Experten unterscheiden verschiedene Formen von Verstopfung
Als ein wesentlicher Risikofaktor für ein Hämorrhoidalleiden gilt die Verstopfung. Doch hier gibt es Unterschiede. So differenziert man zwischen einem verlangsamten Nahrungstransport auf der einen und sogenannten Entleerungsstörungen auf der anderen Seite. Um eine Vergrößerung der Hämorrhoiden soweit wie möglich zu vermeiden, ist es wichtig, Ursache der vorliegenden Form der Verstopfung richtig zu behandeln.
Verstopfung (Obstipation) gilt unter Experten als eine der häufigsten Ursachen von Hämorrhoidenerkrankungen. Ein wichtiger Aspekt der nachhaltigen Behandlung ist es daher, bei den betroffenen Patienten eine weiche Stuhlkonsistenz (geformte Stühle) und eine problemlose Darmentleerung sicherzustellen, die kein übermäßiges Pressen erfordert, da sich hierdurch das Blut in den Hämorrhoiden staut und diese anschwellen. Zu diesem Zweck wird vor allem die Umstellung der Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost und reichliche Flüssigkeitszufuhr empfohlen. Nach neuen Erkenntnissen gilt es allerdings auch, die Form der vorliegenden Verstopfung zu berücksichtigen.
Was ist eigentlich Verstopfung im medizinischen Sinn?
Das Gefühl, unter einer Verstopfung zu leiden, stellt sich bei Patienten unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen ein - hier spielen natürlich die individuellen Stuhlgewohnheiten eine große Rolle. So fühlen sich manche Menschen „verstopft“, wenn sie nicht einmal pro Tag Stuhlgang haben oder beim Stuhlgang auch stark pressen müssen. Medizinisch wird von einer Verstopfung hingegen in der Regel erst dann gesprochen, wenn es pro Woche zu weniger als drei Stuhlentleerungen kommt. Charakteristisch ist darüber hinaus harter Stuhl, heftiges Pressen sowie nicht vollständige Stuhlentleerung. Hält dieser Zustand länger als 3 Monate an, spricht man von chronischer Verstopfung.
Zwei Formen der chronischen Verstopfung
Grundsätzlich kann zwischen verschiedenen Formen der Obstipation unterschieden werden. So können Verstopfungsbeschwerden auf funktionellen Ursachen, Entleerungsstörungen oder auf einen verlangsamten Transport zurückzuführen sein. Die verschiedenen Formen der chronischen Verstopfung wirken sich unterschiedlich auf Hämorrhoidenerkrankungen aus.
Verstopfung durch langsamen Kolontransit
Verstopfungen aufgrund eines verlangsamten Transports des Nahrungsbreis gehen auf eine echte Trägheit des Dickdarms zurück. Gelegentlich starkes Zusammenziehen (Peristaltik), die Teil der normalen Darmbewegungen im Rahmen der Verdauung sind, treten vermindert auf. Dadurch verzögert sich der Nahrungstransport im Dickdarm (Kolon). Mediziner sprechen von einem „langsamen Kolontransit“. Hervorgerufen werden kann dieser durch falsche Ernährung (z. B. ballaststoffarm, geringe Flüssigkeitszufuhr, aber auch neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson, Multiple Sklerose oder Querschnittslähmung), endokrinologische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Hyperthyreose) oder Medikamente können einen verzögerten Kolontransit hervorrufen. In den meisten Fällen bleibt die Ursache jedoch ungeklärt.
Verstopfung auf Grund einer Defäkationsstörung
Weitaus häufiger ist eine Verstopfung auf eine Darmentleerungsstörung zurückzuführen, bei der sich meist eine normale Kolontransitzeit zeigt.Ausgangspunkt dieser Erkrankungsform ist zumeist ein bewusster oder unbewusster Versuch, den Stuhl zurückzuhalten. Dadurch wird der Kot in den letzten Abschnitten des Darms verhärtet. Die sich später anschließende Darmentleerung wird dadurch oft erschwert und bewirkt unter Umständen Risse im Schleimhautüberzug der Hämorrhoiden. Es besteht deshalb die Gefahr, dass ein Vermeidungsverhalten einsetzt und sich ein Teufelskreis aus schmerzhafter Stuhlentleerung, Vermeidung des Stuhlgangs und noch stärkerer Verdichtung und Verhärtung des Stuhls entwickelt, ohne dass eine körperliche Ursache für die Verstopfung bestehen würde.Ursachen hierfür können z.B. Erkrankungen des Analkanals (z. B. Hämorrhoiden, Fissuren) oder ein Anismus bei jungen Frauen (fehlende Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur) sein.
Konsequenzen für die Behandlung von Verstopfungen
Negativ auf Hämorrhoidenerkrankungen wirken sich vor allem Verstopfungen aus, die durch Darmentleerungsstörungen hervorgerufen werden. Der verhärtete Stuhl führt immer wieder zu Verletzungen und verlängert oder verschlimmert damit das Hämorrhoidenleiden.
Experten folgern, dass eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung nur einen Teil der Behandlungsaspekte bei Verstopfung und damit der Vorbeugung der Entstehung neuer Hämorrhoiden abdeckt. Zusätzlich sollte das Bewusstsein der Patienten für eine normale und regelmäßige Darmentleerung geschult werden. Der Stuhlgang sollte nach Möglichkeit nicht unnötig hinausgezögert werden, um den Kreislauf aus Verstopfung, Stuhlverhärtung und Hämorrhoidenbeschwerden zu durchbrechen. Auf keinen Fall sollte gerade bei bestehendem Hämorrhoidenleiden die Analschleimhaut zusätzlich gereizt werden. Starkes Pressen gilt es daher nach Möglichkeit zu vermeiden.
Darüber hinaus empfehlen Experten, die Haut mit einer speziell zur Vorbeugung von Hämorrhoidalleiden entwickelten Schutzsalbe (z.B. Posterisan protect, in Ihrer Apotheke) regelmäßig zu pflegen. Denn ein gezielter Hautschutz ist jetzt unverzichtbar.



