
Analerkrankungen
Wenn Radsportler Schmerzen haben
Beginnende Analleiden bereiten Rennradfahrern kaum Probleme. Viele verschleppen Beschwerden mit den Hämorrhoiden oder Analvenenthrombosen aber. Auch Druckstellen und Hautwunden werden oft zu leicht genommen.
Radsportler gehen bei Analleiden oft zu spät zum Arzt
Radfahren, wenn das Hinterteil schmerzt? Die meisten Menschen durchzuckt es allein bei dem Gedanken an die Qualen. Wie müssen da erst Radsportprofis leiden, die jeden Tag viele Stunden im Sattel verbringen! Schmerzen lenken natürlich ab und führen oft zu Schonhaltungen, die Verspannungen nach sich ziehen. Beides kann die Leistungen eines Radsportlers deutlich mindern. Laien irren jedoch häufig, wenn sie sich die Leiden von Radprofis ausmalen. Anders als bei Freizeitradlern berührt das Gesäß von Radsportlern den Sattel gar nicht. Sie sitzen vielmehr auf dem Damm, der Partie zwischen den Geschlechtsteilen und dem After. Analerkrankungen wie vergrößerte Hämorrhoiden, Analvenenthrombosen oder Analfissuren bereiten ihnen deshalb bei ihrem Sport keine großen Probleme - so lange sie sich in einem Anfangsstadium befinden und nicht sehr schlimm sind. Das birgt allerdings die Gefahr, dass die Sportler sie ignorieren. Viele gingen daher erst sehr spät zu einem Arzt, wenn sich die Erkrankung bereits verschlimmert habe, berichten Trainer.
Radsport kann Hämorrhoidenleiden nicht immer verhindern
Zu den häufigsten Analerkrankungen gehören Hämorrhoidenleiden. Durch die ständige Bewegung wirken Radsportler zwar Verstopfungen und somit einem Hauptfaktor für Probleme mit Hämorrhoiden entgegen. Geschützt davor sind sie aber nicht. "Einem Hämorrhoidalleiden lässt sich nur begrenzt durch Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung vorbeugen", sagt Prof. Dr. Rudolf Hesterberg vom Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel. Ob jemand Hämorrhoidenbeschwerden entwickelt, hängt zum Beispiel auch von der Festigkeit seines Bindegewebes ab. Die ist zum Teil vererbt, lässt sich aber zu einem gewissen Grad durch Training verbessern.
Wie Hesterberg vergrößerte und entzündete Hämorrhoiden behandelt, hängt vom Grad der Erkrankung ab. Im Anfangsstadium rät der Chefarzt zu Salben, Zäpfchen und Analtampons wie etwa Haemotamps. Sie können Entzündungen und Schmerzen bekämpfen. Um die Haut "abzuhärten", empfiehlt er Vielradlern außerdem Sitzbäder mit Eichenrinde und gerbende Puder. Je weiter ein Hämorrhoidenleiden fortgeschritten ist, desto unumgänglicher ist das Entfernen der vergrößerten und entzündeten Gewebepolster per Operation. Doch keine Sorge, hier kann der Chirurg beruhigen: "Der Schrecken früherer Hämorrhoiden-Operationen ist passé", erläutert er. Heutige OP-Methoden sind schonend und hinterlassen keine großen Narben, mit denen es Probleme geben könnte.
Stechender Schmerz beim Stuhlgang deutet auf eine Fissur hin
Eine andere häufige Erkrankung am After sind Analvenenthrombosen. Dabei verstopfen die kleinen Gefäße der Analhaut durch geronnenes Blut. "Sie entstehen oft durch starkes Pressen, manchmal aber auch ohne Grund", sagt Hesterberg. Linderung verschaffen lokales Kühlen - etwa mit Eiswürfen in einem Tuch - und schmerzstillende Salben. "Die Schmerzen lassen schnell nach", erklärt der Doktor. "Es dauert aber etwas länger, bis die Knoten verschwinden." Dabei kann eine kleine Hautfalte (Mariske) zurückbleiben. Ist die Thrombose sehr groß und schmerzhaft, kann der Knoten unter örtlicher Betäubung entfernt werden. Bei Rissen in der Haut des Analkanals, den sogenannten Analfissuren, spüren Betroffene beim Stuhlgang einen brennenden, krampfartig stechenden Schmerz, der Stunden anhalten kann. Er entsteht, weil der innere Schließmuskel verkrampft. Um ihn wieder zu entspannen, kann ein Geplagter einen sogenannten Analdehner, den es gemeinsam mit einer schmerzstillenden Salbe zu kaufen gibt, anwenden. Zusätzliche warme Sitzbäder mit Kamille können die Entzündung lindern. Tritt keine Besserung ein, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Wunden am Damm sollte ein Hautarzt versorgen
Da bei Radprofis der Damm stundenlang an der Sattelspitze scheuert, kann es zu Blutergüssen, schmerzhaften Druckgeschwüren und sogar offenen Wunden kommen. An Radfahren ist dann erst einmal nicht zu denken. Damit die Haut gut heilen kann, muss sie mit Spülungen weich gehalten werden. Es ist ratsam, die Behandlung und das Verbinden der Wunde in die Hände eines Dermatologen zu legen. Das gilt auch für Knötchen, die sich durch Reiben und Scheuern unter der Haut bilden können.










