Analprolaps

Kategorie: Haemorriden.net » Expertenrat Hämorrhoiden | Expertenfrage

09.10.2017 | 18:16 Uhr

Guten Tag Frau Dr.,

ich habe Ihnen schon öfters geschrieben. Ich fasse kurz zusammen:

Ventrale Rektopexie (anteriore Rektopexie nach d'Hoore (Meshnetz) im November 2016).

Diagnose: äußerer Rektumprolaps, Rektozele, Darmentleerungsstörung, Inkontinenz Grad II.

Darm wurde bei der OP m.E. nicht ganz hochgezogen.

Beschwerden: Propfgefühl beim Stuhlgang bestehendbleibend (muss warten, bis sich der After öffnet), auch nach OP. Proktologe äußert Verdacht: innerer Rektumprolaps/äußerer Rektumprolaps. Darm rutscht beim Pressen während des Stuhlgangs aus dem After. 

Sichtbar für den Arzt ist (wenn ich presse) ein Analprolaps, evtl. verbirgt sich dahinter zusätzlich ein Rektumprolaps, wovon wir ausgehen. Konnte ärztlich noch nicht endgültig abgeklärt werden, es soll erneut eine Defäkographie gemacht werden, aber über die alte Methode im Sitzen. Im Liegen (MRT) ist ein Rektumprolaps manchmal nicht sichtbar.

Nach der OP besteht weiterhin eine Stuhlinkontinenz Grad II, ich kann breiigen und flüssigen Stuhl nicht halten, manchmal auch keinen festen Stuhl. Ich leide seit der OP auch viel mehr unter Verstopfung trotz gesunder ballaststoffhaltiger Ernährung, viel trinken usw.

Massiges Druckgefühl, Fremdkörpergefühl am After, zeitweise Schmerzen/Spannungsdruck bis hoch zum Kreuzbein, Sitzen ist manchmal unangenehm. Periode verstärkt die Beschwerden.

Hämorrhoiden laut Arzt nur 1. und 2. Grades. Aber bedeutet ein Analprolaps nicht auch gleichzeitig Hämorrhoiden Grad 3 und 4??? Nur während meiner Periode bemerke ich auch öfters Blutungen aus dem After (definitiv aus dem After, nicht aus der Scheide).

Das einzige, was sich seit der OP verbessert hat, ist die Stuhlentleerung in vielen Portionen bzw. das Gefühl der unvollständigen Entleerung. Die Rektozele scheint beseitigt zu sein. Ich mußte mir vor der OP auf den Unterbauch drücken, damit ich Stuhl lassen konnte in kleinen Portionen. 

Seit der OP muß ich allerdings oft die Bauchpresse zur Hilfe nehmen, damit ich den Stuhl vorschieben kann, ich könnte sonst nicht entleeren. Oder habe manchmal ein lang anhaltendes Druckgefühl/eine Spannung im Kreuzbeinbereich, weil dort oftmals noch Kot vorhanden ist bzw. lagert, manchmal auch nicht.

Der Proktologe (Oberarzt in einem Koloproktologischen Zentrum) kann mir nicht wirklich zu einer für mich sehr guten Lösung mittels einer OP raten, da jede Methode andere Risiken birgt bzw. andere Probleme nach der OP mit sich bringt, insbesondere die Gefahr einer Verschlimmerung meiner Inkontinenz. Rehn-Delorme, Starr OP (würde sowohl Hämorrhoiden, Analprolaps und inneren/äußeren Rektumprolaps beseitigen, aber wohl die Inkontinenz verschlimmern).

Zu was würden Sie mir raten? Ich weiß, ich darf nicht pressen auf der Toilette beim Stuhlgang, aber dies verhindert meist nicht das Vorfallen betr. Anal- und wohl auch Rektumprolaps, komischerweise überwiegend bei weicherem Kot. Ich muß manchmal nach dem Stuhlgang beim Abwischen ein weiches Stück (was immer es genau ist) in den After zurückschieben.

Was passiert, wenn ich den Analprolaps nicht behandele (Risiken)?

Er hat eine Verödung gemacht gegen den Analprolaps, die m.E. aber keinen Erfolg brachte. Wurde vor ca. 3 Wochen gemacht. Ich habe oft ein Druckgefühl auf der linken Seite des Afters, die sich nach der Verödung etwas größer anfühlt, die aber auch die Stuhlentleerung jetzt mehr erschwert. Was dies genau ist, weiß ich nicht. Bringt eine Verödung hier noch Erfolg? Oder Ligatur? Ist das zu empfehlen bei mir?

Sollte ich mich einer Starr-OP unterziehen? Der Arzt meinte, dann sähe kosmetisch alles super aus, aber meine Inkontinenz könnte schlimmer werden. Ich persönlch war immer kritisch gegen der Starr-OP, daher entschied ich mich ja auch für die ventrale Rektopexie. Mein damaliger Operateur sagte, er würde die Mesh-OP bei einem Rezidiv wiederholen (Netz entfernen und ein Neues legen). Ich denke, das birgt auch einige Gefahren, oder? Ich würde ihn fragen wollen, ob damit auch gleichzeitig der Analprolaps behandelt werden kann (würde ja alles hochgezogen erneut).

Evtl. käme auch eine Hämorrhoiden-OP infrage meinte der Arzt, die aber sehr schmerzhaft wäre (wollte ich bei meinem Reizdarm auch immer vermeiden, seit 20 Jahren lasse ich schon Verödungen und Ligaturen machen bei Hämorrhoiden Grad 2, damit sie sich nicht verschlechtern). 

Ich bin jetzt total unsicher, was ich machen sollte, um meine Beschwerden zu lindern.

Ich denke, auch die Konsultation wieder eines neues Arztes wird keine neuen Erkenntnisse für mich bringen (Lösungen). 

Was würden Sie mir in meinem Fall raten???

Ich bin weiblich, 52 Jahre jung.

Danke und LG

 

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Bisherige Antworten
Expertin Schönenberg-Hackenberg
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10.10.2017, 09:39 Uhr
Antwort von Expertin Schönenberg-Hackenberg

Der Verlauf ist wirklich kompliziert, bleiben Sie deshalb auch besser in EINER Behandlung, damit der gesamte Krankheitsverlauf vom einem Kollegen zu überblicken ist.  Von einer erneuten Operation würde ich abraten, geben Sie dem Ganzen noch mehr Zeit .

Auch von neuen Veröungen würde ich abraten, führen nur zu neuen Reizungen des Gewebes.

Sorgen Sie immer für voluminösen Stuhl, am besten mit Hilfe von Macrogol zu ballaststoffreichen Kost. Erst im Laufe der nächsten Jahre kann man dann überlegen, ob eine STARR Operation zusätzlich sinnvoll erscheint.

Alles Gute!

Dr. E. S.

 

 

 

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10.10.2017, 10:02 Uhr
Antwort

Danke Fr. Dr. für Ihre rasche Antwort.

Habe nochmal nachgeschaut, die Verödung ist jetzt 15 Tage her und ich stelle jetzt fest, daß mein After sehr gereizt ist, Schwellung/Druck/Spannung und leichte Schmerzen bis zum Kreuzbein.Hitzegefühl und Brennen, so daß ich diese Nacht nicht gut schlafen konnte. Ich werde definitiv keine weiteren Verödungen vornehmen lassen. Ich habe bei der Verödung (Spritze) ganz leicht gemerkt, daß er da was gemacht hat. Schmerz würde ich es nicht nennen, aber ein kurzes Unwohlsein. Er ist nachhinein habe ich erfahren, daß er eine Verödung gemacht hat.

Ist dieser Reizzustand,Wundschmerz, Brennen bis zum Kreuzbein noch normal - 15 Tage - nach einer Verödung? Am Verödungstag selber hatte ich Blut im Slip und hin und wieder Schwellungsgefühle, mehr Verstopfung bzw. erschwerte Entleerung (linke Seite wie zugeschwollen bis heute). Kann zeitweise nicht gut sitzen (so, als würde ich auf einer Orange sitzen).

Movicol habe ich sehr lange genommen, hat mir aber irgendwann nichts mehr gebracht und ich vertrag es auch nicht so gut (Stuhldrang, Blähungen, Übelkeit). Durch die Stuhlinkontinenz darf der Stuhl nicht ganz so weich sein. Außerdem muß man sich Movicol selbst kaufen, was mir finanziell nicht möglich ist. Ich nehme seit einiger Zeit jetzt Leinöl, was etwas Entlastung bringt.

Ok, ist also so ein Analprolaps nicht zwangsläufig sofort zu behandeln bzw. gefährlich? Ich las mal, das sich da was einklemmen könnte.

Danke nochmals, ich werde Ihnen meinen weiteren Verlauf gerne berichten.

LG

Expertin Schönenberg-Hackenberg
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11.10.2017, 08:32 Uhr
Antwort von Expertin Schönenberg-Hackenberg

Haben Sie weiterhin Geduld, bei jeder Verödung ist ein nachfolgender Reizzustand nicht ungewöhnlich.  Die Idee mit dem Leinöl finde ich super, guter Tipp!!

Alles Gute!

Dr. E. S.

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