Meist harmlos, aber schmerzhaft

Analthrombose – Behandlung mit Salbe, selten OP

Plötzlicher Schmerz am After und massives Druckgefühl: Dabei denkt jeder an eine Hämorrhoide. Doch in Wirklichkeit kann es sich um eine Analthrombose (auch Perianal- oder Analvenenthrombose genannt) handeln. Woher der schmerzhafte Knoten am Po kommt und welche Behandlung bei Analthrombose die richtige ist.

Halbnackter Mann von hinten
Analthrombosen entstehen oft innerhalb kürzester Zeit und können extrem schmerzhaft sein.
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Hämorrhoiden gehören zu den häufigsten Veränderungen im After. Doch nicht jede Aussackung oder tastbare Verdickung in diesem Bereich ist auf Hämorrhoiden zurückzuführen. Oftmals handelt es sich um eine Analvenenthrombose, die auch als Anal- oder Perianalthrombose bezeichnet wird, und durch einen Blutstau entsteht. Oft ist Druck auf den Beckenboden, etwa beim Heben, Pressen auf der Toilette oder während der Schwangerschaft, schuld. Auch ein hoher Tonus des Schließmuskels (Sphinkter) hervorgerufen beispielsweise durch Stress kann eine Analthrombose auslösen. "Es kommt aber auch vor, dass sich gar kein offensichtlicher Grund finden lässt", sagt Alexander Herold vom Enddarmzentrum Mannheim.

Symptome der Analthrombose

Experten schätzen, dass rund fünf Prozent der Patienten, die eine proktologische Praxis besuchen, wegen einer Analvenenthrombose kommen. Sie äußert sich durch folgende Anzeichen:

  • plötzlicher Schmerz am After

  • starkes Druck- und Fremdkörpergefühl, je nach Größe der Analthrombose

  • Tastbar ist ein prall-elastischer Knoten am Afterrand.

  • Manchmal sind es auch mehrere, unterschiedlich kleine und große Knoten.

  • Mit dem Spiegel können Sie einen blauroten Knoten erkennen.

Analthrombose oft mit Hämorrhoiden verwechselt

"Hämorrhoiden treten nur innerhalb des Anus auf – sind sie trotzdem außen zu sehen, so handelt es sich um nach außen gefallene innere Hämorrhoiden", sagt Herold.

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Im Gegensatz zu Hämorrhoiden, die leicht bluten, kommt es bei der Analthrombose nur zu Blutungen, wenn diese platzen. Darauf weisen Blutspuren beim Stuhlgang oder in der Wäsche hin. Blut aus dem Darm sollte immer von einem Arzt abgeklärt werden. Bereits mit einer Sichtuntersuchung kann er erkennen, ob es sich um eine Hämorrhoide, Analthrombose, Analfissur oder Mariske handelt. Falls nötig wird er eine weitergehende Untersuchung anordnen, etwa eine Darmspiegelung, um Darmkrebs als Ursache für die Blutung auszuschließen.

Analhrombose kann in wenigen Stunden entstehen

Eine Analvenenthrombose ist ein Blutgerinnsel, das eine oberflächliche Vene am Anusrand oder im Anus verstopft. Dieser Knoten kann linsen- bis pflaumengroß werden. Die extrem schmerzhafte Schwellung bildet sich oft innerhalb von wenigen Stunden. Auslöser sind folgende:

  • starker Druck im Unterbauch, etwa bei Schwangerschaft, Geburt, aber auch beim Husten, manchen Sportarten und Pressen beim Toilettengang

  • Sitzen auf kalter Unterlage

  • langes, angespanntes Sitzen

  • feuchtwarmes Wetter

  • hoher Konsum von Alkohol, Kaffee oder Gewürzen wie Chili

  • Analsex

  • Durchfall

  • Verstopfung

  • Stress

Bei Frauen ist das Risiko für eine Analthrombose übrigens nicht nur in der Schwangerschaft größer, sondern auch während der Monatsblutung. Generell sind jedoch Männer etwas häufiger betroffen.

Außerdem erhöhen vermutlich vergrößerte Hämorrhoidalpolster das Risiko für eine Analthrombose. Dadurch strömt das Blut im Afterbereich etwas langsamer, was Thrombosen begünstigt. Wer also Hämorrhoiden hat, bekommt eher eine Analvenenthrombose.

Kühlen als Soforthilfe bei Analvenenthrombose

Anders als beispielsweise eine tiefe Beinvenenthrombose ist die Analthrombose, die von oberflächlichen Blutgefäßen ausgeht, keineswegs lebensgefährlich, sondern eher harmlos – aber extrem schmerzhaft. Gegen Schmerzen und Schwellung eignet sich zur ersten Hilfe ein kleiner Kältepack als Vorlage am Anus sowie eine Fettcreme wie Vaseline oder Melkfett, damit die Haut elastisch bleibt.

Salbe oder OP? Behandlung der Analthrombose

Analvenenthrombosen verschwinden nach wenigen Tagen bis Wochen oft von selbst. Eine Operation wird in Betracht gezogen bei unerträglichen Schmerzen, wenn der Thrombus zu platzen droht oder bereits geplatzt ist und Infektionsgefahr besteht.

Dann führt der Proktologe oder Chirurg einen kleinen ambulanten Eingriff durch. Meist reicht örtliche Betäubung. Der Facharzt schneidet den Thrombus ein oder entfernt ihn gänzlich. Dadurch tritt meist sofort Erleichterung ein. Betroffene berichten, dass der nachfolgende Wundschmerz geringer sei als vorher der Schmerz durch die Analvenenthrombose. Viele Patienten können bereits am nächsten Tag wieder in die Arbeit gehen. Die Operation bei Analvenenthrombose ist aber die Ausnahme, meist reicht die konservativ-medikamentöse Behandlung völlig aus.

Welche Salbe hilft?

Eine Behandlungsoption ohne Operation bei Analvenenthrombose sind Salben, etwa bestimmte Hämorrhoidensalben mit Lidocain, einem lokal betäubendem Wirkstoff. Auch Salben mit Cortison sind sinnvoll, sollten jedoch nicht zu lange angewendet werden, um Hautschäden zu vermeiden. Bei starken Schmerzen empfiehlt Herold schmerz- und entzündungshemmende Salben mit dem Wirkstoff Diclofenac.

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Analthrombose verschwindet meist nach kurzer Zeit

Bei konservativer-medikamentöser Behandlung, also ohne Operation, ist die Analvenenthrombose meist nach zwei bis sieben Tagen verschwunden. Bis dahin sollten Sie folgende Dinge beachten:

  • Sorgen Sie für weichen Stuhlgang (nicht zu fest und nicht zu dünnflüssig). Dabei helfen beispielsweise ein bis zwei Esslöffel Flohsamenschalen, Leinsamen oder Weizenkleie mit 300 Milliliter Wasser. Auf Abführmittel sollten Sie verzichten, da diese auf Dauer die Darmtätigkeit schädigen.

  • Duschen Sie nach dem Stuhlgang den After ab und tupfen oder föhnen Sie den Bereich anschließend vorsichtig trocken. Reiben Sie sich nicht ab, das reizt den Knoten nur zusätzlich.

  • Vermeiden Sie schwere körperliche Belastung wie Pressen und Heben.

Nach OP heilt Wunde innerhalb von zwei Wochen ab

Ist die Analvenenthrombose ohne chirurgischen Eingriff abgeheilt, verbleiben oft sogenannte Marisken. Dabei handelt es sich um Hautläppchen, die sich bei der Gefäßaussackung durch den Thrombus gebildet haben. Marisken sind nicht gefährlich und müssen in der Regel nicht behandelt werden. Im Prinzip sind sie harmlose Hautveränderungen am After, die auch nach Schwangerschaften, Analfissuren, starkem Pressen und anderen Belastungen im Becken auftreten können.

Wurde die Analthrombose operativ behandelt, entstehen keine Marisken. Es dauert etwa ein bis zwei Wochen, bis die Analvenenthrombose abgeheilt ist. Um den Prozess zu unterstützen, halten Sie sich an die Empfehlungen Ihres Arzts.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Januar 2017
Durch: Silke Stadler

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