Untersuchung
Hämorrhoiden: Keine Angst vor dem Arztbesuch
Sabine K. ist sauer: Wieder hat ihr Mann eine Ausrede gefunden, um nicht mit ins Konzert zu gehen. Sie weiß, dass es nicht ein Geschäftstermin ist, der ihn vom gemeinsamen Musikgenuss abhält: Das lange Sitzen macht ihm Probleme. Die Hämorrhoiden zwicken und zwacken. Einen Facharzt für Enddarmerkrankungen will er aber nicht aufsuchen. "Das geht niemanden etwas an!" sagt er.
Wie so viele Patienten mit Hämorrhoiden ist für den Mann von Sabine K. der Arztbesuch eine höchst unangenehme Angelegenheit. Möglicherweise hat er Angst, sich selbst eine Krankheit eingestehen zu müssen. Viele Patienten lässt auch der Gedanke zurückschrecken, dass es sich vielleicht doch nicht um Hämorrhoiden, sondern um etwas Ernstes handeln könnte. Doch genau diese Furcht sollte ein Grund sein, sein Herz in die Hand zu nehmen und das Leiden aufklären zu lassen. Hämorrhoiden sind eine unangenehme, aber harmlose Sache - warum dann die unausgesprochenen Ängste mit sich herumschleppen? Wenn wirklich eine ernste Erkrankung hinter den Symptomen steckt, ist ohnehin schnelles Handeln gefragt, um schlimmere Folgen zu verhindern.
Bei geschultem Arzt bereitet die Untersuchung keine Schmerzen
"Viele Patienten fürchten sich vor der Untersuchung", sagt Dr. Bernhard H. Lenhard, Facharzt für Enddarmerkrankungen und Pressesprecher des Bundesverbandes der Coloproktologen Deutschlands. Der Enddarm von Hämorrhoiden-Patienten ist sehr empfindlich und durch die Erkrankung gereizt. Die Angst vor Schmerzen ist darum verständlich. "Doch ein gut geschulter Arzt kann die Untersuchung wirklich schmerzfrei durchführen", versichert Lenhard.
Wichtig ist die Wahl der richtigen Arztpraxis: Egal ob der Patient einen Chirurgen, Hautarzt oder Internisten aufsucht - der Arzt muss eine proktologische Ausbildung und entsprechende Erfahrungen vorweisen können. Ärzten ohne diese Weiterbildung fehlt es oft an Know-How und Erfahrung, um bei der Untersuchung wirklich so schonend wie möglich vorgehen zu können.
Gerade Männer scheuen sich, ihre Intimzone zu entblößen
Es gibt aber noch einen anderen Grund, weshalb viele Patienten mit Hämorrhoiden den Arzt meiden: Sie haben Hemmungen ihre "privateste Körperregion" von einem Fremden anschauen zu lassen. Gerade Männer mögen ihre Intimzone nicht derart entblößen, wie es bei einem Hämorrhoiden-Leiden nötig ist: Die Untersuchung findet in Seitenlage oder einem modifizierten gynäkologischen Stuhl statt. Der Arzt oder die Ärztin kann so die Art und den Grad der Veränderungen am besten beurteilen. "Frauen kommen mit dieser Situation oft besser zurecht als Männer", sagt Lenhard. Die Erfahrungen, die Frauen durch ihre regelmäßigen Besuche beim Gynäkologen mitbringen, helfen ihnen dabei, die Untersuchung als professionelle Routinearbeit des Arztes zu betrachten.
Eine große Darmspiegelung ist nicht notwendig
Auch gewisse Schauergeschichten wie der Mann von Sabine K. sie gehört hat, halten manchen Patienten vom Proktologen-Besuch ab. Ein Arbeitskollege erzählte ihm: Wenn man sich die Hämorrhoiden behandeln lässt, sei immer eine Darmspiegelung fällig - und das gehe nie ohne einen Einlauf! Lenhard kann verschreckte Patienten beruhigen: "Es ist absolut unnötig, im Rahmen einer Standarduntersuchung eine Gesamtdarmspiegelung durchzuführen", erklärt er. "Lediglich das Rektum, also die letzten Zentimeter des Darmrohres, werden untersucht." Dazu ist meistens kein Einlauf notwendig und es ist in der Regel auch nicht schmerzhaft.
Die proktologische Untersuchung ist nüchtern betrachtet also kaum unangenehmer als ein normaler Besuch beim Hausarzt. Und wie unbeschwert ein Leben ohne Hämorrhoiden sein kann, wird auch der Mann von Sabine K. bald wieder erleben, sobald er seine Scheu vor dem Proktologen überwunden hat. (sk)







