Bei mittelschweren Hämorrhoiden

Ligatur: Gummiband dreht Hämorrhoiden den Saft ab

Etwa jeder dritte Mitteleuropäer leidet mindestens einmal in seinem Leben an Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden. Eine schonende und sichere Behandlungsmethode bei mittelschweren Hämorrhoiden ist die Gummibandligatur nach Barron.

Patientin und Ärztin
Bei der Gummibandligatur werden Hämorrhoiden abgebunden und sterben nach wenigen Tagen ab.

Fachleute unterscheiden Hämorrhoidalleiden der Grade I bis IV, wobei Grad I die leichteste Form der Erkrankung beschreibt. Die Einteilung gibt nicht nur Auskunft über das Krankheitsstadium, etwa ob die Hämorrhoiden noch im Analkanal liegen oder bereits aus dem After hervortreten (Prolaps), sie beeinflusst auch die Therapieentscheidung. Hämorrhoiden ersten Grades sind beispielsweise symptomatisch mit Salben, Zäpfchen oder Analtampons behandelbar. Hämorrhoiden in fortgeschrittenen Stadien müssen meist operativ entfernt werden.

Gummibandligatur für Hämorrhoiden zweiten oder dritten Grades

Bei Hämorrhoiden von Grad II, seltener III, kommt neben Salben und Cremes zur Linderung von Brennen und Juckreiz die Gummibandligatur nach Barron zum Einsatz. Fachleute nennen die Methode semioperativ, weil der Eingriff ohne Aufschneiden von Gewebe, ambulant und ohne Vollnarkose durchgeführt werden kann.

Bei der Barron'schen Gummibandligatur führt der Arzt mit einem Applikator einen kleinen Gummiring von etwa 5 Millimeter Durchmesser in den Analkanal ein und stülpt ihn mit Hilfe einer Zange über das vorstehende Hämorrhoidalgewebe. Der Gummiring drosselt die Blutzufuhr zum Hämorrhoidalknoten und dreht den vergrößerten Hämorrhoiden sozusagen den Saft ab. Ohne fortlaufende Blutversorgung stirbt das abgebundene Gewebe bereits nach etwa drei bis fünf Tagen ab, löst sich vom Darm und wird meist unbemerkt mit dem Stuhl ausgeschieden. Möglich ist zu diesem Zeitpunkt eine leichte Blutung, die in der Regel jedoch schnell nachlässt.

Nach Gummibandligatur sofort wieder arbeitsfähig

Die Ligatur nach Barron dauert nicht lange: Der Gummiring ist schnell eingeführt und geschieht dies ohne weitere Komplikationen, dauert das Prozedere nur wenige Minuten. Da sich die Methode in der Regel ambulant und ohne Vollnarkose durchführen lässt, ist ein Krankenhausaufenthalt nicht notwendig. Die Schmerzen während und nach dem Eingriff sind verglichen mit anderen Verfahren eher gering. Ein weiterer Vorteil dieser schonenden Behandlung: Die Arbeitsfähigkeit des Patienten ist bei unkompliziertem Verlauf nicht eingeschränkt.

Patienten, die Medikamente zur Blutverdünnung wie etwa Blutplättchenhemmer einnehmen oder eine Erkrankung haben, die zu Schwierigkeiten bei der Blutgerinnung führt, können sich einer Gummibandligatur nicht unterziehen. Für sie besteht ein zu hohes Blutungsrisiko. Auch Menschen, die allergisch auf Latex reagieren, werden nicht mit der Gummibandligatur behandelt. Denn Latex ist in den meisten Gummibändern enthalten und kann bei Allergikern einen schweren allergischen Schock auslösen.

Komplikationen sind bei der Ligatur eher selten

Die Gummibandligatur gilt als ein sehr sicheres Verfahren, um Hämorrhoiden zu entfernen. Nur bei etwa einem von 200 Patienten treten teilweise starke Blutungen nach dem Eingriff auf, auch Analthrombosen sind eine sehr seltene Komplikation. Wenn hochsensibles Darmgewebe beim Platzieren des Gummirings verletzt wird, kann es in manchen Fällen bereits während der Ligatur zu starken Blutungen kommen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch eher gering, besonders dann, wenn ein erfahrener Operateur den Eingriff vornimmt.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Unternehmen Sie in den folgenden zwei Wochen keine Reisen, auf denen keine ausreichende ärztliche Versorgung gewährleistet ist. Denn falls es doch zu einer stärkeren Nachblutungen kommt, sollte ein Fachmann schnell eingreifen können.

Sehr schwere Blutungen werden oft mit einer Umstechungsligatur, die unter Vollnarkose durchgeführt wird, gestoppt.

Umstechungsligatur lindert Jucken nicht

Die Umstechungsligatur ist eine Methode, bei der die zuführende Arterie zum Hämorrhoidalpolster mit chirurgischem Nahtmaterial umstochen und verengt wird. So sollen der Blutfluss in die Hämorrhoiden auf ein Minimum gesenkt und die starken Blutungen, die bei einem kleinen Teil der Patienten auftreten, unterbunden werden. Als alleinige Behandlungsmethode bei vergrößerten Hämorrhoiden ist sie jedoch nicht ausreichend, weil sie die Hämorrhoiden nicht entfernt und auch Beschwerden wie Jucken, Brennen und Hautentzündungen nicht lindert.

shop-apotheke.com

Autor:
Letzte Aktualisierung: 27. Januar 2017
Durch: sist
Quellen: Nach Informationen aus der Fachzeitschrift Der Hausarzt (3/2004) und dem Ratgeber "Hämorrhoiden und der kranke Enddarm", Reinhard F. und Kirsch J.

Aktuelle Fragen
  • Expertenrat Hämorrhoiden
    Auf was muss ich achten? 18.04.2017 | 17:19 Uhr

    Hallo,bis nov 2016 hatte ich noch keine erfahrung mit hämorriden.als ich beim baden ein...  mehr...

  • Expertenrat Hämorrhoiden
    Perianalvenenthrombose 16.04.2017 | 22:34 Uhr

    Hallo... Gestern Morgen hatte ich auf einmal furchtbare Schmerzen und eine Geschwulst am...  mehr...

  • Expertenrat Hämorrhoiden
    Klarer Schleim nach Hämorrhoiden Op 13.04.2017 | 16:00 Uhr

    Guten Tag, ich hatte vor fünf Wochen eine Hämorrhoiden Operation nach Hal-Rar . Ich mache...  mehr...

Expertenrat Hämorrhoiden

Im Expertenrat Hämorrhoiden können Sie Fragen an einen Spezialisten stellen.

zum Expertenrat
Gratis Broschüren
Diskussionsforum

Sie möchten sich mit anderen Betroffenen zum Thema Hämorrhoiden austauschen? Hier geht's zum Diskussionsforum.

zum Forum

Zum Seitenanfang