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Fast immer ist OP nötig

Analfisteln sind unangenehm – in mehr als einer Hinsicht

Eine Analfistel ist für Betroffene sehr unangenehm. Wie entsteht die Analfistel? Und warum sind Männer häufiger betroffen? Muss immer eine OP sein oder gibt es noch andere Möglichkeiten zur Behandlung? Antworten auf diese und weitere Fragen zur Analfistel.

Analfisteln
Schmerzen, Juckreiz und spürbare Verhärtungen sind typische Beschwerden bei einer Analfistel.
© iStock.com/dragana991

Über Schmerzen im Analbereich sprechen die wenigsten Menschen. Deshalb entstehen aus Entzündungen rund um den After oft ein schmerzhafter Analabszess bis hin zur nicht ungefährlichen Analfistel. Wird eine Fistel nicht behandelt, droht irgendwann die Zerstörung des Schließmuskels mit der sehr unangenehmen Konsequenz Stuhlinkontinenz. Soweit muss es jedoch nicht kommen, denn eine Analfistel ist gut behandelbar und heilt meist ohne Folgen ab.

Artikelinhalte im Überblick:

Die häufigsten Analerkrankungen

Was ist eine Analfistel und wie entsteht sie?

Eine Analfistel entsteht fast immer aus einer Entzündung der sogenannten Proktodealdrüsen. Diese Duftdrüsen erfüllen heute im Enddarm keine Funktion mehr, sie sind vielmehr ein Überbleibsel der Evolution. Früher dienten sie unseren Vorfahren dazu, ihr Revier zu markieren. Das war Aufgabe der Männer, insofern haben sie mehr Proktodealdrüsen als Frauen und leiden entsprechend öfter unter Entzündungen in diesem Bereich.

Entzünden sich die Proktodealdrüsen, kommt es meist zuerst zu einem Analabszess. Dabei bildet sich eine Eiterhöhle, die sich vom restlichen Gewebe abkapselt. Der Abszess steht jedoch nicht still, sondern hat die Tendenz, sich einen Ausgang zu bahnen. So arbeitet sich die Entzündung Stück für Stück durchs Gewebe und bildet am Ende einen Verbindungsgang zur Außenwelt, durch den der Eiter abfließen kann. Diesen Kanal bezeichnet man als Analfistel.

Analfistel oder Analabszess – wo liegt der Unterschied?

Ein Analabszess und eine Analfistel entstehen grundsätzlich auf die gleiche Weise, wobei der Abszess das akut entzündliche Krankheitsbild darstellt, die Analfistel hingegen die chronifizierte Form. Ein Analabszess geht meist mit einer akuten Schwellung und Rötung im Bereich des Anus einher. Die Entzündung führt zu sehr starken Schmerzen, insbesondere beim Stuhlgang und beim Sitzen. Begleitend können Fieber, Abgeschlagenheit und andere Entzündungszeichen auftreten.

Symptome der Analfistel: So erkennt man die Anzeichen

Analfisteln können mit Schmerzen einhergehen, wobei diese meist nicht so stark sind wie in der akut entzündlichen Phase. Denn die Entzündung hat sich einen Weg gebahnt, wodurch die Spannung auf dem empfindlichen Analgewebe nachlässt. Manchmal kommt es zu einem spürbaren Austreten von Sekret durch die Fistelöffnung. Die Analfistel nässt, sondert Eiter ab oder sogar kleine Mengen von Stuhl. Von außen erscheint sie als kleines Löchlein oder vergrößerte Pore, die sich nach innen ziehen. Meist sitzt eine Analfistel direkt am oder zumindest in Nähe des Darmausganges. Analfisteln können aber auch leicht übersehen werden, weil sie nicht immer Beschwerden verursachen.

Hauptsymptome der Analfistel sind:

  • Schmerzen in der Analregion
  • Nässende Stelle, die Sekret absondert
  • Juckreiz aufgrund des austretenden Sekrets
  • Spürbare Verhärtung im Analbereich

Ursachen und Auslöser von Analfistel

Die häufigste Form ist die kryptoglanduläre Analfistel, die sich aus einer Entzündung der Proktodealdrüsen entwickelt, ausgelöst durch eindringende Darmkeime. Diese Drüsen liegen in den Krypten, das sind kleine Hauttaschen oberhalb des Analschließmuskels.

Außerdem können Analfisteln im Rahmen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entstehen. Durch die permanente Entzündung entstehen kleine Geschwüre, die sich irgendwann durch die Darmschleimhaut hindurchfressen und in der Folge zu Fisteln führen können. Selten tritt eine Analfistel als Begleiterscheinung von Krankheiten wie Tuberkulose, HIV, Leukämie, Darmkrebs oder nach Operationen auf.

Abzugrenzen von der Analfistel ist die Acne inversa, eine Entzündung der Schweißdrüsen im Bereich des Afters, die oft bei Jugendlichen auftritt. Außerdem die Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis). Dabei bohren sich Haare in die Haut der Gesäßfalte und verursachen einen eitrigen Hautabszess. Beide Formen können ähnliche Symptome wie eine Analfistel verursachen, verlaufen jedoch in der Haut und haben keine Verbindung zum Darm.

Lage und Form der Analfistel – Einteilung nach Parks

Je nachdem, welchen Weg sich eine Analfistel nach außen bahnt und wo ihr Ursprung liegt, werden verschiedene Formen unterschieden. Allgemein gebräuchlich in der Medizin ist heute die „Einteilung nach Parks“, die auf den britischen Chirurgen Alan Parks zurückgeht:

  • Typ I: Intersphinktäre Fistel (sehr häufig): Die Analfistel bahnt sich ihren Weg zwischen dem inneren und äußeren Schließmuskel und mündet direkt am After.

  • Typ II: Transsphinktäre Fistel (häufig): Die Analfistel durchbohrt beide Schließmuskel und tritt seitlich neben dem After aus.

  • Typ III: Suprasphinktäre Fistel (selten): Die Analfistel bahnt sich ihren Weg zwischen dem äußeren Schließmuskel und dem Hebemuskel das Anus, der zur Beckenbodenmuskulatur gehört, und tritt neben dem After aus.

  • Typ IV: Extrasphinktäre Fistel (sehr selten): Der Fistelgang beginnt bereits oberhalb des Enddarms und mündet seitlich neben dem After.

  • Typ V: Subanodermale oder subkutane Fistel (selten): Der Gang verläuft am Rektum innerhalb der Schließmuskulatur und mündet direkt neben dem Analausgang entlang.

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Analfistel: Die Diagnose stellt der Arzt

Für die Behandlung von Krankheiten im Analbereich ist ein Proktologe zuständig. Bei Verdacht auf einen Analabszess oder eine Analfistel hilft auch erst einmal der Hausarzt weiter, der einen gegebenenfalls zum Spezialisten überweist. Der Arzt führt zunächst eine Anamnese durch und untersucht anschließend die Analregion auf eine Abszess oder eine Analfistel. Dazu gehört eine digital-rektale Untersuchung, also das vorsichtige Abtasten des Anus mit dem Finger. Eventuell ist eine Fistelsondierung nötig.

Bei komplizierten Fisteln werden auch bildgebende Verfahren wie eine endoskopische Untersuchung des Rektums (Proktoskopie oder Rektoskopie), ein Ultraschall (Endosonographie), MRT oder CT zur weiteren Diagnose herangezogen. Diese Untersuchungen werden in der Regel unter Narkose durchgeführt, da die Region extrem schmerzempfindlich ist.

Analfisteln behandeln: Fast immer ist OP nötig

Eine Analfistel heilt im Normalfall nicht von alleine und muss operativ entfernt werden. Studien haben gezeigt, dass konservative Methoden wie Silbernitrat-Spülungen nicht sehr erfolgsversprechend und außerdem langwierig sind. Nachdem die Komplikationen mit dem Fortschreiten der Fistel zunehmen, sollte man möglichst keine Zeit verlieren.

Zur operativen Behandlung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Sie werden je nach Lage und Tiefe der Analfistel angewandt. Dabei steht immer im Vordergrund, die Schließmuskeln möglichst wenig zu schädigen, um eine spätere Stuhlinkontinenz zu verhindern. Eine Spaltung der Fistel sollte nur bei oberflächlichen Analfisteln durchgeführt werden (Typ I und Typ IV), denn je mehr Muskelgewebe durchtrennt werden muss, desto größer die Gefahr der späteren Inkontinenz. Bei den anderen Typen werden den Schließmuskel schonende Methoden bevorzugt. Häufig ist dabei jedoch meist eine zweite Operation nötig.

Die häufigsten OP-Methoden bei Analfistel:

  • Fistelspaltung: Dabei wird das Gewebe zwischen Fistelgang und Analgang durchtrennt.

  • Fadendrainage: Ein Faden wird durch die Analfistel durchgeführt, damit das Sekret abfließen und die Fistel abheilen kann.

  • Fadendrainage und Fistelspaltung werden häufig kombiniert.

  • Plastischer Verschluss: Dabei wird der innere Zugang zur Fistel mit einem Hautläppchen verschlossen, einer sogenannten Lappenplastik oder Flap.

  • Plastische Rekonstruktion mit Sphinkternaht: Manchmal muss die Analfistel komplett entfernt und der Schließmuskel genäht werden. Je nach Tiefe der Fistel sind die Heilungschancen gut und die Kontinenz kann meist erhalten werden.

  • Plug-Technik: Dabei wird ein Stöpsel (Plug) durch den Fistelkanal gezogen und die Analfistel mit Biomaterialien wie Fibrin oder Kollagen verschlossen. Der Schließmuskel wird dabei praktisch nicht beeinträchtigt, allerdings sind die Heilungschancen meist nicht so gut.

Unterstützende Maßnahmen zur Heilung

Nach der Analfistel-OP ist eine gründliche Pflege der Wunde am After wichtig. Das sorgt für eine schnelle Heilung und verhindert eine erneute Entzündung. Es wird empfohlen, die Analregion nach dem Stuhlgang mit warmem Leitungswasser abzuduschen. Ideal ist dafür ein Bidet, ansonsten geht es in der Duschwanne. Spezielle Wundlösungen sind nicht nötig.

Unterstützen kann man die Heilung mit Sitzbädern aus Kamillenextrakt. Außerdem sollte man in den ersten Wochen nach der Operation auf einen möglichst weichen Stuhl achten. Für eine gute Verdauung sorgt ballaststoffreiche Kost und ausreichend Flüssigkeit.

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Prognose: Einmal Analfistel immer Analfistel?

Die meisten Analfisteln heilen innerhalb von ein paar Wochen völlig komplikationslos aus. Nur selten kommt es zu Wundheilungsstörungen. Eine spätere Beeinträchtigung der Kontinenz ist bei oberflächlichen Fisteln sehr selten, kann bei tieferen aber vorkommen. Im Normalfall bestehen aber nach dem Abheilen keine Beschwerden mehr. Auch die Gefahr, erneut an einer Analfistel zu erkranken, ist nicht höher als bei anderen Personen. Eine Ausnahme gibt es: Menschen, die unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn leiden, haben eine höhere Rückfallrate.

Vorbeugen kann man Analfisteln nicht. Wer aber auf eine geregelte Verdauung mit regelmäßigem und nicht zu hartem Stuhlgang achtet, sorgt damit ein Stück weit gegen verschiedenste Erkrankungen und Entzündungen im Bereich des Enddarmes und Afters vor.