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Berührungsfreie Behandlung

Argon-Plasma-Koagulation könnte Operationen ersetzen

Fortgeschrittene Hämorriden müssen in vielen Fällen operativ behandelt werden, um eine dauerhafte Heilung zu erreichen. Ein berührungsloses Verfahren könnte eine Alternative zu klassischen OP-Techniken sein.

Die Behandlung von vergrößerten Hämorriden richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Bei leichten Formen der Erkrankung genügt oft eine Therapie, die sich auf die Linderung der Symptome beschränkt. So kann beispielsweise eine Behandlung mit Salben oder Zäpfchen das typische Brennen, Jucken und Schmerzen von vergrößerten Hämorriden effektiv lindern. Die Beschwerden gehen unter der Behandlung zurück und verschwinden schließlich ganz. Die eigentliche Ursache der Symptome, die Vergrößerung der Hämorriden, wird jedoch nicht behoben. In vielen Fällen tritt die Erkrankung daher später erneut auf.

In fortgeschrittenen Stadien reicht eine symptomatische Behandlung nicht aus

Vergrößerte vorgefallene Hämorriden erfordern in vielen Fällen eine ursächliche Behandlung der Erkrankung. Es genügt dann nicht mehr, die Therapie auf die Beschwerden zu konzentrieren. In frühen Krankheitsstadien werden Hämorridenvergrößerungen deshalb durch Verödungen mittels einer Injektion oder durch eine so genannte Gummibandligatur, d.h. durch Abbinden der vergrößerten Gefäße, behoben. In späteren Stadien hingegen ist oft eine chirurgische Behandlung, also eine Operation, erforderlich.

In einer ersten Reihe von Probebehandlungen wurde jetzt ein berührungsfreies Therapieverfahren getestet, die so genannte Argon-Plasma-Koagulation, das eine Alternative zu den etablierten Behandlungstechniken bei Hämorridenvergrößerungen darstellen könnte. Das Verfahren selbst ist bereits vor einigen Jahren in die medizinische Therapie eingeführt worden und wird erfolgreich zur Behandlung von Blutungen im Magen-Darmtrakt eingesetzt. Neu ist jedoch der Ansatz, die Argon-Plasma-Koagulation auch bei Hämorridenleiden einzusetzen.

Bei Hämorriden-Eingriffen kommt es oft zu Rückfällen

Die Argon-Plasma-Koagulation bewirkt eine starke örtliche Erhitzung des behandelten Gewebes. Darauf beruht auch die blutungsstillende Wirkung der Methode. Die Wände von Blutgefäßen verschmelzen unter der Hitzeeinwirkung miteinander. Blut kann nicht mehr austreten.

In der Chirurgie sind Koagulationsverfahren bereits seit langer Zeit bekannt. Am häufigsten eingesetzt wird die so genannte Elektrokoagulation, bei der ausgehend von Metallelektroden ein elektrischer Strom durch das Gewebe fließt, dieses erhitzt und schließlich koaguliert. Durch das Verfahren werden beispielsweise Blutungen im Schnittbereich von Operationen gestoppt, so dass der Chirurg das Operationsgebiet besser überschauen und den Zustand des Gewebes sicherer beurteilen kann, als dies bei einer anhaltenden Blutung möglich wäre. Die herkömmliche Elektrokoagulation hat sich auch zur Behandlung von Hämorriden bewährt. Allerdings kommt es im weiteren Verlauf der Erkrankung bei 20 bis 60 Prozent der Patienten zu einem Rückfall. Ärzte sind deshalb weiterhin auf der Suche nach Therapieverfahren mit besserer Langzeitwirkung.

Ein heißer Gasstrahl verkocht das Gewebe und stoppt Blutungen

Ein solches Alternativverfahren könnte die Argon-Plasma-Koagulation (Argon-plasma-Elektrokoagulation) sein. Sie unterscheidet sich von der klassischen Elektrokoagulation aufgrund des Verfahrens, mit dem das Hämorridengewebe erhitzt wird. Während bei der klassischen Behandlung die Erhitzung durch Strom führende Elektroden erreicht wird, geschieht das bei der Argon-Plasma-Koagulation berührungsfrei durch einen elektrisch geladenen Strahl aus sehr heißem Argon-Gas (Argon-Plasma).

Argon gehört zu den Edelgasen und reagiert auch wenn es stark erhitzt wird chemisch nicht mit dem Gewebe. Das heiße Gas wird in einer Art Düse erhitzt und elektrisch aufgeladen. Die Darmschleimhaut bildet den elektrischen Gegenpol zum geladenen Gas und zieht den Argonstrahl daher an, solange das Gewebe feucht und somit elektrisch leitend ist. Durch die Verkochung trocknet das Gewebe jedoch gleichzeitig aus. Seine elektrische Leitfähigkeit nimmt deshalb ab, die Anziehung auf den Argon-Plasmastrahl verringert sich und die Verschorfung bleibt automatisch auf die obersten drei Millimeter des Gewebes begrenzt. Damit wird die Sicherheit der Behandlung an der dünnen Darmschleimhaut entscheidend verbessert, da ein versehentlicher Durchbruch in andere Gewebe weitgehend ausgeschlossen ist. Allerdings ist das Verfahren wegen der geringen Eindringtiefe der Hitze auf kleinere Hämorriden beschränkt.

Erste viel versprechende Ergebnisse

Bisher wurde die Argon-Plasma-Koagulation bei Hämorridenleiden an 15 Patienten erprobt. Dabei kam es zu keinen gravierenden Komplikationen. Nach Meinung von Experten könnte sich das Behandlungsverfahren daher eignen, bestimmten Patienten die bisher üblichen chirurgischen Eingriffe zu ersparen. Bevor es soweit ist, muss die neue Behandlungstechnik jedoch noch an einer größeren Zahl von Patienten getestet und auf ihren Langzeiterfolg untersucht werden.


Quelle:
Nach Informationen der Fachzeitschriften:Gastronews 2010; 1: 47 (URL: http://www.springermedizin.de/haemorrhoiden-neues-verfahren-spart-op/209766.html)

Clin Colon Rectal Surg. 2010; 23: 31-6 (URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/pmid/21286288/?tool=pubmed)
Autor: Jan Groh
Stand: Mar 15, 2011


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