
Radfahren
Bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden gar nicht gut
Fahrradfahren ist gesund, solange die Gewebeknoten im Po nicht stark vergrößert sind. Anderenfalls kann ihr Nässen Hautentzündungen verschlimmern.
Keine Hämorrhoiden durch Radfahren
Wer aktiv etwas für seine Gesundheit tun will, sollte aufs Fahrrad steigen, rät die Allgemeine Ortkrankenkasse (AOK): Regelmäßiges Radfahren kann Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rückenschmerzen vorbeugen. Klingt gut, aber ist Radfahren auch für Hämorrhoiden-Geplagte zu empfehlen? Ja, meint Dr. Bernhard Lenhard vom Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands. Grundsätzlich gelte: Radfahren fördere die Vergrößerung der Gewebepolster im After nicht. Im Gegenteil entlaste Radeln den Beckenboden, urteilen die Coloproktologen Dr. Freya Reinhard und Dr. Jens J. Kirsch in ihrem Ratgeber "Hämorrhoiden und der kranke Enddarm". Das beugt einem Hämorrhoiden-Leiden sogar vor. Zudem wirkt Bewegung gegen Verstopfung, die ein wichtiger Grund dafür ist, dass Hämorrhoiden größer werden.
Probleme bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden-Leiden
Zweifelhaft wird Radfahren, wenn das Enddarmleiden schon bis ins dritte Stadium fortgeschritten ist. Dann fallen die Hämorrhoiden beim Stuhlgang und bei körperlicher Belastung aus dem After, können aber noch mit der Hand zurück gedrückt werden. "Bei einem weit fortgeschrittenen Hämorrhoiden-Leiden mit Sekretion in die Afterumgebung raten Ärzte von Radfahren ab", erklärt Lenhard. "Weil die Hautfalten bei der Bewegung aneinander reiben, kann das Nässen das Hautleiden verschlimmern." Ab dem dritten Stadium sei eine Verkleinerung der Hämorrhoiden durch eine Operation angezeigt.
Nach Operation Zwangspause für Radler
Wer sich nach einer Hämorrhoiden-Operation gleich wieder auf den Fahrradsattel schwingen will, muss sehr hart im Nehmen sein. Es dauere schon 3-5 Wochen, bis Radfahren wieder möglich sei, weiß Facharzt Lenhard. Die Dauer variiere individuell. "Es kommt auch auf die Operationsmethode an, ob eine umfangreiche, plastische Rekonstruktion des Afters gemacht werden muss, oder es mit der Longomethode geht. Dann verläuft der Heilungsprozess schneller."
Männer und Frauen brauchen unterschiedliche Sättel
Nach Doktor Lenhards Erfahrungen kommen manche Hämorrhoiden-Patienten mit bestimmten Fahrradsätteln nicht zu recht. Sie sollten so lange probieren, bis sie einen geeigneten Sattel mit passender Polsterung gefunden haben. Im besten Falle nimmt diese großflächig den Druck auf das schont auch das Gewebe zwischen dem tragenden Knochen und dem Sitz. Wichtig ist die Sattelform: Die richtige Breite wird durch den Abstand der Sitzbeinhöcker bestimmt. Sie müssen voll auf dem Sattel aufliegen. Ist der Sattel zu schmal, sodass die Höcker auf der Sattelkante liegen, müssen die empfindlichen Körperpartien zwischen den Sitzbeinhöckern die Hauptlast des Gewichts tragen. Das reizt den Bereich stark. Übrigens: Der Abstand der Sitzbeinhöcker ist bei Frauen und Männern unterschiedlich breit. Das männliche Becken ist schmaler und länger als das weibliche. Wenn sich ein Mann auf einem Sattel nach vorne in eine sportliche Position begibt, rollen seine Schambeine quasi nach vorne ab. Herrensättel sind deshalb in der Regel länger. Das weibliche Becken ist breit und relativ kurz. Frauen haben daher eigentlich nur die Möglichkeit, extrem aufrecht auf einem möglichst breiten Sattel zu sitzen, oder in der sportlichen Stellung das schräg stehende Becken in dem Dreieck des Sattels genauso schräg abzustützen. (mj)
Quellen: BSMO-Gespräch mit Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands sowie nach Informationen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs , der Allgemeinen Ortskrankenkasse und von Freya Reinhard/Jens J. Kirsch "Hämorrhoiden und der kranke Enddarm". Kohlhammer Verlag 2003










