
Ein dickes Problem
Übergewicht fördert Hämorrhoidenleiden
Immer mehr Deutsche sind zu dick. Das ist ungesund – auch für die Hämorrhoiden. Die Blutgefäßpolster am Afterausgang können sich vergrößern und Beschwerden wie Jucken und Nässen verursachen.
Jeder zweite Deutsche ist zu dick. Im Jahr 2009 brachten 51 Prozent der Erwachsenen zu viele Kilos auf die Waage – Männer mit 60 Prozent häufiger als Frauen mit 43 Prozent. Damit stieg der Anteil der Übergewichtigen im Vergleich zu 1999 an. Damals waren 56 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen zu dick, teilte das Statistische Bundesamt im Juni 2010 mit.
Bei seiner Erhebung legte die Behörde den Body-Mass-Index (BMI) zugrunde, bei dem das Körpergewicht durch das Quadrat der Körpergröße geteilt wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Erwachsene mit einem BMI über 25 als übergewichtig, mit einem Wert über 30 als stark übergewichtig ein. Demnach gilt beispielsweise ein 1,80 Meter großer Erwachsener ab 81 Kilogramm als übergewichtig und ab 97 Kilogramm als stark übergewichtig.
Übergewicht behindert die Blutzirkulation im Analbereich
Dass Übergewicht ein Wegbereiter für Erkrankungen von Herz und Kreislauf, für Diabetes mellitus und Gelenkverschleiß ist, wissen inzwischen viele Menschen. Weniger bekannt ist jedoch, dass zu viel Körperfülle auch Beschwerden mit den Hämorrhoiden begünstigt. „Übergewicht steht in direktem Zusammenhang mit der Entstehung von Hämorrhoidenleiden", sagt Dr. Bernhard Lenhard, Sprecher des Berufsverbands Deutscher Coloproktologen. Frauen sind hierbei stärker gefährdet als Männer, weil ihr Bindegewebe schwächer ist.
Durch Übergewicht geschieht Folgendes im Analbereich: Es belastet den Halteapparat mit seinen Bändern und dem Bindegewebe. Dazu drückt die Last der Pfunde auf den Enddarm und behindert die Blutzirkulation. Die Hämorrhoidenpolster können sich dadurch vergrößern und zu den typischen Beschwerden wie Jucken, Brennen, Nässen und wunder Haut am Afterausgang führen.
Nur Abnehmen löst das Grundproblem
Die Beschwerden vergrößerter Hämorrhoiden lassen sich zwar bis zu einem gewissen Grad der Erkrankung mit Salben und Spezialzäpfchen lindern. Bei Übergewichtigen geht kein Weg am Abnehmen vorbei, um das Problem grundsätzlich in den Griff zu bekommen.
Doch gerade bei stark übergewichtigen Menschen ist das leichter gesagt als getan. Die Mühen beginnen damit, unter den vielen Angeboten die passende Abspeckkur auszuwählen. Dann geht es darum, das reduzierte Gewicht dauerhaft zu halten.
Schlank bleiben durch Umstellen der Ernährung
Fachleute sagen: Grundsätzlich hilft nur das Umstellen der Ernährung auf eine fettreduzierte, abwechslungsreiche Kost, um dauerhaft schlank zu bleiben. Die Stiftung Warentest beurteilt z.B. die „Ideal-Diät“ der Ernährungswissenschaftler Michael Hamm und Friedrich Bohlmann als „sehr empfehlenswert“. Diese Mischkostdiät setzt auf wenig Fett und kohlenhydratbewusstes Essen, kurz Glyxkost genannt. Denn bestimmte Nahrungsmittel lassen den Blutzucker kaum ansteigen, sodass der Körper wenig Hunger verspürt. Ein Praxistest zeigte, dass der Ansatz funktioniert: Übergewichtige, die die Idealdiät getestet haben, verloren in 2-7 Monaten zwischen 5 und 17 Kilogramm.
Andere Mischkostdiäten wie die Brigitte-Diät, die Fit-for-Fun-Diät oder Weight Watchers schneiden bei der Stiftung Warentest ebenfalls gut ab. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Mischkostdiäten.
Kassen bezuschussen Abnehmprogramme
Eine Gruppe von Gleichgesinnten kann beim Durchhalten einer Diät und einer dauerhaften Ernährungsumstellung sehr hilfreich sein. Ein populäres Beispiel für diese Form der Unterstützung sind die Weight Watchers mit ihren wöchentlichen Treffen. Dass die Abnehmwilligen hier Punkte statt Kalorien zählen, scheint ein weiterer Motivationsfaktor zu sein – besonders für Männer. Das Prinzip ist einfach: Alle Nahrungsmittel und Getränke sind mit Punkten ausgestattet. Obst- und Gemüsesnacks zählen z.B. null Punkte, Kartoffeln zwei, ein Hamburger hingegen fünf Punkte. Es gibt keine Essverbote – alles ist erlaubt, solange der tägliche Höchstwert nicht überschritten wird.
Tipp: Die meisten Krankenkassen unterstützen ihre Mitglieder beim Abnehmen, indem sie für die Teilnahme an empfehlenswerten Kursen einen Zuschuss zahlen. Schließlich, so die Kassenlogik, kann das Reduzieren von Übergewicht einer ganzen Reihe von Krankheiten vorbeugen – auch einem Hämorrhoidenleiden.










