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Fast immer ist eine OP nötig

Analfisteln sind unangenehm – in mehr als einer Hinsicht

Wie entstehen Analfisteln? Warum sind Männer häufiger betroffen? Muss eine OP immer sein oder gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten? Alles zum Thema Analfisteln.

Analfisteln
Schmerzen, Juckreiz und spürbare Verhärtungen sind typische Beschwerden bei Analfisteln.
© iStock.com/dragana991

Schmerzen im Analbereich? Darüber spricht man doch nicht! Und so passiert es nicht selten, dass sich Entzündungen rund um den After zu schmerzhaften Analabszessen und irgendwann nicht ungefährlichen Analfisteln ausbilden. Wird eine Fistel nicht behandelt, droht irgendwann die Zerstörung des Schließmuskels mit einer sehr unangenehmen Konsequenz: Stuhlinkontinenz. Soweit muss es jedoch nicht kommen, denn Analfisteln sind gut therapierbar und heilen – rechtzeitig behandelt – meist folgenlos aus. Deshalb sollte man bei Schmerzen und Entzündungen in der Analregion lieber früher als später zum Arzt gehen.

Wie kommt es zu einer Analfistel?

Analfisteln entstehen fast immer aus einer Entzündung der sogenannten Proktodealdrüsen. Das sind rudimentär angelegte Duftdrüsen, die im Enddarm liegen. Rudimentär deshalb, weil sie beim modernen Menschen keine Funktion mehr haben und nur noch ein Überbleibsel der Evolution sind. Früher dienten sie unseren Vorfahren dazu, ihr Revier zu markieren. Das war Aufgabe der Männer, insofern haben sie mehr Proktodealdrüsen als Frauen und leiden entsprechend öfter unter Entzündungen in diesem Bereich. Insgesamt sind Analfisteln keineswegs ein seltenes Problem: Einer von 5000 Deutschen leidet unter Analfisteln, am häufigsten ist die Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen betroffen.

Entzünden sich die Proktodealdrüsen, kommt es meist zuerst zu einem Analabszess. Dabei bildet sich eine Eiterhöhle, die sich vom restlichen Gewebe abkapselt. Der Abszess steht jedoch nicht still, sondern hat die Tendenz, sich einen Ausgang zu bahnen. So arbeitet sich die Entzündung Stück für Stück durchs Gewebe und bildet am Ende einen Verbindungsgang zur Außenwelt, durch den der Eiter abfließen kann. Diesen Kanal bezeichnet man als Analfistel.

Die häufigsten Analerkrankungen

Analabszess oder Analfistel – wo liegt der Unterschied?

Ein Analabszess und eine Analfistel entstehen grundsätzlich auf die gleiche Weise, wobei der Abszess das akut entzündliche Krankheitsbild darstellt, die Fistel hingegen die chronifizierte Form. Ein Analabszess geht meist mit einer akuten Schwellung und Rötung im Bereich des Anus einher. Die Entzündung führt zu sehr starken Schmerzen, insbesondere beim Stuhlgang und beim Sitzen. Begleitend können Fieber, Abgeschlagenheit und andere Entzündungszeichen auftreten.

Symptome von Analfisteln: So erkennt man die Anzeichen

Analfisteln können mit Schmerzen einhergehen, wobei diese meist nicht so stark sind wie in der akut entzündlichen Phase. Der Grund: Die Entzündung hat sich einen Weg gebahnt, wodurch die Spannung auf dem empfindlichen Analgewebe nachlässt. Manchmal kommt es zu einem spürbaren Austreten von Sekret durch die Fistelöffnung. Die Fistel nässt, sondert Eiter ab oder sogar kleine Mengen von Stuhl. Von außen erscheint sie als kleines Löchlein oder vergrößerte Pore, die sich nach innen ziehen. Meist sitzt eine Analfistel direkt am oder zumindest in Nähe des Darmausganges. Analfisteln können aber auch leicht übersehen werden, weil sie nicht immer Beschwerden verursachen.

Hauptsymptome sind:

  • Schmerzen in der Analregion
  • Nässende Stelle, die Sekret absondert
  • Juckreiz aufgrund des austretenden Sekrets
  • Spürbare Verhärtung im Analbereich

Ursachen und Auslöser von Analfistel

Die häufigste Form ist die bereits genannte kryptoglanduläre Fistel, die sich aus einer Entzündung der Proktodealdrüsen entwickelt, ausgelöst durch eindringende Darmkeime. Diese Drüsen (Glandulae) liegen in den Krypten, das sind kleine Hauttaschen oberhalb des Analschließmuskels, daher der Name „kryptoglandulär“. Außerdem können Analfisteln im Rahmen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entstehen. Durch die permanente Entzündung entstehen kleine Geschwüre, die sich irgendwann durch die Darmschleimhaut hindurchfressen und in der Folge zu Fisteln führen können. Selten treten Analfisteln auch als Begleiterscheinung von Krankheiten wie Tuberkulose, HIV, Leukämie, Darmkrebs oder nach Operationen auf.

Abzugrenzen von der Analfistel ist die Acne Inversa, eine Entzündung der Schweißdrüsen im Bereich des Afters, die oft bei Jugendlichen auftritt. Außerdem die Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis). Dabei bohren sich Haare in die Haut der Gesäßfalte und verursachen einen eitrigen Hautabszess. Beide Formen können ähnliche Symptome wie eine Analfistel verursachen, verlaufen jedoch in der Haut und haben keine Verbindung zum Darm.

Lage und Form der Analfistel – Einteilung nach Parks

Je nachdem, welchen Weg sich eine Fistel nach außen bahnt und wo ihr Ursprung liegt, werden verschiedene Formen unterschieden. Allgemein gebräuchlich in der Medizin ist heute die „Einteilung nach Parks“, die auf den britischen Chirurgen Alan Parks zurückgeht:

  • Typ I: Intersphinktäre Fistel (sehr häufig): Die Fistel bahnt sich ihren Weg zwischen dem inneren und äußeren Schließmuskel und mündet direkt am After.

  • Typ II: Transsphinktäre Fistel (häufig): Die Fistel durchbohrt beide Schließmuskel und tritt seitlich neben dem After aus.

  • Typ III: Suprasphinktäre Fistel (selten): Die Fistel bahnt sich ihren Weg zwischen dem äußeren Schließmuskel und dem Hebemuskel das Anus, der zur Beckenbodenmuskulatur gehört, und tritt neben dem After aus.

  • Typ IV: Extrasphinktäre Fistel (sehr selten): Der Fistelgang beginnt bereits oberhalb des Enddarms und mündet seitlich neben dem After.

  • Typ V: Subanodermale oder subkutane Fistel (selten): Der Gang verläuft am Rektum innerhalb der Schließmuskulatur und mündet direkt neben dem Analausgang entlang.

Analfisteln: Die Diagnose stellt der Arzt

Für die Behandlung von Krankheiten im Analbereich ist ein Proktologe zuständig. Bei Verdacht auf einen Analabszess oder eine Analfistel hilft auch erst einmal der Hausarzt weiter, der einen gegebenenfalls zum Spezialisten überweist. Der Arzt führt zunächst eine Anamnese durch und untersucht anschließend die Analregion auf eine Abszess- oder Fistelbildung ab. Dazu gehört eine digital-rektale Untersuchung, also das vorsichtige Abtasten des Anus mit dem Finger. Eventuell ist eine Fistelsondierung nötig. Bei komplizierten Fisteln werden auch bildgebende Verfahren wie eine endoskopische Untersuchung des Rektums (Proktoskopie oder Rektoskopie), ein Ultraschall (Endosonographie), MRT oder CT zur weiteren Diagnose herangezogen. Diese Untersuchungen werden in der Regel unter Narkose durchgeführt, da die Region extrem schmerzempfindlich ist.

Analfisteln behandeln: Fast immer ist eine OP nötig

Analfisteln heilen im Normalfall nicht von alleine aus und müssen operativ entfernt werden. Studien haben gezeigt, dass konservative Methoden wie Silbernitrat-Spülungen nicht sehr erfolgsversprechend und außerdem langwierig sind. Nachdem die Komplikationen mit dem Fortschreiten der Fistel zunehmen, sollte man möglichst keine unnötige Zeit verlieren.

Zur operativen Behandlung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Sie werden je nach Lage und Tiefe der Fistel angewandt. Dabei steht immer im Vordergrund, die Schließmuskulatur möglichst wenig zu schädigen, um eine spätere Stuhlinkontinenz zu verhindern. Eine Spaltung der Fistel sollte nur bei oberflächlichen Fisteln durchgeführt werden (Typ I und Typ IV), denn je mehr Muskelgewebe durchtrennt werden muss, desto größer die Gefahr der späteren Inkontinenz. Bei den anderen Typen werden andere, den Schließmuskel schonende Methoden bevorzugt. Häufig ist dabei jedoch meist eine zweite Operation nötig.

Die häufigsten OP-Methoden bei Analfisteln:

  • Fistelspaltung: Dabei wird das Gewebe zwischen Fistelgang und Analgang durchtrennt.

  • Fadendrainage: Ein Faden wird durch die Fistel durchgeführt, damit das Sekret abfließen und die Fistel abheilen kann.

  • Fadendrainage und Fistelspaltung werden häufig kombiniert.

  • Plastischer Verschluss: Dabei wird der innere Zugang zur Fistel mit einem Hautläppchen verschlossen, einer sogenannten Lappenplastik oder Flap.

  • Plastische Rekonstruktion mit Sphinkternaht: Manchmal muss die Fistel komplett entfernt und der Schließmuskel genäht werden. Je nach Tiefe der Fistel sind die Heilungschancen gut und die Kontinenz kann meist erhalten werden.

  • Plug-Technik: Dabei wird ein Stöpsel (Plug) durch den Fistelkanal gezogen und die Fistel mit Biomaterialien wie Fibrin oder Kollagen verschlossen. Der Schließmuskel wird dabei praktisch nicht beeinträchtig, allerdings sind die Heilungschance meist nicht so gut.

Unterstützende Maßnahmen zur Heilung

Nach der Analfistel-OP ist eine gründliche Pflege der Wunde am After wichtig. Das sorgt für schnelle Heilung und verhindert eine erneute Entzündung. Es wird empfohlen, die Analregion nach dem Stuhlgang mit warmem Leitungswasser abzuduschen. Ideal ist dafür ein Bidet, ansonsten geht das aber auch in der Duschwanne. Spezielle Wundlösungen sind nicht nötig. Unterstützen kann man die Heilung mit Sitzbädern aus Kamillenextrakt. Außerdem sollte man in den ersten Wochen nach der Operation auf einen möglichst weichen Stuhl achten. Für gute Verdauung sorgt ballaststoffreiche Kost und ausreichend Flüssigkeit. Notfalls kann man ausnahmsweise auch für kurze Zeit mit einem milden Abführmittel nachhelfen.

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Einmal Analfisteln immer Analfisteln?

Die meisten Analfisteln heilen innerhalb von ein paar Wochen völlig komplikationslos aus. Nur selten kommt es zu Wundheilungsstörungen. Eine spätere Beeinträchtigung der Kontinenz ist bei oberflächlichen Fisteln sehr selten, kann bei tieferen aber vorkommen. Im Normalfall bestehen aber nach dem Abheilen keine Beschwerden mehr. Auch die Gefahr, erneut an einer Analfistel zu erkranken, ist nicht höher als bei anderen Personen. Eine Ausnahme gibt es: Menschen, die unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn leiden, haben eine höhere Rückfallrate.

Vorbeugen kann man Analfisteln nicht. Wer aber auf eine geregelte Verdauung mit regelmäßigem und nicht zu hartem Stuhlgang achtet, sorgt damit ein Stück weit gegen verschiedenste Erkrankungen und Entzündungen im Bereich des Enddarmes und Afters vor.