Verdacht auf Hämorrhoiden

Sichere Diagnose nach dem Ausschlussprinzip

Sichere Diagnose nach dem Ausschlussprinzip_119339710.jpg
Ein Besuch beim Arzt verschafft Klarheit.
Getty Images/iStockphoto

Nicht jeder Gewebeknoten am Po muss eine vergrößerte Hämorrhoide sein. Um sicher zu gehen, woher die Beschwerden des Patienten kommen, macht ein Arzt mehrere Untersuchungen. LIFELINE erklärt, wie er vorgeht.

Bei Beschwerden im Analbereich vermuten die meisten Menschen Hämorrhoiden als Grund. Doch es gibt viele andere Erkrankungen des Enddarms, die in Betracht kommen. Um diese auszuschließen, ist vor allem bei stärkeren Beschwerden eine genaue proktologische Untersuchung wichtig. Die beginnt in der Regel damit, dass der Arzt sich die Symptome schildern lässt. Dann stellt er eine Reihe von Fragen, um sicher zu gehen, dass am Jucken und Brennen auch wirklich vergrößerte Hämorrhoiden schuld sind. Denn Schmerzen im After können zwar durch entzündete Hämorrhoidenknoten entstehen, aber auch eine Analthrombose oder ein Abszess können die Ursache sein. Besonders genau muss der Arzt Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl nachgehen, da im schlimmsten Fall ein Tumor dafür verantwortlich sein kann.

Nach dem Gespräch schaut der Arzt den After an und macht diverse Untersuchungen. Dazu muss der Patient sich so hinlegen, dass der Doktor den Po und den Enddarm gut erreichen kann. Manchmal bittet er den Betroffenen, sich auf die Seite zu legen und die Beine anzuwinkeln (Sims-Position). Oder der Patient liegt auf dem Rücken und platziert seine Beine rechts und links in dafür vorgesehene Halterungen (Steinschnittlage). Variante drei: Der Patient kniet auf der Untersuchungsliege und reckt das Gesäß in die Luft (Knie-Ellenbogen-Lage). Wichtig ist, dass die Körperhaltung entspannt ist. So wird die Untersuchung nicht zu unangenehm.

Der Doktor tastet den After ab

Als erstes begutachtet der Arzt den Darmausgang von außen. So kann er direkt Entzündungen, Hautreizungen, Einrisse und stark vergrößerte Hämorrhoiden sehen. Danach folgt die Tastuntersuchung (Palpation). Mit dem Finger tastet der Doktor den Darmausgang ab, um Veränderungen und die Spannung des Schließmuskels zu erspüren.

Mit Endoskopen kann der Arzt den Darm sehen

Falls der Arzt noch keine eindeutige Diagnose fällen kann, schließt die Inspektion des Analkanals an. Keine Sorge, die endoskopischen Untersuchungen tun meistens nicht weh. Schmerzen treten nur bei einer Analfissur auf; dann wird das Untersuchen besonders behutsam vonstatten gehen. Damit der Arzt bei einer Endoskopie etwas sehen kann, muss der Darm leer sein. Deshalb nimmt der Patient vorher meist ein Abführmittel, oder es wird ein Einlauf durchgeführt.

Für eine Endoskopie kann der Arzt verschiedene Instrumente benutzen, je nachdem, was er sehen will. So eignet sich ein Proktoskop für die vorderen Bereiche des Darmausgangs. Das Gerät ist eine Röhre mit einem Handgriff, 6-15 cm lang. Die Öffnung vorne ist abgeschrägt, manchmal befindet sich in der Mitte ein kleines Fenster. Durch die Röhre kann der Arzt eine Lampe und andere Geräte schieben. So lassen sich mit einem Proktoskop Gewebeproben nehmen oder Hämorrhoiden veröden. Ein Rektoskop ermöglicht einen Blick in den gesamten Enddarm. Es ähnelt einem Proktoskop, ist aber bis zu 30 cm lang und kann sowohl starr als auch flexibel sein.

Wenn diese Proktoskopie und Rektoskopie genannten Untersuchungen keine Ursache für die Beschwerden liefern, kann der Arzt eine Sigmoidoskopie machen. Bei dieser Methode, die zu den Darmspiegelungen zählt, betrachtet er den unteren Bereich des Dickdarms, indem er ein flexibles Endoskop einführt. Noch tiefer dringt der Doktor bei einer Koloskopie in den Darm ein: Dabei betrachtet er den gesamte Dickdarm bis zum Übergang in den Dünndarm. Möglich macht dies ein flexibler Schlauch, an dessen Spitze eine Minikamera sitzt.

Zusätzliche Tests können Pilze und Allergien ausschließen

Manchmal sind ergänzende Untersuchungen sinnvoll. Beispielsweise kann ein Stuhltest eine nicht sichtbare Blutung aus dem Enddarm nachweisen. Um Parasiten, Viren, Bakterien und Pilze als Krankheitsursache auszuschließen, macht der Arzt meist einen Abstrich und lässt ihn im Labor analysieren. Bei einem Analekzem kann ein Test zeigen, ob es durch eine Allergie ausgelöst wurde und welche Substanz der Patient künftig meiden sollte.

Keine Angst vor dem Arztbesuch

Viele Patienten fürchten sich aus Angst oder Scham vor dem Arztbesuch. Sie sollten jedoch wissen, dass die Untersuchung mit dem Finger und die Darmspiegelung für Ärzte Routine sind. Ein Spezialist mit proktologischer Ausbildung kann die nötigen Untersuchungen sehr schonend vornehmen. Außerdem ist zu bedenken, dass ohne die Untersuchung auch keine wirklich effektvolle Therapie möglich ist.

Autor: <!-- viewpixel vgwort: 20080624 --> Martina Janning
Letzte Aktualisierung: 09. September 2009
Quellen: Mit Informationen von Prof. Dr. Volker Wienert, Dr. Horst Mlitz, Dr. Franz Raulf: Handbuch Hämorrhoiden, Uni-Med Verlag Bremen 2008, der Leitlinie „Hämorrhoidalleiden“ der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie und dermis.net

Expertenrat Hämorrhoiden

Im Expertenrat Hämorrhoiden können Sie Fragen an einen Spezialisten stellen.

zum Expertenrat
Fragen an die Expertin
Gratis Broschüren
shop-apotheke.com

Zum Seitenanfang