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Stuhlinkontinenz

Wenn die Hämorrhoiden den Darm nicht mehr dicht halten

„Ralleystreifen“ in der Unterwäsche sind ein ernst zu nehmender Hinweis auf ein fortgeschrittenes Hämorrhoidenleiden. Diese Form der Darmschwäche betrifft etwa 20 Prozent der Hämorrhoidengeplagten.

Große Hämorrhoiden stören die Feinabdichtung des Darms

Als wenn das Jucken, Brennen und die Schmerzen beim Stuhlgang nicht Plage genug wären, nun haben Sie auch noch ständig „Rallystreifen“ in der Unterhose? In diesem Fall sollten Sie an ein Hämorrhoidenleiden denken – und zwar an ein fortgeschrittenes. Denn erst wenn die Gewebepolster am Afterausgang stark vergrößert sind, kann Stuhl entweichen. Fachärzte (Proktologen) beobachten diese Art von Darmschwäche bei Hämorrhoidalleiden ab dem 2. von insgesamt vier Stadien. Laut Schätzungen von Proktologen quälen sich etwa 20 Prozent der Hämorrhoiden-Patienten mit Stuhlinkontinenz herum.

Genau genommen handelt es sich dabei aber nicht um eine echte Stuhlinkontinenz. Vielmehr sprechen Mediziner bei einer Darmschwäche aufgrund vergrößerter Hämorrhoiden von einer „sensorischen Kontinenzstörung“. Dr. Bernhard Lenhard erklärt, was das bedeutet: „Wenn die Hämorrhoiden größer werden und weit in den Analkanal hineinragen, stören sie die Feinabdichtung des Afters. Das wird umso schlimmer, desto mehr die Hämorrhoiden wachsen.“

Der Effekt potenziert sich schließlich sogar, sagt der Enddarmspezialist: „Denn je größer die Hämorrhoidenknoten werden, desto mehr entzünden sie sich und sondern Sekret ab.“ Diese Flüssigkeit rinnt dann aus dem After und kann kleine Stuhlreste mit sich nehmen – das Sekret wird quasi zu einer Kotrutsche.

Wenn die Hämorrhoidenknoten so groß geworden sind, sie ihren Job als Darmabdichter nicht mehr erledigen können, hilft nur noch verkleinern. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten wie eine Verödung, eine Gummiband-Ligatur oder eine Operation. Hämorrhoidenmittel, sogenannte Proktologika, können einmal gewachsene Hämorrhoiden nicht wieder zum Schrumpfen bringen. Sie vermögen aber das Jucken und Brennen zu bessern und Präparate mit lokal betäubenden Wirkstoffen können sogar Schmerzen lindern.

Keine Kontrolle mehr über den Stuhl

Anders als bei einer Darmschwäche durch ein Hämorrhoidenleiden verliert ein Mensch mit Stuhlinkontinenz die Kontrolle über seinen Darm - der Stuhl rutscht einfach heraus, ohne dass er zu halten wäre. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben, oft kämen sogar mehrere zusammen, berichtet der Proktologe und Chirurg Dr. Franz Raulf: „Die Stuhlausscheidung wird von einem ganzen System von Komponenten kontrolliert, etwa dem Schließmuskel, den Nerven zur Wahrnehmung des Stuhldrangs oder dem Beckenboden. Eine Inkontinenz resultiert zumeist aus einer Schwäche mehrerer Teile des Kontinenzapparates.“ Dazu gesellen sich oft noch soziale oder psychische Komponenten. Wie viele Menschen in Deutschland an Stuhlinkontinenz leiden, kann niemand genau sagen. Aber die Deutsche Kontinenz Gesellschaft schätzt ihre Zahl auf rund 1,2 Millionen.

Stuhlinkontinenz lässt sich behandeln

So unterschiedlich wie die Ursachen für anale Inkontinenz sind, so vielfältig sind die Therapieoptionen. Sie reichen von spezieller Kost, Beckenbodengymnastik und Biofeedback über das Beheben von Stoffwechselstörungen oder die Einnahme stuhlverdickender Medikamente bis zu einer Operation oder dem Implantieren eines Schrittmachers.

Oft helfe es aber schon, wenn der Patient ein Stuhltagebuch führt, sagt Raulf. Denn das Protokolls kann z.B. ergeben, dass es sinnvoll ist, zu bestimmten Tageszeiten prophylaktisch zur Toilette zu gehen. Mit Zäpfchen oder Einläufen lässt sich das Entleeren des Darms so einstellen, dass der Patient in der folgenden Zeit keine Angst vor einem unfreiwilligem Stuhlabgang haben muss.

Chirurgische Eingriffe seien insgesamt eher selten nötig, räumt Doktor Raulf ein. Sie kämen vor allem infrage, wenn sich der Mastdarm aus dem After stülpt (Rektumprolaps) oder um die anale Muskulatur zu korrigieren.


Quelle: Mit Informationen des Proktologen Dr. Bernhnard Lenhard und der Deutschen Kontinenz Gesellschaft
Autor: Martina Janning
Stand: Jul 2, 2009


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