
Hygiene
Hämorrhoiden stimmen Briten sanft
Kein Witz: Im öffentlichen Dienst von Großbritannien wurde mehr als 18 Jahre lang um die Weichheit des behördlichen Toilettenpapiers gerungen. Auslöser des Aufruhrs waren die Sorgen eines Diplomaten-Arztes um die Hämorrhoiden eines Patienten. Löbliches Engagement. Wie aber wirkt raues Toilettenpapier auf die unliebsamen Knötchen? Waren die Briten zu recht von der Rolle?
Ein Brief des Arztes John Hunt an den Gesundheitsdienst der englischen Regierung entfachte einen Schriftverkehr, der seines Gleichen sucht. 1963 schrieb der Mediziner: "Einer meiner Patienten ist der Ansicht, dass das Regierungs-Klopapier veraltet und extrem unzuträglich für sein Leiden (Hämorrhoiden) ist." Vorausgegangen war die Untersuchung von Sir John Pilcher, dem damaligen britischen Botschafter in Österreich. Hunt weiter: Er stelle sich die Frage, "ob es Chancen gibt, das Papier gegen ein weicheres Modell auszutauschen". Dem Schreiben folgte eine lebhafte Debatte, an dem sich mehrere Gewerkschaften, die Königliche Papierwaren-Behörde und die britische Schule für Hygiene und Tropenmedizin beteiligten. Erst 1981 konnten die 50.000 Akten geschlossen werden, wie der britische "Daily Telegraph" nun berichtet. Der Grund: Die Papierverhältnisse auf britischen Behörden-WCs hatten sich grundlegend geändert. Die Verantwortlichen ließen sich erweichen: Das ultraraue Billig-Papier war durch softeres ersetzt worden. Allerdings erst, als die weichen Rollen billiger wurden, und Mediziner zu dem Schluss kamen, dass sanftes Toilettenpapier hygienischer ist. Bis dahin galt glattes, hartes Papier als besonders gesund.
Weiches Toilettenpapier scheuert weniger
Heute herrscht kein Zweifel daran, dass weichen Blättern der Vorzug zu geben ist. "Hartes Toilettenpapier scheuert. Der Abrieb kann vergrößerte Hämorrhoidenpolster zum Bluten bringen", erklärt Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbandes der Coloproktologen Deutschlands. Das setzt allerdings voraus, dass die Hämorrhoiden schon sehr weit fortgeschritten sind und bereits aus dem After treten. Dennoch: Blut auf dem Klosettpapier ist für Patienten ein ernstzunehmender Hinweis auf Hämorrhoiden, dem sie nachgehen sollten.
Schuld an den Beschwerden des britischen Botschafters waren jedoch wahrscheinlich gar nicht (nur) seine Hämorrhoiden, sondern vermutlich ein Analekzem. Bei 70% aller Patienten träten beide Erkrankungen zusammen auf, berichtet Lenhard. Häufig werden Analekzeme auch durch feuchtes Toilettenpapier hervorgerufen. Es enthält oft Substanzen, die Allergien auslösen. Die Nässe erniedrigt zusätzlich die Schutzbarriere der Haut, sodass Keime leichter eindringen können.
Klares Wasser besser als Papier
Besonders wenn die Haut bereits gereizt ist, sollte der After nicht mit Papier, sondern nur mit klarem Wasser gereinigt werden. So zeigte eine Studie am Darmzentrum Vlotho: 60% der Patienten fühlten sich wohler, nachdem sie von trockenem Toilettenpapier auf Wasser umgestiegen waren. Lenhard empfiehlt daher bei allen Enddarmerkrankungen, den Po nach dem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser abzuduschen. Seife ist tabu, auch pH-neutrale. Sie führt zu unnötigen Hautirritationen. Lenhard: "Falls keine Dusche zur Hand ist, sollte man den After mit einem nassen Waschlappen reinigen. Danach nie vergessen, gut abzutrocknen! Feuchte Haut begünstigt nämlich die Bildung von Ekzemen."










