Home » Andere Erkrankungen » Analfissur
Pressen beim Stuhlgang als Auslöser

Analfissur: Was tun bei schmerzhaftem Riss?

Eine Analfissur ist ein Riss in der empfindlichen Analkanalhaut, der sich entzündet hat. Sie wird durch starkes Pressen beim Stuhlgang begünstigt. Symptome wie brennende, krampfartige Schmerzen sind die Folge. Welches Hausmittel und welche Salbe hilft bei einer Analfissur?

Mann sitzt auf der Toilette
Starkes Pressen wegen Verstopfung auf der Toilette kann eine Analfissur begünstigen.
© Getty Images/Virojt Changyencham

Viele Menschen pressen beim Toilettengang oft minutenlang – mancher kehrt erst nach 20 Minuten aus dem Badezimmer zurück. Experten warnen vor dieser Gewohnheit, denn es kann nicht nur zu vergrößerten Hämorrhoiden führen, sondern löst manchmal auch eine extrem schmerzhafte Analfissur aus.

Artikelinhalte im Überblick:

Die häufigsten Analerkrankungen

Was ist eine Analfissur?

Bei einer Analfissur handelt es sich um einen Riss in der Analkanalhaut (Anoderm), der sich entzündet hat. Der Riss entsteht am Übergang vom Anoderm zum Mastdarm – dort, wo die Drüsenausführungsgänge (Krypten) sitzen. Diese Analkrypten hatten vor Jahrtausenden die Aufgabe, Duftmarken zu produzieren. Heute sind sie funktionslos. Rund zehn Prozent aller Patienten mit Enddarm-Beschwerden leiden unter einer Analfissur.

Analfissur durch vergrößerte Hämorrhoiden

Hämorrhoiden begünstigen eine Analfissur, denn bei diesem Leiden ist der Zustrom und die Abfuhr von Blut gestört. Das Gewebe ist somit oft nur unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was die Heilung eines Risses im Anoderm erschwert. Bei gutem Ernährungszustand des Gewebes ist die Gefahr geringer, dass sich ein Riss in der Analkanalhaut entzündet. "Bei Kindern etwa heilt ein Riss in drei Tagen ab, es kommt bei ihnen fast nie zu einer Analfissur", sagt Dr. Bernhard H. Lenhard, Sprecher des Bundesverbandes der Koloproktologen Deutschlands.

Schmerzen sind deutlichstes Symptom der Analfissur

Charakteristisch für eine Analfissur ist ein brennender, krampfartig stechender Schmerz, der mit dem Stuhlgang einsetzt und Stunden anhalten kann. Der Grund für die starken Beschwerden: Der Riss geht so tief, dass der innere Schließmuskel (Sphinkter) zu sehen ist – und das bei einer hochsensiblen Analkanalhaut.

Die starken Schmerzen führen dazu, dass der Schließmuskel verkrampft (Sphinkterspasmus). Ein verkrampfter Schließmuskel aber macht noch stärkeres Pressen nötig, wodurch sich der Riss bis zum Afterausgang ausdehnen und die Entzündung verstärken kann. Außerdem verschlechtert sich durch den Sphinkterkrampf die Mikrozirkulation des entzündeten Gewebes.

Außerdem zeigt sich eine Analfissur oft durch hellrotes Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier. Weitere Symptome der Analfissur können Juckreiz am After oder Nässen sein.

Salben, Zäpfchen, OP: So werden Sie Hämorrhoiden los

Lifeline/Wochit

Diagnose am besten durch Proktologen

Wenn Beschwerden wie Schmerzen, Afterjucken oder Blut im Stuhl auftreten, sollten Betroffene frühzeitig ihren Hausarzt oder einen Facharzt aufsuchen. Denn neben einer Analfissur können auch andere Analerkrankungen für die Symptome verantwortlich sein.

Nach der Anamnese untersucht der Arzt den äußeren Analbereich. Je nach Ausprägung der Analfissur kann er sie bereits durch die äußere Inspektion diagnostizieren. Ist hier nichts zu sehen, wird der Arzt den Analkanal untersuchen. Diese erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung, um die Untersuchung so angenehm und wenig schmerzhaft wie möglich zu gestalten.

Behandlung: Was tun bei einer Analfissur?

Die Analfissur kann nur heilen, wenn sich der Schließmuskel wieder entspannt. Dies ist durch Dehnung möglich. Diese kann der Patient mittels Analdehner selbst in die Hand nehmen. Benutzt er das konisch geformte Kunststoffstäbchen ein paar Wochen täglich zwei- bis dreimal, entspannt sich die Schließmuskulatur. Bei extrem starken Schmerzen kann der Arzt die ersten ein, zwei Dehnungen unter Lokalanästhesie vornehmen.

Analfissur: Welche Salbe helfen kann

Um die Heilung zu unterstützen, können bei einer Analfissur auch Salben lokal angewendet werden. Der Wirkstoff Lidocain lindert Schmerzen, weitere Wirkstoffe, die infrage kommen sind Nitroglycerin oder Kalziumantagonisten. In der Regel werden die Salben dünn zwei- bis dreimal täglich auf die betroffene Hautstelle aufgetragen. Bei tiefen Analfissuren kann die Salbe mittels Applikator auch rektal angewendet werden. Zur Dauer der Anwendung sollten Betroffene ihren Arzt oder einen Apotheker fragen.

Analfissur mit Hausmittel behandeln?

Zusätzlich empfehlen sich warme Sitzbäder mit Kamille: Sie wirken gegen die Entzündung und fördern die Mikrozirkulation. Auch ein weicher Stuhl ist wichtig: Dazu sollten Betroffene ausreichend trinken und auf eine Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Quellmitteln wie Flohsamenschalen umstellen. Damit werden Verstopfungen und starkes Pressen beim Stuhlgang verhindert.

OP bei Analfissur: "Sphinkterektomie fast ein Behandlungsfehler"

In schweren Fällen wird die Analfissur chronisch, es bilden sich Narben auf der empfindlichen Afterhaut. Dann muss der Narbenbereich chirurgisch entfernt werden (Fissurektomie). Von einer Durchtrennung des inneren Schließmuskels (Sphinkterektomie), die einige Medizin-Seiten im Internet noch immer propagieren, raten Experten dringend ab: Es hat sich gezeigt, dass manche Patienten plötzlich Jahre nach der Operation unter Stuhlinkontinenz leiden können. "Eine Sphinkterektomie gilt deshalb nach derzeitigem Erfahrungsstand fast als Behandlungsfehler", sagt der Proktologe Dr. Lenhard.

Die richtige Ernährung bei Hämorrhoiden