Hämorrhoiden bei Kindern
Gibt es das wirklich?
Wenn Eltern bei ihrem Kind bläuliche Knoten am After entdecken, ist der Schreck meistens groß. Auch wenn sich die Knötchen einige Zeit nach dem Stuhlgang wieder in den Anus zurückziehen - die Sorge bleibt: Können kleine Kinder schon Hämorrhoiden bekommen? Sie können. Allerdings kommt das äußerst selten vor. In der Regel steckt etwas anderes dahinter.
"Hämorrhoiden bei Kindern sind sehr, sehr selten", sagt Prof. Klaus-Peter Zimmer, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung. In seinen 13 Jahren Praxis als Magen-Darm-Spezialist für Kinder habe er nur einmal einen kleinen Patienten wegen Hämorrhoiden behandeln müssen. Wenn kleine Knötchen durch den Anus nach außen treten, handele es sich meist um einen Prolaps. Dabei wird Schleimhaut des Enddarms durch den Schließmuskel nach außen gedrückt. Hämorrhoiden hingegen sind Krampfadern. Befinden sie sich im Inneren des Analkanals fallen sie nur durch Blut im Stuhl auf. Hervorgetretene Hämorrhoiden können bedeutend lästiger sein. Sie jucken und brennen.
Auch eine Analfissur kann Blut im Stuhl verursachen
"Bei Verdacht auf Hämorrhoiden ist immer erst zu prüfen, ob es sich um einen Prolaps handelt", erklärt Zimmer. Auch weitere Ursachen muss ein Arzt in Betracht ziehen. Ebenso kann eine Analfissur schuld sein. Das ist ein kleiner Riss in der Anal-Schleimhaut, der sich entzündet hat. Er verursacht stuhlgangabhängige Schmerzen - ein wichtiger Unterschied zu inneren Hämorrhoiden.
Verstopfung beschert Kindern Hämorrhoiden
"Die häufigste Ursache für Hämorrhoiden bei Kindern ist Verstopfung", erläutert Zimmer. Kein seltenes Phänomen. "Man glaubt es gar nicht, aber 4-10% der Kinder leiden an Verstopfung." An zweiter Stelle stehe "Pressen beim Stuhlgang". Manche Eltern entwickelten großen Ehrgeiz, ihren Nachwuchs möglichst früh sauber zu bekommen. "Doch Kinder sollten nicht zu stark unter Druck gesetzt werden", rät der Experte. "Auch Ermutigungen zu starken Bauchpressungen sind fehl am Platze."
Manchmal machen Stuhlweichmacher Sinn
Das A und O bei der Behandlung von Hämorrhoiden sind "stuhlregulierende Maßnahmen", sprich: Verstopfungen bekämpfen. Zum einen sollten die Eltern darauf achten, dass das Kind mehr trinkt. Viele Jungen und Mädchen vergäßen das einfach, beobachtet Kindergastroenterologe Zimmer. Zum anderen rät er, die Ernährung anzupassen: "Weniger Schokolade und mehr Obst und Gemüse." Hilft das alles nicht, sind "Stuhlweichmacher" sinnvoll. Milchzucker oder Lactulose können verhindern, dass dem Stuhl im Dickdarm zu viel Wasser entzogen wird. So flutscht es auf der Toilette besser.
Bei Kindern ist viel Sensibilität bei der Behandlung gefragt
Plagen ein Kind Hämorrhoiden, sollte man es zunächst mit entzündungshemmenden Salben probieren, die zugleich schmerzstillend sind. Prof. Zimmer mahnt zu angemessenem Vorgehen: "Der Anus ist eine unheimlich empfindliche Zone. Zu viele Rektal-Untersuchungen und -Eingriffe können ein Kind traumatisieren. Wichtig ist auch, es nicht ständig von einem anderen Arzt begutachten zu lassen."
Noch ein Wort zur Analhygiene: Bei kleinen Wunden sollte der Po nach dem Stuhlgang mit klarem Wasser abgeduscht werden, empfiehlt Zimmer. Gut seien auch Sitzbäder mit einem entzündungshemmenden Zusatz wie Kamille.







