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Künstliche und natürliche Abführmittel

Darmreinigung: Rohrputz im Verdauungssystem

Ob als Vorbereitung für eine Untersuchung beziehungsweise Operation oder um zu entgiften – für eine Darmreinigung gibt es verschiedene Gründe. Ebenso unterschiedlich sind die Möglichkeiten, den Darm von ungewünschten Resten zu befreien. So sollten Sie dabei am besten Vorgehen.

Frau hält Hände vor Bauch
Neben der OP-Vorbereitung ist die Darmreinigung auch eine Art Kur für das Verdauungssystem.
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Eine Darmreinigung bezeichnet die künstlich herbeigeführte Entleerung des Darms. Dazu kommen unterschiedliche Verfahren in Frage. In der Regel werden natürliche oder chemisch basierte Abführmittel eingesetzt werden, um die gewünschte Entleerung zu erzeugen. Eine Darmreinigung kann aber auch mithilfe einer Darmspülung erfolgen.

Im Überblick:

Darmreinigung aus medizinischen Gründen

Wenn eine Darmspiegelung oder eine Operation des Darms durchgeführt werden muss, ist es wichtig, dass der Arzt eine gute Sicht auf den Untersuchungsbereich beziehungsweise das Operationsfeld hat. Vor jedem Eingriff am Darm muss deshalb immer eine Darmreinigung erfolgen.

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Dazu wird am Vortag ein in der Regel chemisches Darmreinigungspräparat eingenommen, das stark abführend wirkt. Um den entstehenden Flüssigkeitsverlust auszugleichen, müssen Patienten zusätzlich mindestens zwei Liter möglichst klare Flüssigkeit, wie Wasser oder Apfelsaftschorle, trinken. Diese Prozedur wird am Tag des Eingriffs nochmal wiederholt, bis der Stuhl flüssig, hell und klar ist.   

Darmreinigung zur Entgiftung

In der Naturheilkunde kommt der Darmreinigung vor allem therapeutische Bedeutung zu. Hier wird sie schon seit Jahrhunderten – unabhängig von einem medizinischen Eingriff – als wichtige Maßnahme zur Entgiftung sowie Gesunderhaltung des Darms empfohlen. Ähnlich wie bei einem Rohrputz soll eine Darmreinigung dazu beitragen den Darm von angesammelten schädlichen Ablagerungen, zähen Kotresten sowie Giftstoffen zu befreien. Damit soll die Darmfunktion entscheidend verbessert, die Immunkraft des Körpers gestärkt werden und chronischen Krankheiten der Nährboden entzogen werden.

Da der therapeutische Nutzen einer Darmreinigung bislang aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist, gilt sie aus Sicht der Schulmedizin als umstritten. Trotzdem schwören viele auf die gesundheitsfördernde Wirkung der Darmreinigung. 

Gründe für eine Darmreinigung zur Entgiftung

Eine Darmreinigung kann sich positiv auf den Verlauf vieler chronisch verlaufender Krankheiten auswirken. Dazu zählen unter anderem

  • Rheuma und Gelenkbeschwerden
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Pilzinfektionen
  • Chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Anhaltende Verdauungsbeschwerden
  • Infektionen der Atemwege
  • Allergien
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Schlafstörungen

Eine Darmreinigung wird darüber hinaus vor dem Start jeder Fastenkur empfohlen sowie zur Darmsanierung nach einer Antibiotikatherapie. Außerdem gilt sie im Zusammenhang mit einer Ernährungsumstellung als hilfreich, um bestehendes Übergewicht zu reduzieren.  

Hausmittel zur Darmreinigung

  • Flohsamenschalen

Als natürliches Abführmittel für eine Darmreinigung haben sich indische Flohsamenschalen besonders gut bewährt. Es handelt sich dabei um die Samen einer Spitzwegerichart, die so klein sind, dass sie optisch an Flöhe erinnern. Vor allem die Schalen der Flohsamen haben einen besonders hohen Ballaststoffanteil. Zusammen mit Wasser eingenommen, quellen diese im Darm stark auf. Dadurch werden Schlacken und Ablagerungen im Darm gelockert und die Darmtätigkeit stark angeregt, so dass es zur Entleerung kommt.

  • Mineralerde

Um die freiwerdenden Schlacken und Giftstoffe für einen effektiveren Abtransport zu binden, wird, neben den Flohsamenschalen, eine zusätzliche Einnahme von natürlicher Mineralerde, wie Bentonit oder Zeolith, empfohlen. Im Handel sind dazu inzwischen auch bereits fertig gemischte Kombinationspräparate erhältlich, die zerkleinerte Flohsamenschalen plus Mineralerde enthalten. Unterstützend können außerdem noch bestimmte Kräutermischungen eingesetzt werden, die den Reinigungs- und Entgiftungsprozess des Darms noch zusätzlich unterstützen sollen. 

Darmreinigung: Darauf sollten Sie achten!

In der Naturheilkunde wird eine Darmreinigung ein- bis zweimal jährlich empfohlen. Sie kann je nach Bedarf wenige Tage bis mehrere Wochen durchgeführt werden. Je länger die Darmreinigung andauert, umso intensiver ist die Wirkung. Bevor man eine Darmreinigung beginnt und sich für Dauer und Intensität entscheidet, sollte immer erst ein Arzt konsultiert werden, um abzuklären, ob aus gesundheitlichen Gründen etwas dagegen spricht. Das gilt vor allem, wenn bereits Vorerkrankungen bestehen, wie chronische Darmentzündungen oder auch Hämorrhoiden.

Oft macht es Sinn eine Darmreinigung mit einer Darmsanierung zu kombinieren. Dazu werden im zeitlichen Abstand zu den abführenden Mitteln auch Probiotika, also gesundheitsfördernde Bakterienstämme in Form von Tabletten, Kapseln oder trinkfertiger Lösung eingenommen. Sie helfen eine gesunde Darmflora aufzubauen.

  • Zum Downloadbereich

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Außerdem sollte während der Darmreinigungskur auf eine möglichst gesunde und basenreiche Kost geachtet werden. Das heißt, dass möglichst keine industriell gefertigten Lebensmittel und Getränke, kein Fast Food, keine Weißmehlprodukte, keine Industriezucker und auch möglichst wenig Milch und Milchprodukte sowie Fleisch verzehrt werden sollten. Genussgifte, wie Nikotin und Alkohol, sollten während der Darmreinigungskur ebenfalls tabu sein.

Anleitung zur Darmreinigung

Je nachdem für welche Intensität der Darmreinigung Sie sich entscheideen, sollten Sie pro Tag zwei bis höchstens vier Abführshakes trinken. Für die Zubereitung rühren Sie jeweils einen Teelöffel Flohsamenschalen sowie einen Teelöffel Mineralerde zusammen mit 400 Milliliter Wasser an. Den frisch angerührten Drink sollten Sie möglichst sofort auf nüchternen Magen vor dem Frühstück beziehungsweise ein bis zwei Stunden nach der entsprechenden Mahlzeit trinken. Empfindliche Personen können zunächst auch mit einem halben Teelöffel Flohsamenschalen und Mineralerde starten, um sich an die Wirkung des Abführmittels zu gewöhnen. Kurz vor oder zum Essen wird dann jeweils das Probiotikum eingenommen.

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Wichtig: Bei der Einnahme von Flohsamenschalen müssen Sie unbedingt darauf achten, über den Tag verteilt mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu trinken. Ansonsten kann, statt der gewünschten abführenden Wirkung, genau das Gegenteil, nämlich eine Verstopfung, eintreten.

Darmspülung und Colon-Hydra-Therapie zur Darmreinigung

Eine Darmreinigung kann auch mithilfe einer Darmspülung erfolgen. Dazu wird über einen Schlauch oder ein Klistier warmes, oft auch mit Zusätzen versehenes, Wasser rektal in den Darm geleitet. Ältere Kotreste und schädliche Mikroorganismen sollen dabei zumindest teilweise von den Darmwänden gelöst und anschließend auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden werden.

Die Durchführung einer Darmspülung ist nicht ganz einfach. Es ist deshalb ratsam das Vorhaben vorher mit einem Arzt zu besprechen und sich entsprechend beraten zu lassen. Auch ist darauf zu achten, sehr behutsam vorzugehen, da es sonst zu Verletzungen und Blutungen im Analbereich kommen kann. Das gilt vor allem für Personen, die unter Hämorrhoiden oder anderen Darmerkrankungen leiden.

Viele Heilpraktiker und Alternativmediziner bieten mit der sogenannten Colon-Hydra-Therapie auch eine professionelle Form der Darmspülung an, die in der Praxis durchgeführt wird. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten hierfür nicht. Denn laut IGeL-Monitor können die wenigen Studien, die über diese Form der Darmreinigung bestehen, keine ausreichenden Hinweise auf den Nutzen dieses Verfahrens liefern. Dagegen sind Schilderungen über Risiken dokumentiert, wonach es zu Blutungen und sogar Durchstoßungen des Darms sowie zu Infektionen durch unsaubere Geräte und Störungen des Elektrolythaushaltes kommen kann. Vor allem bei Personen, die bereits Erkrankungen am Darm hatten, sollten hier eher vorsichtig sein.

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