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Meine Erfahrungen mit MISSH in der Lutrina-Klinik Kaiserslautern

Kategorie: Haemorriden.net » Forum Hämorrhoiden

09.04.2011 | 01:44 Uhr

Da in diesem Forum ziemlich wenig Infos aus der ersten Hand zu dieser OP-Methode gibt, wollte ich hier über meine aktuellen Erfahrungen schreiben. Ich will dadurch allen Betroffenen helfen, die Angst und Unsicherheiten vor der Hämo-OP zu nehmen und die Entscheidung für das eine oder andere OP-Verfahren zu vereinfachen.

Vorabinfo. Ich bin Mitte 30 und hatte seit ca. 12 Jahren Hämos 3. Grades, die unbehandelt und dank guter Analhygiene weitestgehend beschwerdefrei waren. Vor einigen Monaten ist allerdings eine kleine Mariske auf 11 Uhr zu einer großen Mariske auf 10-12 Uhr geworden und nässte. Das war der Anlass, wieder zum Proktologen zu gehen. Nachdem drei Verödungsspritzen für die Hämos erwartungsgemäß nichts gebracht haben, aber die Mariske leicht entzündliche Erscheinung annahm, war eine OP angesagt. Dank diesem Forum habe ich mich dann über verschiedene OP-Verfahren selbst informiert, auch in Medizinbücher bei Google Books reingeschaut und mit verschiedenen Chirurgen gesprochen, die alle was anderes machen würden: im städtischen Krankenhaus (Mariske abschneiden und evtl. Longo in einer OP), ein Privatchirurg (DHA sektorweise ambulant, Mariske – später schauen), Hr. Sverdlov (Sverdlov‘sche Ligatur, Mariske – muss man schauen), Dr. Burgard (MISSH und Mariske abschneiden in einer OP).

Ich habe mich letztendlich für die minimal-invasive MISSH-Methode bei Dr. Burgard in der Lutrina-Klinik entschieden. Wie funktioniert die Methode? Zitat aus einem Interview von Dr. Burgard: „Im Prinzip wird der Vorgang, wie die Hämorrhoiden entstanden sind, wieder rückgängig gemacht, das heißt, die ursprünglichen Verhältnisse werden wiederhergestellt. Konkret bedeutet das, dass zunächst vom Enddarm aus die zu den Hämorrhoiden führenden Blutgefäße unterbunden werden, und zwar oberhalb in einem schmerzlosen Bereich. Dann wird ein ganz kleiner Schnitt in die Haut außerhalb des Afters gelegt. Von diesem Schnitt aus wird mit Spezialinstrumenten der vergrößerte Schwellkörper von innen ausgehöhlt und so verkleinert. Durch spezielle Nähte im schmerzlosen Bereich wird nun noch die Schleimhaut gerafft, in ihrer natürlichen Position vernäht und somit der Vorfall behoben.“

Vorteile aus meiner Sicht: Die Beratung bei Dr. Burgard war einfach besser als bei den anderen Chirurgen. Er konnte mich überzeugen, dass es für die Mariske keine andere Lösung gibt. (Ich wollte sie aus optischen Gründen natürlich auch keineswegs behalten.) Er hat zwar direkt zugegeben, dass die Schmerzen nach der MISSH-OP etwas größer sind als bei der korrekt ausgeführter Longo-OP. Letzte hat jedoch andere mögliche Komplikationen und bietet sich bei mir auch nicht an, da die Hämo-Sektoren bei mir ungleich groß sind. Außerdem wird man in der Lutrina Klinik direkt von Dr. Burgard operiert (Routine!), die Kosten trägt die gesetzliche Krankenkasse und ein OP-Termin ist quasi schon in zwei Wochen möglich. Präoperative Diagnostik (Blut, EKG etc.) kann man beim Hausarzt machen und die Unterlagen den Anästhesisten aus Kaiserslautern vorab zufaxen. Man soll dann direkt am OP-Tag anreisen.

1. Tag. Ich bin 250 km mit dem Auto nach Kaiserslautern gefahren und das Auto im Lutrina-Parkhaus direkt hinter der Klinik abgestellt (6 EUR/Tag). Die kleine Lutrina-Klinik und die OP-Räume liegen im 1. OG über der Praxis von Dr. Burgard relativ zentral in der Karl-Marx-Straße. Es gibt nur etwa 12 Patientenräume, davon zwei Vierbettzimmer und sonst Zweierzimmer. Ein Zweierzimmer bekommt man gegen Zuzahlung von 30 EUR/Tag. Ich hab‘s genommen. Ob es sinnvoll ist, kann man schauen, da die Viererzimmer eh meist nur von ambulanten Patienten genutzt werden und nachts leer bleiben. Luxusausstattung gibt’s in der Klinik definitiv nicht. Im Zimmer gib’s einen Fernseher (ohne Kopfhörersystem) und ein Waschbecken. Drei Toiletten und eine Toilette mit Dusche gibt’s auf dem Gang. Ärgerlich: Ich musste schon um 8.30 Uhr in der Klinik sein und dann einfach warten (ohne Essen und Trinken). Und auf der Station wusste keiner, wann ich dran bin. Dr. Burgard operiert den ganzen Dienstag. Es waren schätzungsweise ein Dutzend Leute dran und es ging wie auf Fließband. Von einem OP-Arzt habe ich erst später erfahren, dass zunächst alle Gelenk-OPs gemacht werden. Proktologie kommt aus Sterilitätsgründen zum Schluss. Die Beratung des Anästhesisten war solala: Die Spinalanästhesie musste ich selbst ins Gespräch bringen. Habe mich dann aber doch für die normale Narkose entschieden: so bekommt man am wenigsten mit. Erst gegen 14 Uhr begann dann die kurze OP-Vorbereitung, die aus einer Beruhigungspille und einem kleinen Einlauf bestand. Irgendwann nach 15 Uhr wurde ich abgeholt und um 16 Uhr wachte ich im Zimmer endlich gut ausgeschlafen auf. Ganz leichte Schmerzen im Po gingen nach der ersten Novalgin-Infusion schnell weg und die drei Tage im Krankenhaus blieb ich dank zweimal täglich 2,5 g Novalgin-Infusion absolut schmerzfrei. Nachdem, was im Internet alles zu lesen gibt, habe ich damit definitiv nicht gerechnet. Vor allem wegen der offenen Mariskenwunde. Auch der Anästhesist hat mir schon ausgemalt, dass ich nach der OP nur auf der Seite liegen kann und schon gar nicht daran denken sollte, selbst nach Hause mit dem Auto zu fahren. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bestätigt. Vier Stunden nach er OP wurde ich vom Überwachungsgerät abgeklemmt und durfte aufstehen. In der ersten Nacht hatte ich unter Androhung eines Katheters etwas mit dem Wasserlassen gekämpft. Nach dem komplett dehydrierten Tag ging das Wasser bei mir literweise rein, aber nicht raus. Dann war‘s doch geschafft (und ich musste noch häufiger zum Pinkeln aufstehen). Etwas ungemütlich lagen auch drei Scheiben Brot (vom Abendessen) im leeren Magen und haben unangenehmen Druck vor sich geschoben. Auch ein Mittel gegen Blähungen hat nicht viel geholfen.

2. Tag. Am frühen Morgen war der dicke zugeklebte Verband am Po erstmal weg. Ein Tamponate im Po wurde übrigens gar nicht gelegt. Insofern alles ganz schmerzfrei. Ab jetzt muss ich nur eine kleine Kompresse zwischen den Pobacken tragen, damit Bluttropfen nicht rauslaufen. Kurz nach dem Frühstück (bestehend aus Kaffee, 2 Brötchen, abgepackter Marmelade, Butter und Frischkäse) hat sich bei mir jedoch eine stärkere Nachblutung ergeben. Nachdem die Oberschwester nichts mehr machen konnte, hat sie schnell Dr. Burgard gerufen und er war sofort da. Zum Glück war es nur eine äußerliche Blutung aus einer Arterie, die beim Mariskenschnitt abgetrennt war. Dann hat er mir was dareingespritzt (und diese Sekunde war das Schmerzhafteste in dieser ganzen Geschichte überhaupt) und ich musste auf dem Verband eine halbe Stunde fest sitzen bleiben. Dann sollte den Verband möglichst lange nicht gewechselt werden. Dann war‘s vorbei. Wegen diesem Vorfall durfte ich am 3. Tag noch nicht nach Hause und bin erst am Freitag entlassen worden, was mir dann auch egal war, denn eine Blutung wollte ich unterwegs oder zu Hause eher nicht erleben.

3. Tag. Wie auch der Tag davor, war er langweilig. Fernsehen, Essen, Fernsehen. Zwischendurch hatte ich auch schon den oft befürchteten ersten Stuhlgang, der sehr flüssig und absolut schmerzfrei rausgeschossen war. In der Klinik bekommt man neben den Schmerzpräparaten täglich auch eine Tablette für den weicheren Stuhl und zwei Tüten Flohsamenschalen. Das Mittagessen war ok: Suppe, kleiner Salat, großes Hauptgericht, Nachtisch. Das Abendessen – naja: 2-3 Scheiben Brot mit Wurst-/Käseaufschnitt. Außerdem hat man immer genug Getränke da: Wasser oder Tee. Nachmittags fragen die Schwestern sogar, ob man eine Tasse Kaffee will. Generell fand ich die Versorgung auf der Station gut. Die Schwestern (vor allem die Nachtschwestern!) haben sich sehr gut um alle gekümmert, auch wenn‘s an OP-Tagen zum Teil etwas chaotisch war. Die Klinik füllt sich bis Mittwoch auf, ab Donnerstag wird’s leerer, am Samstag müssen alle heim. Neben den Patienten von Dr. Burgard liegen auch die von Dr. Franz da. Fast alle mit Gelenk-OPs.

4. Tag. Ich habe mich geduscht, gefrühstückt, wurde entlassen (und dabei für zwei Wochen krankgeschrieben) und bin 250 km mit dem Auto selbst absolut entspannt nach Hause gefahren. Ab jetzt bin ich nur auf Novaminsulfon-Tropfen gestellt (ich nehme jetzt so 35 Tropfen alle 8 Stunden – das Maximum wäre 40 Tropfen alle 6 Stunden) und konnte sehr gut schlafen.

5. Tag (heute). Es zwickt ein wenig im Po, aber als Schmerzen würde ich das immer noch nicht bezeichnen. Nach dem Stuhlgang dusche ich am Wannenrand ab, aber wie empfohlen creme ich nichts ein und nehme keine Abführmittel. Nur die regulierenden Mittel wie Flohsamenschalen. Blut kommt wenn überhaupt nur tröpfchenweise raus, auch etwas mehr Blut wäre laut Dr. Burgard noch normal. Ab dem Tag 6 sollen die Wunden vernarben, da kann’s etwas mehr schmerzen. Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen noch kommt.

Ich bin bisher sehr positiv überrascht, dass es bei mir alles so einfach ging. Sicherlich ist der Verlauf nach einer solchen OP sehr individuell. Aber aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich jedem raten, mit einer Hämo- oder Marisken-OP nicht unnötig lang zu warten. Es ist gar nicht immer eine qualvolle Sache, wie man aus dem Internet so lesen kann! Weitere Fragen beantworte ich gern.

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13.04.2011, 12:22 Uhr
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Hallo,
zuerst einmal vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich finde es toll, wenn man das Forum nicht nur bei Problemen nutzt, sondern auch seine persönlichen Problemlösungen und Erfahrungen weitergibt. Ich hoffe, ich kann auch bald von einer positiven Erfahrung berichten, zur Zeit bin ich noch mit Recherche beschäftigt.
Bei mir ist eine einzelne Hämorrhode 3. Grades diagnostiziert worden, die nach Fergueson operiert werden soll.
Sie schreiben, dass Sie auch bei Herrn Sverdlov in Berlin waren.
Wie war Ihr Eindruck und gab es Gründe warum Sie sich nicht für ihn entschieden haben ?
Vielen Dank und viele Grüße
Susanne

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13.04.2011, 15:52 Uhr
Antwort

Hallo,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Dass es über die Severdlov´sche Op-Methode keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen gibt, irritiert mich auch etwas. Mein Proktologe - an sich sehr kompetent und vertrauenswürdig - möchte nach Ferguson operieren. Es sei nur ein kleiner Eingriff, ambulant möglich und mit entsprechendem Schmerzmittel und Verhalten schmerzfrei. Nach dem was man über diese Methode hier im Forum liest, habe ich aber doch meine Zweifel...HAL käme für mich nicht in Frage, da es sich um eine einzelne gut abgegrenzte Hämorrhoide handelt. Operiert Dr. Burgard nur nach der MISSH-Methode oder auch nach Ferguson ? Wie Sie bereits geschildert haben, ist das Problem, dass man von 3 Ärzten 3 Meinungen bekommt - und als Laie soll man sich dann für das Richtige entscheiden ?!

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13.04.2011, 16:06 Uhr
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Eine OP nach Ferguson ist soweit ich weiß eine traditionelle Methode, aber an sich nicht schlecht, da hinreichend gesicherte Erfahrungen bereits existieren. Ich vermute, dass Dr. Burgard heute nur nach der MISSH-Methode operiert. Sie müsste sich für einzelne Hämo-Knoten aber auch gut eignen. Es wäre für Sie evtl. eine Überlegung Wert. Anders als bei Ferguson wird dabei nichts geschnitten, daher tendenziell weniger Schmerzen.

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13.04.2011, 21:23 Uhr
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Ich habe mit Hr. Sverdlov nur telefoniert. Es war sehr nett, informativ und definitiv eine Überlegung wert. Dagegen habe ich mich aus folgenden Gründen entschieden: 1. Es war nach dem Telefonat unklar, was mit der Mariske passiert. Ich wollte sie weghaben. Wenn dadurch aber größere Schmerzen entstehen sollten, nützt mir die schmerzfreie Hämo-Ligatur von Hr. Sverdlov auch nichts. 2. Große Entfernung nach Berlin. 3. Kosten 600 EUR für die OP plus Reisekosten. 4. Gar keine wissenschaftlichen Untersuchungen für die angewendete OP-Methode bislang veröffentlicht. 5. Die MISSH-Methode erschien mir (nach meinem laienhaften Verständnis) sicherer, da das Hämo-Gewebe nicht nur zusammengeschnürt, sondern mit einem Shaver zerstört wird.