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Analvenenthrombose?

Bei Schwangeren "Hämorrhoiden" oft Fehldiagnose

Plötzliche Hämorrhoiden in der Schwangerschaft? Die kleinen, schmerzhaften Knubbel am After sind Analvenenthrombosen, sagt Facharzt Bernhard Lenhard. Diese werden oft fälschlicherweise als äußere Hämorrhoiden bezeichnet. Doch hämorrhoidale Beschwerden entwickeln sich über Jahre. Ein Unterschied, den auch Laien sofort erkennen: Analvenenthrombosen schmerzen, Hämorrhoiden nicht.

Proktologe Bernhard Lenhard erlebt es immer wieder in seiner Praxis: Schwangere werden von ihrem behandelnden Gynäkologen zum Facharzt geschickt, weil sie plötzlich Hämorrhoiden am After entwickelt haben. "Eine Fehldiagnose", urteilt der Enddarmspezialist. "Hämorrhoidenpolster wachsen im Laufe von 10-20 Jahren - nicht von einem Tag auf den anderen." In Wirklichkeit handle es sich um Analvenenthrombosen. Die seien früher fälschlicherweise als äußere Hämorrhoiden bezeichnet worden, berichtet der Pressesprecher des Berufsverbandes der Coloproktologen. Mittlerweile ist die Unterteilung in "innere" und "äußere" Hämorrhoiden veraltet, Fachleute unterscheiden zwischen Grad 1 bis 4. Beim Krankheitsgrad 3 ist das erweiterte Gefäßpolster nach dem Stuhlgang zu sehen, kann aber in den After zurückgeschoben werden, bei Grad 4 geht dies nicht mehr - die Hämorrhoiden bleiben äußerlich sichtbar und sind dann oft auch deutlich entzündlich verändert. Ein sicheres Merkmal, das gegen Hämorrhoiden spricht, sind Schmerzen. "Wenn am After plötzlich ein schmerzhaftes Ereignis eintritt, kann das alles Mögliche sein, nur keine Hämorrhoiden", erklärt Lenhard. "Hämorrhoiden sind mit Darmschleimhaut überzogen, deshalb lassen sie sich schmerzfrei veröden". Ein Arzt könnte mit der Nadel hineinstechen, ohne dass der Patient es merkt. Ab der Übergangszone von After und Darm endet die sensible Innervation.

Viele Schwangerschaften fördern Vergrößerung der Gefäßpolster

Sind die Hämorrhoiden bereits vergrößert, kann eine Schwangerschaft zum weiteren Wachsen beitragen - besonders in der letzten Zeit vor der Geburt. Denn zum einen erweitern ausgeschüttete Hormone die Gefäße, und das Gewebe ist aufgelockerter. Zum anderen erschwert der zunehmende Druck der wachsenden Gebärmutter den normalen Rückfluss des Blutes aus den Beckenvenen. "Der Druck auf den Beckenboden während einer Schwangerschaft und das Pressen während einer Geburt kann die Hämorrhoidalpolster etwas vergrößern, aber nicht so, dass das Leiden plötzlich von einem Grad zum nächsten springt", weiß Proktologe Lenhard. Doch eine Frau, die mehrere Geburten gehabt hat, entwickelt im Laufe ihres Lebens wahrscheinlich auch größere Hämorrhoiden. Um dem vorzubeugen, hilft gezieltes Training des Beckenbodens. Ein guter Grund, regelmäßig Schwangerschaftsgymnastik zu machen! Viele Schwangere haben außerdem mit Verstopfung zu kämpfen. Starkes Pressen beim Stuhlgang ist die Folge, die die Gefahr für ein Hämorrhoidalleiden erhöht. Frauen in anderen Umständen sollten sich daher besonders ballaststoffreich ernähren, viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte auf ihren Speiseplan setzen und mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Gegen das Jucken und Brennen entzündeter Hämorrhoiden oder damit verbundener Analekzeme helfen Spezialsalben und mit Arznei getränkte Analtampons.

Beschwerden kleinerer Thrombosen können schnell gelindert werden

"Während Schwangerschaft und Geburt besteht ein sehr hohes Risiko für Analvenenthrombosen", erläutert Lenhard. "Manchmal erfassen sie die ganze Rundung des Afters." Das könne außerordentlich schmerzhaft sein. Hier kann eine rasche Linderung mit Salben und Zäpfchen erreicht werden. Solche dunkelblauen Knötchen sind Blutgerinnsel in den Venen am äußeren Analrand. Kleinere Thrombosen verschwinden nach 1-2 Wochen wieder. Größere kann ein Arzt unter lokaler Betäubung entfernen. Von Analvenenthrombosen bleiben häufig kleine, schlaffe Hautfältchen zurück, Marisken genannt. Nichts Schlimmes. "Sie machen nur bei der Hygiene Probleme", sagt Gastroentorologin Dr. Elisabeth Hackenberg und rät dringend davon ab, sie wegzuschneiden. Viele Patienten plage danach starker Juckreiz. "Es gibt seltene Ausnahmen, in denen Marisken wirklich so störend sind oder sich immer wieder entzünden, wo es Sinn macht, sie zu entfernen." (mj)

BSMO, 12.10.2005

Quelle: Nach Informationen von Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbandes der Coloproktologen und Dr. Elisabeth Hackenberg, Gastroenterologin und LIFELINE-Expertin


Autor: BSMO Redaktion
Stand: 11-10-2005



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