
Hämorrhoidenmittel
Vorsicht vor Bufexamac
Bufexamac findet sich in vielen Cremes, Salben und Zäpfchen zur Behandlung von Hämorrhoidenbeschwerden. Doch Experten warnen eindringlich: Der Wirkstoff kann schwere Allergien auslösen und das Immunsystem schädigen.
Kontaktallergien gegen Bufexamac sehr häufig
Bufexamac ist eine Substanz, die es in sich hat. Nur leider nicht im positiven Sinne. Der Wirkstoff, der in vielen Hämorrhoidenmitteln enthalten ist, hat ein hohes allergenes Potenzial. Dies ist zwar seit über 20 Jahren bekannt. Das wahre Ausmaß der Kontaktallergien, die durch Bufexamac verursacht werden, wurde jedoch lange unterschätzt. Im Arzneiverordnungs-Report 1999 hieß es z.B. noch, sie seien eher „selten“. Doch eine Untersuchung des Informationsbundes Dermatologischer Kliniken, die zwischen den Jahren 1999 bis 2004 rund 40.000 Patienten an 40 Krankenhäusern einschloss, legt den Vermutung nahe, dass pro Jahr in Deutschland mindestens 6.000 Patienten an einer Kontaktallergie durch Bufexamac erkranken. Die allergische Reaktion äußert sich z. B. durch Rötungen und Schwellungen der Haut und einen starken Juckreiz.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft rät daher seit einigen Jahren davon ab, Bufexamac-haltige Präparate zu benutzen.
Bufexamac-Allergie wird oft verschleppt
Ein großes Problem ist, dass sich Allergien durch Bufexamac oft stark ausbreiten und schwer behandeln lassen. Es kann reichen, nur einen kleinen Flecken Haut mit einem Bufexamac-haltigen Mittel einzucremen und die allergischen Reaktionen können den ganzen Körper betreffen. Gerade bei Ekzemen am Po, wie sie oft bei Hämorrhoidenleiden auftreten, ist die Gefahr für eine Allergie besonders hoch. Da die Haut schon gereizt und geschädigt ist, kann Bufexamac sie leichter durchdringen, ins Blut gelangen und sich im Körper verteilen. Die Folgen können sogar das Immunsystem betreffen und so schwer sein, dass eine Behandlung im Krankenhaus nötig ist.
Fatalerweise fallen Kontaktallergien durch Bufexamac oft erst sehr spät auf. Denn die Nebenwirkungen des Wirkstoffs unterschieden sich kaum von der Erkrankung, gegen die Bufexamac helfen soll. Menschen mit einem Analekzemen vermuten daher häufig zu unrecht, dass ihr Hautleiden sich verschlimmert hat – und reagieren dann grundfalsch. Statt die Hämorrhoiden- oder Hautcreme mit Bufexamac abzusetzen, verwenden sie sie noch häufiger. Denn Mittel gegen Hämorrhoiden sollen ja eigentlich Entzündungen bessern, Juckreiz lindern und Schmerzen nehmen und das Leiden nicht verschlimmern.
Arzneibehörde überprüft Zulassung von Bufexamac
Im November 2009 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf die Risiken von Bufexamac reagiert und erwägt die Zulassung von Bufexamac-haltigen Medikamenten zu widerrufen. Die Behörde kommt zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit entsprechender Arzneimittel nicht ausreichend belegt sei. Die Mehrzahl der existierenden Studien sei veraltet und entspreche nicht den erforderlichen wissenschaftlichen Standards, kritisiert das BfArM.
Andere europäische Länder haben wegen des Allergierisikos bereits Konsequenzen gezogen: In Frankreich sind Arzneien mit Bufexamac seit dem Jahr 2004 verschreibungspflichtig. Auch in Österreich gibt es Bufexamac für die meisten Anwendungsgebiete nur auf Rezept. In den Niederlanden sind Bufexamac-haltige Mittel seit 2007 gar nicht mehr zugelassen.










