Ärztin mit Patientin im Gespräch

Veröden

Ist das Veröden von Hämorrhoiden sinnvoll?

Hämorrhoiden ersten und besonders zweiten Grades werden oft verödet - eine Behandlung, die nicht immer langfristig zum Erfolg führt. Denn: Nach zunächst gutem Therapieerfolg mit Beschwerdefreiheit ist das Wiederauftreten der Hämorrhoiden hoch. Bis zu 70% der Patienten entwickeln innerhalb von drei Jahren erneut symptomatische Hämorrhoidalknoten.

Das so genannte Veröden ist eine häufig angewandte, ambulante Behandlungsform zur Therapie von Hämorrhoiden zweiten, aber auch ersten Grades. Mediziner nennen dieses Verfahren auch Sklerosierung. Dabei wird durch ein Proktoskop hindurch eine Injektionsnadel in den Analkanal eingeführt und eine Lösung in die auffällig vergrößerten Hämorrhoidenknoten gespritzt.

Diese Lösung bewirkt ein Art entzündliche Reaktion, wodurch der Blutzufluss gedrosselt und eine Schrumpfung des Hämorrhoidenknotens erzielt werden kann. Die Patienten verspüren meist keine Schmerzen bei der Behandlung, eine lokale Betäubung ist also nicht nötig und die Behandlung kann ohne weiteres durch einen niedergelassen Proktologen (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) durchgeführt werden.

Hämorrhoiden sind ein unentbehrliches Gefäßpolster

Die Verödungstherapie beruht noch auf der Annahme, Hämorrhoiden seien überflüssige Krampfadern. Doch dem ist nicht so. Im Gegenteil: Das Gefäßgeflecht im Analkanal ist ein unentbehrlicher Bestandteil des Organs und notwendig, um den Darmausgang effektiv zu verschließen und damit die Kontrolle über die Stuhlentleerung zu erhalten. Daher darf niemals der gesamte hämorrhoidale Schwellkörper verödet werden.

Ursachen für die Beschwerden müssen abgeklärt werden

Der Arzt muss vor dem Veröden zunächst klären, ob die Beschwerden tatsächlich auf Hämorrhoiden zurückzuführen sind. Liegen andere Ursachen vor, könnten diese unter Umständen durch das Veröden verschlimmert werden. So sollten Fissuren, das sind Einrisse der Schleimhaut des Afters, nicht als Hämorrhoiden fehlgedeutet und wie solche behandelt werden. Die häufigste Komplikation bei einer falschen Diagnose oder auch bei unsachgerechter Durchführung des Eingriffs ist ein Abszess, ein sehr schmerzhafter eitergefüllter Knoten, der eine Inkontinenz (fehlende Kontrolle über die Darmentleerung) nach sich ziehen kann. Die Sklerosierungstherapie darf nur bei ansonsten Darmgesunden durchgeführt werden. Wer z. B. unter einer entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn leidet, darf sich keinesfalls einer Verödung unterziehen.

Manchmal führen allein gesundes Essen und Sport zur Heilung

Einige Ärzte raten zu einer Verödung, ohne den Patienten zunächst zur Durchführung einfacher konservativer Maßnahmen motiviert zu haben. Dabei steht an erster Stelle die Umstellung auf faserreiche Kost, viel trinken, regelmäßige körperliche Bewegung, Veränderung der Stuhlgewohnheiten und der Abbau von Übergewicht. Zusätzlich können auch Salben und Zäpfchen eingesetzt werden.

Kein langfristiger Erfolg nach der Verödung

Auch wenn die Sklerosierungstherapie keinen großen Eingriff darstellt, so wird ihre Wirksamkeit durch schlechte Langzeiterfolge limitiert: Innerhalb von drei Jahren nach dem Eingriff entwickeln rund 70% der Patienten wieder symptomatische Hämorrhoidalknoten. Daher etablieren sich immer mehr Techniken zur einfachen und schonenderen Behandlung eines Hämorrhoidalleidens, wie die so genannte Gummiband-Ligatur - hier liegt die Rückfallquote bei Hämorrhoiden ersten und zweiten Grades lediglich bei 25% nach vier Jahren. (jeg)


Quelle: Nach Informationen der Stiftung Deutsche Klinik für Diagnostik GmbH Wiesbaden, Abteilung Chirurgie/Koloproktologie, Leiter: Dr. med. H. Müller-Lobeck und der Fachzeitschrift "Der Chirurg"
Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 27, 2008


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