
Durchfall & Verstopfung:
Wenn Verdauungsprobleme den Urlaub trüben
Montezumas Rache ist berüchtigt - viele Reisende fürchten Durchfall. Dabei drosselt Verstopfung ebenso oft die Urlaubsfreude. Tipps, damit es flutscht.
Durchfall - meist durch Bakterien und Viren
Keine Termine, kein Stress, richtig ausschlafen und nur tun, was Spaß macht so stellen sich die meisten Menschen ihren Urlaub vor. Ärgerlich, wenn einem die Verdauung einen Strich durch die Ferienrechnung macht. Statt Land und Leute lernen viele Urlauber Montezumas Rache und die Toiletten des Gastlandes kennen. Seinen geflügelten Namen verdankt Reisedurchfall jenem berühmten Aztekenherrscher, der den spanischen Eroberer Cortéz 1519 für einen Gott hielt und ihn mit offenen Armen empfing. Ein Fehler. Montezuma starb während des grausamen Eroberungszuges der Spanier, viele Eingeborene an der Pockenkrankheit, die die Europäer einschleppten. Nach Schätzungen hat jede dritte Urlauber Malessen mit Durchfall. Zwar können Stress bei der Reiseplanung, ein anderes Klima und ungewohntes Essen auf den Magen schlagen, doch viel häufiger sind hygienische Bedingungen im Reiseland Schuld: Durchfall wird meist durch Bakterien und Viren verursacht, die Urlauber ungewollt durch verseuchte Nahrung, Getränke oder Poolwasser zu sich nehmen.
Vorsicht vor Wasserverlust
Meist vergeht Reisedurchfall nach 3-5 Tagen von selbst. Hält er längere Zeit an, kommen Fieber, ständiges Erbrechen oder blutiger Stuhl dazu, ist ein Arzt gefragt. Vor allem bei kleinen Kindern und älteren Menschen über 65 kann der starke Verlust an Flüssigkeit schon nach kurzer Zeit zu lebensbedrohlicher Entwässerung führen. Abhilfe schafft eine Elektrolytlösung. Sie gibt es fertig in Apotheken zu kaufen oder kann selbst gemischt werden. Dazu auf 1 Liter abgekochtes Wasser 8 Teelöffel Zucker, 1 Teelöffel Kochsalz und 3⁄4 Teelöffel Backpulver geben. Davon trinkt ein Erwachsener am besten 2 Liter am Tag. Wer Durchfall hat, sollte zunächst zwei Tage nur Zwieback und Tee zu sich nehmen, danach dann flüssige Nahrung in Form von Suppen. Medikamente gegen Durchfall möglichst nur kurz einnehmen, z.B. wenn keine Möglichkeit besteht, zur Toiletten zu gehen. Sie verlangsamen die Darmbewegung, Keime und mögliche Bakteriengifte haben dadurch mehr Zeit, im Körper zu wirken.
Hände weg von Eiswürfeln und rohem Fisch
Um Durchfall vorzubeugen, empfehlen Reisemediziner nach einer englischen Regel zu verfahren: "Cook it, boil it, peel it or forget it" fasst die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen zusammen. Konkret: Nichts essen, was nicht durchgebraten, gekocht oder frisch geschält ist. Außerdem Leitungswasser, offene Getränke, Eiswürfel, Speiseeis, kalte Buffets, Rohkost, rohen Fisch oder rohe Wurst meiden und vor jedem Essen gründlich mit Seife die Hände waschen.
Verstopfung auch psychisch bedingt
Es ist wenig bekannt, doch Verstopfung plagt Urlauber mindestens ebenso häufig wie Durchfall. Veränderte Ess- und Trinkgewohnheiten, die Umstellung auf ein anderes Klima und Aufregung sind wichtige Gründe dafür, dass der Darm träge wird. Aber auch verschmutzte WCs können eine Blockade auslösen. Dass jemand einen Tag nicht auf die Toilette kann, ist noch kein Grund zur Sorge. Täglicher Stuhlgang ist nicht nötig aber regelmäßiger! Von Verstopfung (Obstipation) sprechen Mediziner, wenn ein Mensch weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hat. Die Folgen sind Völlegefühl, Blähbauch und Schmerzen beim Toilettengang. Ohne Pressen geht dann nichts mehr. Eine Quälerei für Menschen mit vergrößerten Hämorrhoiden! Betroffene, die im Urlaub zu Verstopfung neigen, sollten daher vorsorglich eine Schmerz und Juckreiz lindernde Salbe in ihre Reiseapotheke packen.
Pro Darm: Ballaststoffe und Bewegung
Um es erst gar nicht zu Verstopfung kommen zu lassen, helfen ballaststoffreiche Kost und Bewegung. So schön es auch ist: Wer im Urlaub den ganzen Tag am Strand liegt oder die Welt vorwiegend von einem Cafestuhl aus beobachtet, veranlasst auch seinen Darm, einen Gang zurückzuschalten. Körperliche Aktivität hilft das zu verhindern. Ausflüge per Pedes oder Rad, Morgengymnastik, Schwimmen oder Beach-Volleyball bringen den Darm in Schwung und halten den Körper fit. Bei ihrer Ernährung sollten Urlauber darauf achten, nicht zu viel und zu fett zu essen. Auf Weißbrot möglichst verzichten und viel Obst und Gemüse auf den Speiseplan setzen. Um zusätzliche Ballaststoffe zu bekommen, kann man z.B. einen Joghurt mit einem Löffel Leinsamen oder Weizenkleie anreichern. Wichtig: Ausreichend trinken. In südlichen Urlaubsländern mindestens 2-3 Liter am Tag.
Wasser und Flohsamen verschaffen Erleichterung
Bei akuter Verstopfung hilft vielen ein Glas eiskaltes Wasser, morgens auf nüchternen Magen schnell getrunken. Auch in Wasser eingeweichte Trockenfrüchte führen oft zum Erfolg. Ein anderer Tipp: Einen Esslöffel indischen Flohsamen in einem Glas Wasser einnehmen. Abführmittel, egal ob pflanzlich oder chemisch, sollten nicht länger als 1-2 Wochen zum Einsatz kommen. Will eine Verstopfung partout nicht weichen, ist auf jeden Fall ein Besuch beim Arzt angezeigt.









