Die Warnsignale bei Hämorrhoidenleiden

Analthrombosen, Afterblutungen und Stuhlschmieren

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Für Betroffene ist Afterbluten sehr unangenehm.
(c) Stockbyte

Wer ein fortgeschrittenes Hämorrhoidenleiden hat, bekommt eher Analvenenthrombosen. Zudem führen vergrößerte Hämorrhoiden meistens dazu, dass der After blutet, nicht mehr ganz schließt und die Feinkontinenz verloren geht.

Oft im Doppelpack: vergrößerte Hämorrhoiden und Analthrombosen

Wer plötzlich einen prallen knallroten Knoten am Afterausgang entdeckt, zögert meist nicht lange mit einem Arztbesuch. Eine solche Analvenenthrombose wirkt wie eine Alarmlampe. Und das ist gut so. Denn in der proktologischen Praxis stellt sich häufig heraus, dass der Patient oder die Patientin neben dem Knubbel auch vergrößerte Hämorrhoiden hat. Oftmals erlebten die Betroffenen sogar seit Jahren immer mal wieder Beschwerden. Sie empfanden das Jucken, Brennen oder Nässen aber nicht als so schlimm, dass sie einen Arztbesuch für nötig hielten, oder es war ihnen peinlich, über ihr Po-Leiden zu reden.

Analthrombosen gelten landläufig als „äußere Hämorrhoiden“. Das ist aber falsch. Die Knoten am Afterrand entstehen durch Blutgerinnsel in den Venen der Analregion. Analthrombosen haben nichts unmittelbar mit vergrößerten Hämorrhoiden zu tun, aber Proktologen beobachten, dass beide Erkrankungen häufig zusammenkommen. Dr. Bernhard Lenhard vom Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands: „Bei fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden treten mehr Thrombosen auf als bei anderen Menschen. Das Warum ist nicht bekannt.“ Obschon Analthrombosen also keine Folgen vergrößerter Hämorrhoiden sind, können sie ein Hinweis auf Probleme mit den Gewebeknoten sein und Betroffene quasi ermahnen, sich behandeln zu lassen.

Hauptfolge eines Hämorrhoidenleidens: Der After hält nicht mehr dicht

„Die Hauptfolge eines fortgeschrittenen Hämorrhoidenleidens ist der Verlust der analen Feinkontinenz. Das bedeutet, dass der After nicht mehr vollständig schließt“, erklärt Lenhard. Dadurch läuft Sekret heraus und es kommt zu Stuhlschmieren. Fast immer tritt Juckreiz und Brennen auf, oft entzündet sich die Haut am After und es entsteht ein Analekzem.

Eine weitere verbreitete Folge eines Hämorrhoidenleidens sind Afterblutungen. Dass es hier einen Zusammenhang gibt, wissen viele Menschen. So berichtet Prof. Dr. Volker Wienert, dass 73 Prozent der Patienten wegen Blutungen aus dem After in seine Praxis kommen. Sie tun das Richtige. Denn hinter einer Afterblutung können verschiedene Krankheiten stecken. Im schlimmsten Fall können ständige und starke Blutungen aus den Hämorrhoiden sogar zu Blutarmut führen. Deshalb sollten Betroffene Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt Lenhard: „Wenn es aus dem After blutet, muss dies grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Auch wenn es nur einmal vorkommt. Bloß nicht abwarten, sondern zum Arzt gehen!"

Andere Aftererkrankungen: Fissuren und Fisteln haben nichts mit Hämorrhoiden zu tun

In Gesundheitsratgebern findet sich bisweilen die Aussage, dass ein fortgeschrittenes Hämorrhoidenleiden zu Fissuren und Fisteln führen kann. Das stimmt nicht ganz. „Analfissuren und –fisteln sind eigenständige Krankheiten. Einen direkten Zusammenhang mit vergrößerten Hämorrhoiden gibt es nicht“, urteilt Doktor Lenhard. „Nur im absoluten Ausnahmefall können vergrößerte Hämorrhoiden ein entzündliches Geschehen im Darm befördern und zu einer Analfissur führen.“ Dabei handelt es sich um einen Riss in der Afterregion.

Mediziner unterscheiden zwischen akuten und chronischen Fissuren. Eine akute Analfissur ist ein frischer Einriss in die zarte Haut des Analkanals. Typische Beschwerden sind starke, stechende oder krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang, die mehrere Stunden anhalten können. Eine akute Analfissur kann heilen – das dauert etwa zwei bis vier Wochen – oder aber zu einem chronischen Defekt werden. Dabei entzündet sich der Riss und es entsteht ein Geschwür. „Wenn eine Fissur partout nicht abheilt, muss operiert werden“, sagt Lenhard. Denn eine chronische Fissur kann sich zu einer Analfistel entwickeln, indem sich von dem Geschwür aus Gänge unter der Analhaut oder zwischen den Schließmuskelschichten bilden. Abszesse oder gar Fisteln müssen ebenfalls herausoperiert werden.

Autor: Martina Janning
Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2013
Quellen: Mit Informationen von Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands, Prof. Dr. Volker Wienert u.a.: Handbuch Hämorrhoidenleiden, Bremen 2008

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