Sitzbäder
Sitzbäder gegen Ekzeme durch Hämorrhoiden
Schon Gesundheitsprophet Sebastian Kneipp empfahl seinen Patienten Sitzbäder. Der Pfarrer schätzte solche kalten und warmen Wasseranwendungen als ideales Training für Blutgefäße, Nerven, Haut, innere Organe. Auch Menschen mit einem Hämorrhoidalleiden können von Sitzbädern profitieren - nach einer Operation und um Juckreiz oder Brennen am Po zu lindern.
"Das wichtigste Ziel von Sitzbädern ist eine gute Hygiene", sagt Dr. Elisabeth Hackenberg, Gastroenterologin und LIFELINE-Expertin. Die Haut am "Allerwertesten" sei sehr empfindlich. Zudem könnten anatomische Gründe das Reinigen erschweren. Beispiel Trichter-Anus, den meistens Männer haben. Dabei liegt der Anus tief zwischen den Po-Backen. "Eine saubere, gepflegte Haut ist besser gegen kleine oberflächliche Verletzungen gewappnet", erläutert die Fachärztin. "Ist die Haut erst mal kaputt, dauert es lange, sie wieder zu heilen."
Analekzem deutet auf vergrößerte Hämorrhoiden
"Speziell bei nässenden Analekzemen machen Sitzbäder Sinn", urteilt Dr. Bernhard Lenhard vom Berufsverband der Coloproktologen und rät Patienten zu Eichenrinde als Zusatz, da sie sehr austrocknend wirke. Hinter Ekzemen am After stecken häufig Hämorrhoiden. "In mindestens 80% der Fälle gehen Hämorrhoiden zweiten Grades mit gelegentlich auftretenden Analekzemen einher." Der Grund: Die Vergrößerung der Gefäßpolster bewirkt Absonderungen, die Haut am After wird feucht - ein so genanntes irritatives Analekzem entsteht. Unter sachgerechter Therapie könne das Hautleiden innerhalb von 10-14 Tagen abheilen. "Wichtig ist aber, dass man dann die Ursache beseitigt", mahnt Lenhard. Nur eine Reduktion der Hämorrhoidengröße verhindere weitere Analekzeme. Tipp: Für ein Sitzbad 500 Gramm fein geschnittene Eichenrinde aus der Apotheke in fünf Litern Wasser 20 Minuten aufkochen, durch ein Sieb abseihen und auf Körpertemperatur abkühlen lassen. Dauer des Sitzbades zirka fünf Minuten.
Ausduschen nach OP einfacher als Sitzbaden
Nach einer Hämorrhoiden-Operation können Sitzbäder helfen, die Wunde zu säubern. "Es gibt aber auch coloproktologische Zentren in Deutschland, die Sitzbäder nach einer OP nicht mehr empfehlen", berichtet Fachmann Lenhard. Sie plädieren stattdessen fürs Ausduschen. Das habe den gleichen Effekt, sei aber für Patienten bedeutend einfacher zu handhaben. Sie bräuchten sich keine Sitzbadwanne zulegen, und es ginge schneller.
Die richtige Sitzbad-Rezeptur lautet: kurz und körperwarm
Entscheidender Punkt beim Sitzbaden: Das Wasser darf nicht zu heiß sein - sonst weicht die Haut zu sehr auf. Richtig ist eine körperwarme Temperatur. In alten Ratgebern heißt es bisweilen, kaltes Wasser fördere das Zusammenziehen von Hämorrhoiden, aber das ist nicht richtig! Erstens kann das Wasser gar nicht in den Analkanal eindringen; das verhindern die Schließmuskeln. Zweitens regen Kältereize die Durchblutung an und können bei einem Analekzem Juckreiz, Brennen und Schmerzen fördern. Ein Sitzbad sollte nur kurz dauern. "3-5 Minuten", rät Hackenberg. "Danach den Po trocken tupfen, nicht reiben." Zwei Sitzbäder pro Tag reichten. Als Badezusatz empfiehlt die Expertin pflegende Substanzen wie Kamille und Hamamelis. Es ist nicht unbedingt nötig, eine ausgewiesene Sitzbadwanne im Sanitärfachhandel zu erstehen, eine nicht zu flache, große Schüssel tut es in der Regel auch. Eine andere Variante: Die Toilette zum Sitzbad machen. Dazu den WC-Ring hochheben, eine passende Mülltüte darüber stülpen, verknoten und wieder zurückklappen. Vorsichtig körperwarmes Wasser auf die Folie gießen, hineinsetzen und kurz einwirken lassen. Der Vorteil dieser Methode ist die leichte Entsorgung: Einfach ein Loch in die Folie stoßen und das Sitzbadwasser läuft in die Toilette.
BSMO, 12.10.2005
Quellen: Nach Informationen von Dr. Elisabeth Hackenberg, Gastroenterologin und LIFELINE-Expertin und von Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbandes der Coloproktologen







