
Ernährung
Chili - kein Problem für Hämorrhoiden, aber für die Haut
Chilipulver verschlimmert Jucken und Brennen bei Hämorrhoidalleiden nicht, hat eine Studie ergeben. Wer aber von scharfem Essen Durchfall bekommt oder eine gereizte Pohaut hat, sollte vorsichtig mit Chili sein.
Chiliverbot nicht gerechtfertigt
In vielen Ländern der Welt essen die Menschen gerne scharf. Das ist gesund. Denn pikante Speisen kurbeln die Produktion von Magensaft an und fördern so die Verdauung. Zudem wirkt der saure Magensaft antibakteriell und tötet krankmachende Mikroorganismen ab. Doch scharfes Essen steht auch in dem Ruf, Hämorrhoidalleiden zu verschlechtern. Einer Gruppe italienischer Wissenschaftler rund um Donato F. Altomare ließ das keine Ruhe. Sie beschlossen, der Sache mit einer Studie auf den Grund zu gehen. Dazu gaben die Wissenschaftler 50 Patienten mit einem Hämorrhoidalleiden 2. oder 3. Grades zweimal nach dem Mittagessen entweder eine Kapsel mit rotem Chilipulver oder ein Placebo. Die Hülsen mit Chili enthielten zehn Milligramm des scharfen Pulvers – so viel wie zwölf Profiköche, die die Forscher zu Rate gezogen hatten, im Schnitt für ein scharfes Essen verwenden. Die Menge entspricht etwa einer Messerspitze Chilipulver.
Nachdem die Patienten die Kapseln geschluckt hatten, beobachteten die Forscher die Wirkung auf die fünf typischen Hämorrhoidalbeschwerden Blutung, Schwellung, Schmerzen, Juckreiz sowie Brennen und dokumentierten die Ergebnisse anhand einer Skala von eins bis zehn. Über das Ergebnis staunten sie nicht schlecht: Weder sechs, 24 noch 48 Stunden später verschlimmerte das scharfe Essen die untersuchten Beschwerden der vergrößerten Hämorrhoiden. Die Wissenschaftler kommen daher zu dem Schluss, dass es keinen Grund gibt, Hämorrhoiden-Patienten den moderaten Gebrauch von Chili im Essen zu verbieten.
Flüssiger und häufiger Stuhl können die Afterhaut reizen
Ganz so problemlos sehen andere Enddarmexperten den Chilikonsum bei einem Hämorrhoidalleiden allerdings nicht. Sie verweisen darauf, dass scharfes Essen die Verdauung ankurbeln kann und bei Menschen, die nicht an Schärfe gewöhnt sind oder einen empfindlichen Magen haben, zu Durchfall führen kann. Extrem häufiger Stuhlgang und Durchfall könnten den vergrößerten Hämorrhoidenknoten zusetzen und zu Entzündungen führen, urteilt der Heidelberger Proktologe Dr. Bernhard Lenhard. Er beobachtet vor allem Hautprobleme. „Scharf gewürzte Speisen können den Stuhl verändern und dadurch zu Reizungen der Haut im Analkanal und in der Afterumgebung führen“, sagt der Enddarmspezialist. Diesen Aspekt hatten die italienischen Ärzte tatsächlich nicht beleuchtet, wie ein Blick in die Studie zeigt. Vielmehr schlossen sie Hämorrhoiden-Patienten mit Hautproblemen am After von der Untersuchung aus.
Doch nach Lenhards Erfahrungen haben viele Hämorrhoiden-Geplagte eine gereizte Pohaut oder sogar ein Analekzem. Denn die vergrößerten Gewebeknoten führen oft dazu, dass der After nicht mehr richtig dichthält und herauslaufendes Sekret die umliegende Haut angreift. Dünner Stuhl führe zu einem wunden Po, auch im Afterkanal, sagt Lenhard. Hämorrhoiden-Patienten, die von scharfem Essen Durchfall bekommen, sollten daher lieber die Hände von zu viel Chili und ähnlichem lassen – insbesondere wenn ihre Afterhaut schon angegriffen ist.










