Für eine bessere Einschätzung
Sind es vergrößerte Hämorrhoiden? Symptome und Risikofaktoren auf einen Blick
Juckreiz, Brennen, hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier – bei derartigen Beschwerden fällt der Verdacht schnell auf Hämorrhoidenprobleme. Doch ist die Vermutung wirklich begründet? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich eine Hämorrhoidalerkrankung ist? Hier finden Sie typische Symptome sowie begünstigende Risikofaktoren auf einen Blick. Eine erste Einschätzungshilfe, die mit dem Selbsttest zusätzlich konkretisiert werden kann – aber einen Arztbesuch natürlich keinesfalls ersetzt.
Der Ursprung von Hämorrhoidalbeschwerden ist eine Vergrößerung der Hämorrhoiden, eines arteriovenösen Gefäßgeflechts im Analbereich, das in der Medizinersprache Corpus cavernosum recti genannt wird. Es dient nicht nur der Blutversorgung, sondern ist auch Teil des Schließmuskelsystems. Über die Arterien gelangt das sauerstoffreiche Blut in den Bereich des Anus, versorgt dort das Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen und wird anschließend über die Venen weggeleitet.
Typische Symptome bei Hämorrhoidalleiden auf einen Blick
Hämorrhoidalleiden machen sich häufig durch typische Symptome bemerkbar, die einzeln oder kombiniert auftreten und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen können.
- Juckreiz
Etwa 71 Prozent der Erkrankten berichten von wiederkehrendem Juckreiz am Anus. Nicht selten liegt die Ursache darin, dass sich ein Analekzem („Juckflechte“ der Haut) gebildet hat. - Brennen und Nässen sowie das Gefühl, wund zu sein
Bei mehr als einem Drittel der Erkrankten treten diese Symptome einmalig oder wiederholt auf. Auch sie können ein Analekzem anzeigen, das infolge der vergrößerten Hämorrhoiden und damit verbundener Stuhlinkontinenz entstanden ist. - Stuhlschmieren
Da das Gefäßgeflecht des Anus Teil des Schließmuskelsystems ist, können vergrößerte, prolabierende Hämorrhoiden zu einer teilweisen Stuhlinkontinenz führen. Flüssigkeit, Schleim und Stuhl treten dann aus und beschmutzen die Unterwäsche. - Blut auf dem Stuhl und/ oder auf dem Toilettenpapier
Dieses Symptom betrifft drei Viertel aller Erkrankten. Blutungen treten meist beim Stuhlgang auf und werden entweder als Blutauflagerung auf dem Stuhl oder als Blutspur auf dem Toilettenpapier sichtbar. Meist ist das Blut hellrot. Die Intensität der Blutung kann wechseln, mitunter handelt es sich um kräftige Blutungen, die täglich bei jedem Stuhlgang auftreten und dann ohne besondere Behandlungsmaßnahmen für einen längeren Zeitraum wieder verschwinden. Da Blut im Stuhl jedoch auch eine andere Ursache haben könnte, sollte in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung erfolgen. - Druck- und Fremdkörpergefühl
Verlieren die Hämorrhoiden ihre Fixation im Gewebe und fallen vor („Prolaps“), können die Betroffenen ein unangenehmes Druck- und Fremdkörpergefühl im Afterbereich verspüren. Es wird oft als das Gefühl beschrieben, der Stuhlgang sei nicht vollständig abgeschlossen, was zu wiederholten Entleerungsversuchen mit starkem Pressen führt. - Tastbare Knoten
Vorgefallene Hämorrhoiden können mit dem Finger als einzelne oder mehrere Knoten vor dem After getastet werden. Mitunter ziehen sich diese Knoten spontan wieder zurück oder lassen sich mit dem Finger zurückschieben. - Schmerzen
Schmerzen sind bei Hämorrhoiden eher selten. Sie können vor allem nachts auftreten. Insbesondere thrombosierte Hämorrhoiden können erhebliche Schmerzen verursachen.
Sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich beobachtet haben, könnte dies auf Hämorrhoiden hindeuten. Der Selbsttest kann hier weiter Aufschluss geben. Allerdings: Vermeintliche Hämorrhoidenbeschwerden können mitunter auch andere Ursachen haben (z.B. Analfissur, Mariske, Thrombose). Insofern sollte gerade bei häufig auftretenden bzw. länger anhaltenden Beschwerden ein Arzt (Hausarzt, Proktologe) konsultiert werden.
Risikofaktoren, die Hämorrhoiden begünstigen können
Das Risiko für Hämorrhoidalbeschwerden steigt durch gewisse Faktoren. Neben einer erblichen Veranlagung für schwaches Bindegewebe bzw. einem erhöhten Risiko in der Schwangerschaft sind es insbesondere Stuhlverhalten, Ernährung und unser Lebensstil im Allgemeinen, die die Vergrößerung von Hämorrhoiden begünstigen können. Hier eine Auswahl der häufigen Risiken – eventuell treffen gewisse Punkte auch bei Ihnen zu? So lässt sich das persönliche Risiko noch besser einschätzen.
Verstopfung
Häufige Verstopfungen mit hartem Stuhlgang, der nur unter starkem Pressen entleert werden kann, gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für Hämorrhoidenleiden. Die Verstopfung selbst resultiert häufig aus einer gewissen Ernährungs- und Lebensweise, insofern gelten auch folgende Faktoren indirekt als Risikofaktoren für die Vergrößerung von Hämorrhoiden:
- Ballaststoffarme Ernährung
- Geringe Flüssigkeitszufuhr
- Mangelnde körperliche Betätigung
- Übergewicht
Breiiger Stuhl
Ist der Stuhl häufiger nicht geformt, sondern breiig bis durchfallartig, besteht für das Schließmuskelsystem des Anus eine besondere Belastung, die die Vergrößerung von Hämorrhoiden ebenfalls fördert. Der Missbrauch von Abführmitteln, etwa bei Essstörungen wie Anorexie sowie chronische Durchfallerkrankungen sind deshalb weitere Risikofaktoren für Hämorrhoidalleiden.Faktoren, die zu Irritationen und Entzündungen im Afterbereich führen und dadurch Beschwerden einer bereits bestehenden Hämorrhoidalerkrankung auslösen können sind:
- Scharf gewürzte Speisen
- Starker Alkoholkonsum
Sie haben einige der genannten Faktoren bei sich selbst wiederentdeckt und auch die Symptome sind typisch? Der Verdacht auf ein Hämorrhoidenleiden liegt nahe? Der Selbsttest gibt weiter Aufschluss, gegebenenfalls sollte ein Arztbesuch eingeplant werden. Die gute Nachricht: Die lästigen Beschwerden bei Hämorrhoidalerkrankungen lassen sich heute gut behandeln. Neben einer Umstellung der Lebensgewohnheiten, z.B. mehr Sport, ballaststoffreiche Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr, haben sich in der medikamentösen Therapie beispielsweise Zäpfchen mit einem lokalen Betäubungsmittel wie Lidocain, die bei Schmerzen und Juckreiz schnell Linderung verschaffen, bewährt. Lassen Sie sich auch von Ihrem Apotheker beraten.
Joos, A.K. & Herold, A.: Hämorrhoidalleiden. Neue konservative und operative Therapien für ein weit verbreitetes Leiden. In: Der Gastroenterologe 5(4), (2010), S. 326-335
Lenhard, B. H.: Das Hämorrhoidalleiden. Diagnose und Therapie einer „Volkskrankheit“. In: hautnah dermatologie 4, (2011), S. 263-267
Lenhard, B. H.: Hämorrhoiden. Differenzialdiagnose und Therapie. In: Der Hautarzt 55(3), (2004), S. 240-247









