Wirkstoffe gegen Hämorrhoidenleiden

Das steckt in Hämorrhoidensalben

Jede Apotheke führt Präparate, die die Beschwerden vergrößerter Hämorrhoiden lindern können. In ihnen entfalten unterschiedliche Substanzen ihre Wirkung.

Kombinationen weit verbreitet

Wer in einer Apotheke nach einer Hämorrhoidensalbe fragt, hat mehr als eine Wahl. Dabei handelt es sich meistens um Kombipräparate, die verschiedene Wirkstoffe vereinen. Je nach den aktuellen Beschwerden ist ein Mittel besser geeignet als ein anderes. Ein Patient sollte dem Apotheker also seine konkreten Nöte schildern, damit dieser ihn gut beraten und individuell passende Medikamente empfehlen kann. Wer unsicher ist, holt sich am besten Rat bei seinem Arzt. Der kann auch ausschließen, dass nicht eine Allergie oder eine Pilzinfektion die Ursache für Jucken, Brennen, Nässen und Hautveränderungen ist.

Örtliche Betäubung vertreibt Juckreiz und Schmerzen

Eine wichtige Gruppe von Hämorrhoidenpräparaten sind die örtlich betäubenden, so genannte Lokalanästhetika. Sie reduzieren das Schmerzempfinden, indem sie das Weiterleiten von Reizen in den Nerven hemmen. So stillen sie auch den Juckreiz. Ihre Wirkung beginnt bereits nach wenigen Minuten und hält mehrere Stunden an. In der Schwangerschaft sind keine unerwünschten Wirkungen auf das Ungeborene zu befürchten, da die Wirkstoffe kaum in den Blutkreislauf gelangen. Dennoch sollten Schwangere Lokalanästhetika nur nach Rücksprache mit einem Arzt anwenden. Gängige örtlich betäubende Wirkstoffe sind Lidocain (z.B. in Posterisan akut) , Cinchocain (z.B. in Dolo Posterine N) und Benzocain (z.B. in Anaesthesin). Letztere Substanz kann allerdings Allergien auslösen. Das zeigt sich meist durch starkes Jucken nach dem Anwenden. Allergische Reaktionen können aber auch von Konservierungsstoffen rühren. Bei bekannten Unverträglichkeiten daher die Wirkstoffliste eines Präparats genau überprüfen! Einige Mittel kombinieren Lokalanästhetika mit Glukokortikoiden (z.B. in Procto-Kaban, Scheriproct). Diese Wirkstoffe können Entzündungen stark hemmen. Schwangere Frauen sollten Glukokortikoide jedoch nicht anwenden.

Vorsicht beim Wirkstoff Bufexamac

In vielen Präparaten ist ein örtlich betäubender Wirkstoff mit verschiedenen anderen Substanzen verbunden. Bismutsalz beispielsweise wirkt schwach blutstillend und hemmt Entzündungen. Es kann einen örtlich betäubenden Wirkstoff sinnvoll ergänzen, urteilt die Stiftung Warentest. Ein desinfizierender Wirkstoff wie Hexylresorzin sei bei Hämorrhoiden aber nicht erforderlich und könne die Haut stark reizen. Solche Präparate hält Warentest für "wenig geeignet". Kritisch ist der Wirkstoff Bufexamac zu sehen. Er ist in vielen Kombipräparaten enthalten (z.B. in Faktu akut, Haemo-Exhirud Bufexamac, Rectosellan, Hexamon Bufexamac, Mastu). Die Stiftung Warentest und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft raten, Bufexamac nicht mehr anzuwenden. Denn es dämpft zwar Entzündungen, bessert Juckreiz und lindert Schmerzen. Aber in den vergangenen Jahren haben Kontaktallergien durch Bufexamac stark zugenommen. So zeigte eine groß angelegte Untersuchung des Informationsbunds Dermatologischer Kliniken, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 6.000 Patienten an einer Kontaktallergie durch Bufexamac erkranken.

Mit Darmbakterien und Zaubernuss gegen das Jucken

Ein Hämorrhoidenpräparat setzt auf Escherichia-coli-Bakterien (Posterisan), die natürlicherweise im Darm vorkommen. Abgetötete Coli-Bakterien und deren Stoffwechselprodukte sollen die Immunabwehr anregen und so die Schleimhaut stabilisieren, das Heilen von Hautrissen fördern und Jucken wie Schmerzen reduzieren. Warentest kritisiert, dass diese Wirkung nicht ausreichend nachgewiesen sei. Nebenwirkungen sind aber nicht bekannt. Einige pflanzliche Mittel (z.B. Posterine Salbe und Zäpfchen) enthalten Extrakte aus den Blättern und der Rinde der Zaubernuss (Hamamelis). Sie beinhalten Gerbstoffe, die die Oberfläche von Schleimhäuten zusammenziehen und feine Blutgefäße abdichten. Zudem haben Gerbstoffe eine leicht örtlich betäubende Wirkung und stillen Juckreiz.

Salben, Zäpfchen, Tamponzäpfchen – auf die Darreichungsform kommt es an

Wichtig zu wissen: Kein Präparat kann vergrößerte Hämorrhoiden zum Schrumpfen bringen oder einem Hämorrhoidenleiden vorbeugen. Jucken, Brennen, Schmerzen und Nässen können Hämorrhoidenmittel aber lindern. Wie gut dies gelingt, hängt auch von der Anwendung ab. So dürfen Zäpfchen nicht zu tief eingeführt werden, da sie sonst mit den Hämorrhoiden nicht ausreichend in Berührung kommen. Gleiches gilt für Salben, die mit einer Applikationshilfe benutzt werden. Besser geeignet sind Tamponzäpfchen (z.B. Hämotamps). Hier sorgt eine Mulleinlage dafür, dass das Mittel im Analkanal fixiert wird. Per Mullstreifens lässt sich der korrekte Sitz prüfen und falls nötig korrigieren. Für alle frei verkäuflichen Hämorrhoidenmittel gilt: Bessern sich die Beschwerden nach einer Woche Anwendung nicht, sollte der Patient einen Arzt aufsuchen. Am besten einen Proktologen.


Quelle: Nach Informationen der Stiftung Warentest: Handbuch Medikamente und des PTA-Forums
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 4, 2008


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