Kleine Klopapierkunde
Bei Hämorrhoiden lieber weich, reißfest und ohne Zusatz
Ein Hämorrhoidenleiden verursacht meistens auch eine wunde Analregion. Betroffene wissen: Hartes Toilettenpapier ist nur in Sachen Qual die erste Wahl.
Hauptsache weich
Menschen mit Hämorrhoidenleiden mögen es weich, sehr weich: Welchen Luxus sanftes Toilettenpapier bedeutet, zeigt ein Blick ins vergangene Jahrhundert. Bis in die 1970er Jahre hinein waren Zeitungen für die Toilettenhygiene weit verbreitet. In kleine Blätter geschnitten, an einer Ecke gelocht und auf einen Bindfaden gezogen, hingen sie nicht nur bei Menschen, die noch Plumpsklos kannten oder Zeitungen zum Wegwerfen zu schade fanden, aber nicht alle als Mottenschutz zwischen ihre Pullis packen konnten. Die Qualen der Zeitgenossen mit wundem Analareal mag sich keiner mehr vorstellen: Erst das schmerzhafte Stuhllassen, vorbei an den vergrößerten entzündeten Hämorrhoidenpolstern am Afterausgang und dann auch noch das Reinigen mit hartem schmirgelnden Zeitungspapier. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Allein in Deutschland buhlen die Hersteller heute mit mehr als 80 Sorten Toilettenpapier um die Gunst der Kunden. Jeder Deutsche verbraucht über einen Kilometer davon im Jahr, macht im Schnitt 20 Blatt am Tag.
Fest und belastbar
Menschen mit Hämorrhoidenleiden mögen es auch reißfest - noch mehr als andere Leute. Dabei legen schon gesunde Deutsche Wert auf Festigkeit. Hierzulande ist die Durchreißgefahr besonders hoch, da 90% der Männer und Frauen das Toilettenpapier falten. Lediglich 6% knüllen es zusammen, noch weniger wickeln das Papier oder reißen Blatt für Blatt ab, haben die Marktforscher von Procter & Gamble herausgefunden. Im Ausland ist das ganz anders - da wird überwiegend geknüllt. Daher ist das Klopapier in den USA sehr flach und hat wenig Struktur. Doch Hämorrhoidenkranke schätzen reißfestes Toilettenpapier besonders, weil viele es mit Wasser benetzen, um nach dem Stuhlgang ihren Allerwertesten gründlich zu säubern. Keine einfache Prozedur - gerade wenn das Leiden fortgeschritten ist und sich ein Analekzem gebildet hat. Hautärzte raten Betroffenen daher auch: Wenn möglich, abduschen oder mit einem weichen feuchten Waschlappen reinigen.
Frei von Zusatzstoffen
Menschen mit Hämorrhoidenleiden mögen es außerdem schnörkellos, am besten pur. Denn viele Betroffene entwickeln Hautentzündungen am Po: Schon bei vergrößerten Hämorrhoiden 2. Grades kommt es bei 80% der Betroffenen gelegentlich zu Analekzemen, da die Gefäßpolster nässen und die Flüssigkeit aus dem After rinnt. Gelangen Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Farbstoffe in diese wunden entzündeten Hautstellen, kann das nicht nur sehr schmerzhaft sein. Die Zusatzstoffe können den Zustand der Haut auch verschlimmern und zudem Allergien auslösen. Daher sollten Hämorrhoidenleidende von Toilettenpapier mit Duft- oder Farbstoffen besser die Finger lassen. Noch schlimmer für die Analhaut sind aber feuchtes Toilettenpapier und Feuchttücher, da die Nässe die Schutzbarriere der Haut mindert und Keime so leichter eindringen können.
Toilettenpapier im Test
Fazit: Ein Toilettenpapier für Menschen mit Hämorrhoidenleiden sollte sehr weich, reißfest und ohne Zusatzstoffe sein. Wer sich nicht lange mit Selbstversuchen aufhalten will, kann sich beim Kauf am Urteil der Stiftung Warentest orientieren. Die Verbraucherschutzorganisation testete 27 Klopapiere und kürte die Marken "Charmin Comfort weiß", "Charmin De Luxe" und "dm sanft + sicher" mit fünf Lagen zu den Testsiegern. Dabei bescheinigten die Prüfer den Charmin-Papieren, dass sie - angenehm weich, gleichzeitig aber stabil - seien sowie unter Druck und durchnässt lange in Form blieben. Zustande kommen diese Vorzüge durch eine spezielle Herstellungsart, bei der der Zellstoffbrei auf eine Art Gitter aufgesprüht und mit heißer Luft getrocknet wird. Auch unter den Recyclingpapieren fanden die Tester zwei weiche Favoriten: "Danke" und "Vitess" von Aldi Nord. Die Zeitschrift Ökotest hingegen kürte bei einer Untersuchung von Marken aus Altpapier das WC-Papier "Charmin Wolkenweiß" als Sieger im Nässetest, weil es sich - mit Abstand sehr robust - zeigte. Im trockenen Zustand erwies es sich laut Ökotest aber als wenig reißfest. Einen Minuspunkt erhielt es, weil es aus Zellstoff ist, der aus frischen Holzfasern gewonnen wird. Das sei Verschwendung von Rohstoffen und Energie und belaste die Abwässer vergleichsweise stark, urteilten die Tester.







