Reiseverzicht wegen Hämorrhoidenleiden?
Norbert Schumann* steckt in einem Dilemma: Einfach mal wegfahren und die Schmerzen vergessen", wünscht sich der Hämorrhoiden-Patient.. Doch wenn die Schmerzen einem dann den ganzen Urlaub verderben?" Viele Menschen mit einem Hämorrhoidalleiden verzichten wegen solcher Überlegungen auf Reisen und verbringen ihre Ferien lieber auf dem Balkon. Dort können sie sich in einen Liegestuhl fläzen und ihren Po entlasten. Die heimische Toilette ist bequem erreichbar, Medikamente sind griffbereit, zu Hause lässt sich nach dem Stuhlgang notfalls ein Sitzbad nehmen. Doch: Sich in den Ferien immer mit dem gleichen Ausblick begnügen?
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Fliegen schont das Sitzfleisch
Sorge bereitet Hämorrhoiden-Geplagten besonders die Anreise. Langes Sitzen ist unangenehm. Autofahrten können daher zur Qual werden. Man sitzt nur auf der halben Pobacke", schildert ein Betroffener. Rutscht ständig hin und her." Im Sommer verstärkt Schwitzen die Beschwerden. Schweiß setzt der angegriffene Haut um den After zusätzlich zu und steigert den Juckreiz. Tipp: Ein Luftkissenpolster oder ein Schwimmring kann Autofahrten erträglicher machen, weil der betreffende Po-Region nicht direkt mit dem Sitz in Kontakt kommt. In der Bahn hat der Reisende wenigstens die Möglichkeit, im Gang auf und ab zu gehen. Noch besser ist es natürlich, wenn das Reiseziel per Nachtzug im Schlafwagen erreichbar ist. Weniger gutes Sitzfleisch braucht es meist zum Fliegen vorausgesetzt die Reisezeit hält sich in Grenzen. Nur nach dem Entfernen von Hämorrhoidenknoten durch eine Gummiband-Ligatur sollten Flugreisen unterbleiben. In den ersten drei Wochen nach dem operativen Eingriff könne es zu Blutungen kommen, die nur ein Arzt stoppen kann, erklärt Dr. Bernhard Lenhard. Von langen Flügen rät der Coloproktologe daher strikt ab. Kurzflüge seien möglich, sofern notfalls in einer halben Stunde eine ärztliche Versorgung in einer Klinik möglich sei. Anderenfalls könne eine Blutung sogar tödlich enden.
Leicht essen und viel trinken
Lange Auto- und Zugreisen bergen für Menschen mit vergrößerten Hämorrhoiden ein weiteres Problem: Die mangelnde Bewegung erhöht das Risiko einer Verstopfung. Sie macht den Stuhlgang garantiert zu einer schmerzhaften Erfahrung. Überdies setzt Pressen den Gefäßpolstern weiter zu. Hämorrhoiden-Patienten sollten daher auf ausreichend Pausen achten, in denen sie aussteigen und sich bewegen. Noch wichtiger ist es, sich auf langen Fahrten richtig zu ernähren. Als Reiseproviant sollte auf jeden Fall leichte Kost eingepackt werden. Beim Sitzen werden Magen und Darm zusammengequetscht, das macht die Verdauung träge. Um sie zu entlasten, helfen Vollkornbrot mit fettarmem Belag, Obst, Gemüsestreifen und Milchprodukte. Das nützt natürlich wenig, wenn anschließend Pommes und panierte Schnitzel auf dem Programm stehen. Auch beim Essen in einer Raststätte sollten daher leichte Gerichte mit Salat und Gemüse Vorfahrt haben. Viele Autoreisende unterschätzen die Bedeutung ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Manche trinken sogar extra wenig, um nicht zu oft eine Toilette ansteuern zu müssen. Doch allein durch das Schwitzen im warmen Wagen gehen viel Flüssigkeit und wichtige Mineralstoffe verloren. Ein Erwachsener sollte mindestens 1,5 2 Liter am Tag trinken, empfehlen Experten. Am besten Wasser, Früchtetee oder Saftschorlen. Das erhält die Konzentration - und einen weichen Stuhl.
* Name geändert
Quelle: Nach Informationen von Patientenbefragungen und Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbandes der Coloproktologen Deutschlands
Autor: mj
Stand: 18-01-2007
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