
Entzündung am Po
Analekzeme haben unterschiedliche Ursachen
Wenn sich die Haut am After entzündet, liegt das oft an einer analen Erkrankung wie einem Hämorrhoidenleiden oder einer Fistel. Es kann sich aber auch um eine Allergie oder eine Neurodermitis handeln.
Drei Typen von analen Ekzemen
Die Hälfte der Menschen, die eine proktologische Arztpraxis aufsuchen, kommt wegen Hautproblemen am After. Ihnen juckt es am Allerwertesten, ihre Haut brennt, nässt oder ist sogar schon wund. "All das sind Zeichen dafür, dass die Haut entzündet ist", sagt Dr. Bernhard Lenhard, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Proktologie in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Ärzte sprechen dann von einem Ekzem. Das kann von einer Hautkrankheit herrühren, aber auch von einem Analleiden. Insgesamt unterscheiden Mediziner drei Typen von Analekzemen: irritativ-toxische, atopische und allergische.
Wenn nässende Hämorrhoiden schuld sind
"Am häufigsten treten irritativ-toxische Analekzeme auf", berichtet Lenhard. Sie entstehen durch Flüssigkeit, die sich in der Po-Ritze sammelt und die Haut angreift. Meistens handelt es sich dabei um Sekret aus dem Darm oder aus Analfisteln; sehr oft nässen vergrößerte Hämorrhoiden. "Viele Analerkrankungen führen dazu, dass der After nicht mehr vollständig abgedichtet ist", erklärt der Facharzt. Durch die Nässe weicht die Haut um den Anus herum auf. Reibt sie dann beim Gehen gegeneinander, entzündet sie sich leicht und ein irritativ-toxisches Analekzem entsteht.
Damit die Haut heilen kann, gilt es vor allem, die Analerkrankung schnell zu behandeln und damit die dauernde Reizung der Haut zu unterbinden. "Gegen die Entzündung kann man kurzzeitig ein kortisonhaltiges Mittel einsetzen", so Lenhard. "Später sollte man die Haut z.B. mit einer weichen Zinkpaste pflegen, um sie zu stabilisieren."
Eine Minivariante von Neurodermitis
Am zweithäufigsten treten atopische Analekzeme auf. "Sie sind im Grunde nichts anders als eine Miniaturausprägung der Neurodermitis", erklärt Lenhard. Manchmal manifestiert sich eine Neurodermitis nur am Po. Und "es kommt auch vor, dass das Ekzem die Körperstelle wechselt", sagt der Experte.
Ein atopisches Analekzem ist sehr langwierig. Typisch ist, dass über viele Jahre hinweg phasenweise immer wieder Juckreiz auftritt, ohne dass der Arzt ein Hämorrhoidenleiden oder eine andere Analerkrankung finden kann. Es kommt allerdings auch vor, dass vergrößerte Hämorrhoiden und ein atopisches Ekzem gemeinsam auftreten. "Die nässenden Hämorrhoiden bringen das Ekzem dann immer wieder in Schub", sagt Lenhard.
Oft erkennen Ärzte ein atopisches Analekzem nicht oder erst spät; viele verwechseln es mit einer Pilzinfektion. "Die Diagnose setzt ein dermatologisch geschultes Auge voraus", betont der Facharzt. "Außerdem muss der Arzt nach anderen Anzeichen einer Atopie suchen: Leidet der Patient an Heuschnupfen oder Asthma? Liegt eine dieser Krankheiten in der Familie?"
Damit die Entzündung abklingt, empfiehlt Lenhard kurzzeitig eine Kortisonpaste oder -creme anzuwenden. Danach müsse der Betroffene seine Hautpflege optimieren. Unter Aufsicht seines Arztes probiert der Patient verschiedene Cremes aus, bis die passende Hautpflege gefunden ist. Lenhard: "Da der Patient in der Analregion einen Schwachpunkt hat, muss er sie immer sorgfältig pflegen, damit kein neues Ekzem entsteht."
Allergie durch Toilettenpapier oder Salben
Ekzeme als Folge einer allergischen Reaktion sind in der Analregion eher selten. Solche Kontaktallergien entstehen z.B. durch Toilettenpapier, das feucht ist oder Duftstoffe enthält. Die meisten allergischen Reaktionen im Afterbereich lösten jedoch Hämorrhoidensalben aus, sagt Lenhard. Die Betroffenen vertrügen dann enthaltene Konservierungsmittel, Parfümstoffe oder lokale Betäubungsmittel nicht. Extrem aufgefallen ist der Wirkstoff Bufexamac, der in vielen Kombinationspräparaten enthalten ist. Kontaktallergien durch Bufexamac haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft rät daher, Bufexamac nicht anzuwenden.
Bei einem analen Kontaktekzem ist es das Wichtigste, alles weglassen, was als Allergieauslöser infrage kommt. Lenhard: "Zur Behandlung sollte ein Apotheker eine weiche Zinkpaste anrühren. So kann man sicher sein, das sie keine Konservierungs- und Parfümstoffe enthält." Sitzbäder mit Eichenrinde können den Heilungsprozess der Haut beschleunigen. "Kamillebäder hingegen helfen nicht bei einem analen Kontaktekzem", betont Lenhard. Wenn die Haut geheilt ist, muss der Arzt testen, auf welche Substanzen der Patient reagiert, damit er sie künftig bewusst meiden kann. Eine Kontaktallergie bleibt nämlich lebenslang bestehen.
Einen entzündeten Analkanal mitbehandeln
Um entzündete Haut am After zu pflegen, solle man auf keinen Fall eine sehr fetthaltige Salbe verwenden, warnt Lenhard. Denn das Fett schließe die Feuchtigkeit ein, sodass die Haut sie nicht abgeben könne. Er empfiehlt eine Zinkpaste, z.B. Penatencreme, oder eine Zinklotion dünn aufzutragen. Wenn ein Patient mit einem Analekzem beim Stuhlgang ein extremes Brennen oder sogar Schmerzen spürt, sollte er auch den Analkanal behandeln, sagt der Proktologe. "Die wenigsten Menschen wissen, dass der After innen noch etwa anderthalb Zentimeter mit Haut ausgekleidet ist. Dieser Analkanal kann an jedem der drei Ekzemtypen beteiligt sein."










