Verdauung & Wohlbefinden
Die Fröhlichkeit aus dem Darm
Wenn die Verdauung gestört ist, leidet die Laune. Der Grund: Bauch und Kopf reden miteinander. Dabei beeinflusst der Darm das Gehirn mehr als umgekehrt.
Verdauung im Lot, Laune im Plus
Das prägt. Bestimmt. Wenn ein Kind zum ersten Mal das "große Geschäft" ins Töpfchen macht, strahlen Elternaugen. Das ausgiebige Lob, der Beifall, wie fein das Kind dies hinbekommen habe, lässt einen Menschen vielleicht nie wieder los. Oder? Anders ist jedenfalls die Inbrunst kaum zu erklären, mit der viele Erwachsene ihren Stuhlgang zelebrieren.
Wer sein Geschäft verrichtet, leistet Großes. Das klingt pathetisch, doch eine geregelte Verdauung wirkt sich tatsächlich sehr segensreich aus. Wenn es auf der Toilette flutscht, fühlen wir uns leicht und froh. Das bestätigt auch eine Umfrage im Auftrag der Firma Kelloggs. Demnach steigt Männern eine Verstopfung regelrecht zu Kopf. Bei etwa 25 % schwindet die Kreativität, bei 45 % lähmt der Stau im Darm die Leistungskraft. Das Gros der befragten Männer und Frauen fühlt sich nach erfolgreich bekämpfter Darmträgheit befreit und mehr. Eine überstandene Verstopfung sorgt sogar für ein mentales Hoch: 53 % fühlen sich besser gelaunt, 27 % selbstsicherer und 42 % leistungsfähiger.
Bauch und Kopf kommunizieren
Sorgen und seelische Probleme können den Darm irritieren und z.B. zu einem Reizdarmsyndrom oder einer Verstopfung führen. Doch psychische Prozesse und die Verdauung sind sehr viel enger miteinander verbunden als lange angenommen. "Menschen haben nicht nur ein Gehirn im Kopf, sondern auch eins im Bauch", erklärt die Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst. Das so genannte Bauchhirn fühlt mit und tauscht sich mit dem Kopfhirn aus, haben Forscher herausgefunden. "Als Mitverursacher funktioneller Magen-Darm-Störungen vermuten Experten daher eine gestörte Kommunikation zwischen Bauch- und Kopfhirn", berichtet Scharnhorst. Erstaunlich: 90 % der Informationen gehen vom Bauch zum Gehirn. Nur 10 % der Nervenfasern liefern Mitteilungen vom Hirn zurück zum Darm. Der Bauch informiert also das Gehirn und zwar den Teil, der für Stimmungen zuständig ist. Das erklärt, warum Menschen mit chronischen Darmstörungen oft auch mit seelischen Schwierigkeiten kämpfen, und einem schlechtes Essen aufs Gemüt schlägt.
Die Darmwand produziert Glückshormone
Unterschätzte Kommandozentrale: Die Eingeweide sind mit über 100 Millionen Nervenzellen umhüllt, das sind mehr als sich im Rückenmark befinden. Das Bauchhirn ist ein Abbild des Kopfhirns - Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind genau gleich. Diese größte Ansammlung von Nervenzellen außerhalb des Kopfes managt nicht nur unsere hochkomplexe Verdauung. Sie ist auch an der Herstellung von Hormonen beteiligt, die unsere Stimmung beeinflussen. Beispielsweise produziert der Körper das Glückshormon Serotonin zu 95 % in den Zellen der Darmwand und lagert es dort ein. Insgesamt fertigt und reguliert das Bauchhirn mindestens 40 Botenstoffe, unter ihnen berauschende Endorphine und aktivierendes Dopamin. Zugleich reagiert der feinnervige Darm empfindlich auf Stresshormone; sie können seine Tätigkeit nachhaltig stören. Immer wenn der Darm kontrahiert, stößt er Serotonin oder andere Botenstoffe aus, die Daten über das Nervensystem ins Kopfhirn leiten. So entstehen Unpässlichkeit oder Wohlbefinden, Müdigkeit oder Energie, schlechte oder gute Stimmung.
Das Bauchhirn merkt sich Gefühle
Das Darmhirn entwickelt sich schon im Mutterleib und beginnt nach der Geburt sofort zu arbeiten. Es registriert alles: Die Nahrungsstoffe, die das Baby zu sich nimmt, aber auch die Zuwendung, die das Kind bekommt. Da das Bauchhirn mit dem Großhirn korrespondiert, nimmt es an dessen Wahrnehmung teil. So merkt sich der Darm auch Stimmungen und Gefühle. Darunter sicher die große Anerkennung für die ersten Haufen ins Töpfchen. Erlebnisse, die Erwachsene später unbewusst erinnern als: Stuhlgang gut, alles gut.









