange dauern. Beides kann Rektozelen verschlechtern und begünstigt überdies das Entstehen eines Hämorrhoidenleidens. In Verbindung mit einer Scheidensenkung kommen außerdem oft Pessare zum Einsatz. Hasslbauer: "Das Bunde- und Muskelgewebe, das sich ausgedehnt hat, kann sich so zurückbilden und wieder verfestigen. Auch die Rückbildung einer Rektozele lässt sich so erreichen." Greifen solche Methoden nicht, wird eine schwere Senkung oder Rektozele operativ behoben, indem das Gewebe z.B. gerafft oder stützende Netze implantiert werden.
Training hält den Beckenboden in Form
Um ein Aussacken der Darmwand zu verhindern, raten Experten zu Beckenbodengymnastik. Denn die Ursache von Rektozelen ist ein schwaches Bindegewebe. Das kann erblich bedingt oder durch Schwangerschaften und Geburten entkräftet sein. Der normale Prozess des Alterns tut ein Übriges. Es ist daher empfehlenswert, möglichst früh mit Übungen für den Beckenboden zu beginnen. Das beugt nicht nur Rektozelen vor, sondern hilft auch gegen juckende Hämorrhoiden und Blasenschwäche.




