
Reiterrisiko
Analekzem: Härtetest fürs Hinterteil
Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, schwärmen Reitfans. Damit das so bleibt, sollten Reiter Hautleiden am After fachkundig behandeln lassen. Oft verbirgt sich eine Analerkrankung dahinter.
Analerkrankungen vermiesen den Spaß am Reiten
Die meisten Menschen lernen schon früh Episoden aus dem Reiterleben kennen: "Hoppe, Hoppe, Reiter, wenn er fällt, dann schreit er", beginnt ein bekanntes Kinderlied, das diverse Notlagen beschreibt. Eine Schwierigkeit lässt es jedoch außer Acht: Die Qualen, die ein Reiter mit einem Analleiden durchlebt. Denn bei vergrößerten Hämorrhoiden, aber auch bei Rissen in der Analschleimhaut (Fissuren) und Fisteln im Analkanal wird die Haut am Darmausgang fast immer in Mitleidenschaft gezogen. Denn durch Sekret, das aus dem After fließt, weicht die Haut auf und kann sich entzünden. Mediziner sprechen dann von einem irritativ-toxischen Analekzem.
Ein solches Analekzem heilt in der Regel sehr schlecht ab, besonders wenn der Sportler eine Reithose trägt, in der er stark schwitzt und die Flüssigkeit nicht entweichen kann. Um sich vorzustellen, wie unangenehm es ist, beim Reiten mit einem wunden Po auf den Sattel zu prallen, braucht es nicht viel Fantasie. Eine betroffene Reiterin berichtet im LIFELINE-Forum, dass sie nach einem Ausflug mit ihrem Pferd eine Woche lang nicht mehr richtig sitzen konnte.
Ekzem am After: Oft stecken nässende Hämorrhoiden dahinter
Um ein irritativ-toxisches Analekzem zu behandeln, muss ein Proktologe oder Dermatologe herausfinden, welche Grunderkrankung hinter den Hautbeschwerden steckt. Nur wenn er die Grunderkrankung therapiert, hört das Nässen auf und die Haut kann heilen. "Meistens entstehen irritativ-toxische Analekzeme durch vergrößerte Hämorrhoiden", berichtet Dr. Bernhard Lenhard vom Berufsverband der Coloproktologen. Die Gewebepolster kann ein Arzt z.B. durch Veröden (Sklerosierung) oder Abbinden mit kleinen Gummiringen (Ligatur) behandeln; stark vergrößerte Hämorrhoidenpolster muss ein Chirurg operativ verkleinern. Um das Jucken und die Schmerzen entzündeter Hämorrhoiden zu lindern, helfen Spezialsalben aus der Apotheke. Eine ballaststoffreiche Ernährung und viel Trinken können die Behandlung unterstützen, indem sie einer Verstopfung verbeugen. Auf der Toilette sollte starkes Pressen unbedingt vermieden werden, da dies - wie auch eine Verstopfung - das Hämorrhoidenleiden fördert.
Zinkpaste und Sitzbäder helfen der Haut beim Heilen
Damit die Haut am After heilen kann, sollte sie am besten mit einer weichen Zinkpaste behandelt werden, empfiehlt Doktor Lenhard. Dazu eignet sich z.B. Penatencreme. Auch ein Apotheker kann eine Zinkpaste anrühren. Das hat den Vorteil, dass die Creme keine Duftstoffe oder Konservierungsmittel enthält, die die wunde Haut zusätzlich reizen könnten. Sie verdirbt jedoch schnell und muss daher zügig verbraucht werden. "Auf keinen Fall sollte ein Analekzem mit einer sehr fetthaltigen Salbe bestrichen werden", warnt der Haut- und Enddarmspezialist. Fett wirke wie eine Versiegelung, sodass Flüssigkeit aus der Wunde nicht abfließen kann.
Zusätzlich lässt sich die Analhaut mit Sitzbädern pflegen. Lenhard empfiehlt dazu Eichenrinde. Sie beruhigt die Haut und hemmt Entzündungen. Am besten zwei Handvoll getrocknete, kleingeschnittene Eichenrinde mit zwei Litern kaltem Wasser angießen und zehn Minuten kochen lassen. Den abgekühlten Sud mit warmem Wasser aufgießen, sodass es für ein Sitzbad reicht. Ärzte raten zu zwei Bädern am Tag.
Funktionskleidung hält den Po trocken
Um einem neuen Hautekzem vorzubeugen, sollten Reiter auf eine geeignete Hose achten. Modelle mit Polsterung schützen zwar vor Kälte und Wundreiten, der Po schwitzt darin aber schneller als in herkömmlichen Reithosen. Im Winter eine lange Unterhose unter die Reithose zu ziehen, ist jedoch keine Alternative. Sie wirft leicht Falten, die auf der Haut scheuern können. In der kalten Jahreszeit ist daher eine atmungsaktive Thermoreithose eine gute Wahl. Auch ansonsten empfiehlt sich eine Reithose aus Funktionsfasern, weil sie den Schweiß nach außen transportiert und den Po so trocken hält.










