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Sexuell übertragbare Krankheit

Genitalherpes: Ansteckung, Symptome und Behandlung

Genitalherpes ist eine durch Herpesviren verursachte Infektionskrankheit, die meist über Sexualkontakt übertragen wird. Nur in seltenen Fällen führt eine Ansteckung zu Symptomen. Erfahren Sie, welche Beschwerden bei Frauen und Männern auftreten können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

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© Getty Images/Witthaya Prasongsin

Die Diagnose Genitalherpes kann nicht nur aus gesundheitlicher Sicht belastend sein. Über Geschlechtskrankheiten zu sprechen, ist für viele Menschen sehr unangenehm. Dabei ist es wichtig, den*die Partner*in über die Erkrankung zu informieren. Hier können Sie sich umfassend über Ansteckung, Symptome und Therapiemöglichkeiten bei Genitalherpes informieren.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Genitalherpes?

Bei Genitalherpes, auch Herpes genitalis, handelt es sich um eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren (HSV) ausgelöst wird. Da diese hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden, zählt der Genitalherpes zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen.

In Deutschland tragen schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Menschen den Genitalherpes-Erreger HSV-2 in sich. Bei etwa 90 Prozent der Infizierten machen sich jedoch keine Symptome bemerkbar. Bricht Genitalherpes hingegen aus, entsteht meist ein schmerzender, juckender Ausschlag im Genitalbereich, als Begleitsymptome sind Fieber und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl möglich.

Wer sich einmal mit Herpes-simplex-Viren angesteckt hat, trägt diese ein Leben lang in sich. In bestimmten Fällen (etwa bei Stress) kann es zu einer Reaktivierung und einem erneuten Ausbruch der Krankheit kommen.

Ursachen und Risikofaktoren von Herpes genitalis

Ursache von Genitalherpes ist eine Infektion mit Herpes-simplex-Viren. Hierbei werden zwei Arten unterschieden:

  • Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1)
  • Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2)

In den meisten Fällen ist Typ 2 für einen Genitalherpes verantwortlich. Aber auch Viren vom Typ 1, die vor allem als Auslöser von Lippenherpes bekannt sind, können Genitalherpes verursachen. Genauso ist Lippenherpes in seltenen Fällen auf eine Infektion mit Viren vom Typ 2 zurückzuführen.

Wie kann man sich mit Herpesviren anstecken?

Herpesviren werden meist bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr (auch anal) oder durch das gemeinsame Benutzen von Sexspielzeug übertragen. Ebenso ist eine Infektion beim Oralsex möglich, wenn jemand mit Lippenherpes den Genitalbereich einer anderen Person mit dem Mund berührt.

Wie hoch das Ansteckungsrisiko beim Sex ist, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Anzahl der Sexualpartner*innen oder dem Benutzen von Kondomen ab. Menschen mit akuten Genitalherpes-Beschwerden sind darüber hinaus besonders infektiös. Während symptomfreier Phasen ist das Risiko zwar deutlich geringer, es lässt sich aber nicht gänzlich ausschließen, dass Viren weitergegeben werden können. Je länger jemand das Virus in sich trägt, desto weniger ansteckend ist er meist. Häufiger findet zudem eine Übertragung vom Mann auf die Frau als umgekehrt statt.

Genitalherpes ohne sexuellen Kontakt zu bekommen, ist hingegen sehr unwahrscheinlich, da die Viren außerhalb der Haut nicht lange überleben. Eine Ansteckung auf der Toilette oder durch das gemeinsame Benutzen von Handtüchern oder Bettwäsche ist daher in der Regel nicht zu befürchten. Selten erfolgt jedoch eine Ansteckung während der Geburt – von Mutter auf Kind.

Wann kommt es zu einem Ausbruch der Erkrankung?

Eine Ansteckung mit HSV-1 oder HSV-2-Viren führt nach einer Inkubationszeit von vier bis sieben Tagen zu Beschwerden. Manchmal dauert es aber Wochen, Monate oder Jahre, bis sich erste Anzeichen zeigen. Darüber hinaus entwickeln die meisten Menschen keine oder nur unauffällige Symptome.

Die Erstinfektion führt mitunter zu starken Beschwerden. Aber selbst nach Abklingen des Genitalherpes verbleiben die Viren ein Leben lang im Körper. Sie ziehen sich in bestimmte Bereiche des Nervensystems, den Ganglien, zurück (latente Infektion) und verbleiben dort in inaktivem Zustand. Manchmal bleibt es bei dem einen Ausbruch, bei anderen Menschen werden die Viren von Zeit zu Zeit reaktiviert und gelangen über die Nervenstränge wieder in die Schleimhäute des Genitalbereichs.

Als Risikofaktoren für eine Reaktivierung der Herpesviren gelten beispielsweise:

  • Stress
  • ein geschwächtes Immunsystem (beispielsweise bei einer Erkältung)
  • Menstruation bei Frauen
  • Sonnenlicht
  • mechanische Reizung

Welche Symptome können bei Genitalherpes auftreten?

Die erste HSV-Infektion im Genitalbereich kann schwer und langwierig sein und äußert sich meist durch schmerzhafte Bläschen im Genital- und/oder Analbereich, die sich oft bereits durch ein Kribbelgefühl ankündigen. Die Symptome unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern:

  • Bei Frauen können sich an Schamlippen, Scheide sowie Gebärmutterhals stark juckende Herpesbläschen bilden. Zusätzlich leiden viele Betroffene an vermehrtem Ausfluss sowie Schmerzen beim Wasserlassen.

  • Bei Männern bilden sich die Bläschen vor allem auf der Vorhaut, dem Penisschaft und den Hoden. Auch der Analbereich, Po sowie Oberschenkel können betroffen sein.

Die kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen können einreißen und nässen. Nach einigen Tagen verkrusten sie und heilen ab. Die Haut ist meist gerötet, juckt und brennt.

Neben den auf den Intimbereich begrenzten Beschwerden können beim ersten Ausbruch zudem grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und allgemeine Erschöpfung hinzukommen. Darüber hinaus sind die Lymphknoten im Leistenbereich oft angeschwollen. Ohne Behandlung dauert es etwa 20 Tage, bis die Beschwerden abklingen. Erneute Ausbrüche verlaufen milder.

Schwere Verläufe von Genitalherpes

In seltenen Fällen kann eine Herpesinfektion einen schweren Verlauf nehmen. Gefährdet sind vor allem immungeschwächte Patient*innen, etwa Menschen

  • mit unbehandelter, fortgeschrittener HIV-Infektion,
  • mit angeborenen Immundefekten,
  • mit Mangelernährung,
  • mit schweren Hauterkrankungen
  • nach einer Organtransplantation.

Die Viren können beispielsweise die Augennetzhaut befallen und zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens führen. Auch die Entstehung einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung ist in seltenen Fällen möglich.

Genitalherpes in der Schwangerschaft: Welche Folgen hat das?

Bei Schwangeren, die kurz vor der Geburt einen Genitalherpes-Ausbruch haben, besteht die Gefahr, dass sich das Kind beim Weg durch Muttermund und Scheide mit den Viren ansteckt. Eine Herpesinfektion kann für Säuglinge lebensbedrohlich sein. Das ist aber sehr selten der Fall. Meist wird dann ein Kaiserschnitt empfohlen, um das Risiko einer Ansteckung deutlich zu reduzieren.

Frauen, die zu Beginn ihrer Schwangerschaft einen Herpes genitalis haben, übertragen die Herpesviren hingegen nur sehr selten auf das Kind, weshalb normalerweise nichts gegen eine vaginale Geburt spricht. Dennoch sollten Betroffene ihre Ängste mit ihrem*ihrer Frauenarzt*Frauenärztin besprechen. Bei Frauen, die beispielsweise sehr oft an Genitalherpes leiden, kann unter Umständen eine vorbeugende Behandlung mit virushemmenden Medikamenten sinnvoll sein.

Wie wird Genitalherpes diagnostiziert?

Bei Symptomen, die auf einen Genitalherpes hindeuten, sollten eine*ein Frauenärztin*Frauenarzt beziehungsweise eine*ein Urologin*Urologe aufgesucht werden. Diese werden Betroffene zunächst ausführlich nach ihren Beschwerden befragen und den Intimbereich näher untersuchen. Da andere Erkrankungen, etwa eine Infektion mit Pilzen, Chlamydien oder Hauterkrankungen wie Schuppenflechte ähnliche Symptome hervorrufen, ist darüber hinaus oft eine Laboruntersuchung notwendig.

  • Viruskultur: Oft wird ein Abstrich der Bläschenflüssigkeit entnommen und in ein Labor geschickt. Hier wird eine Kultur des Virus zur Identifikation angelegt.

  • PCR-Test: Als Goldstandard zum Nachweis der Herpes-simplex-Viren gilt die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), da sie noch empfindlicher ist und Infektionen noch genauer feststellen kann.

  • Antikörpertest: Mittels eines Bluttests können Antikörper, die sich im Immunsystem zum Schutz vor Herpesviren gebildet haben, nachgewiesen werden. Einige Tests unterscheiden zudem zwischen einer HSV-1 und HSV-2-Infektion.

Behandlung bei Genitalherpes: Was kann man tun?

Es ist nicht möglich, Herpes-simplex-Viren aus dem Körper zu eliminieren. Dennoch gibt es einige Behandlungsmöglichkeiten, um Symptome bei einem Ausbruch zu lindern.

Bei starken Beschwerden (vor allem bei der Erstinfektion) verschreiben Ärzt*innen Medikamente mit den virushemmenden Wirkstoffen Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir. Sie können Symptome lindern und die Krankheitsdauer verkürzen. Allerdings müssen die Arzneimittel frühzeitig (innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Infektion) eingenommen werden. Bei sehr häufigen Ausbrüchen kann zudem eine langfristige Therapie sinnvoll rein. Um Reinfektionen vorzubeugen, müssen die Medikamente dann auch in beschwerdefreien Phasen eingenommen werden.

Eine örtliche Behandlung mit Cremes oder Salben wird von Fachleuten hingegen als nur wenig hilfreich angesehen. Geht der Genitalherpes mit starken Schmerzen einher, können allerdings zusätzlich Schmerzmittel eingenommen werden. Unterstützend sollten Betroffene während der Akutphase auf enge Unterwäsche verzichten (um zusätzliche Reizungen zu vermeiden), den Intimbereich möglichst trocken halten und die Hautbläschen nicht berühren. Frauen, die Schmerzen beim Wasserlassen verspüren, empfinden zudem oftmals angenehmer in einem Sitzbad zu urinieren. Hierbei sollte jedoch auf Seifen und Badezusätze verzichtet werden.

Wie lässt sich Genitalherpes vorbeugen?

Vor allem sexuell aktive Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Genitalherpes. Um dieses zu verringern, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

  • Bei einem akuten Ausbruch sollte auf Sex verzichtet werden.

  • Selbst wenn sich keine Bläschen zeigen, empfiehlt es sich, Kondome oder Lecktücher zu verwenden. Sie können eine Ansteckung nicht vollständig verhindern, aber das Risiko deutlich senken.

  • Betroffene sollten offen mit ihrem*ihrer Partner*in über die Erkrankung sprechen.

Wer sehr häufig an Genitalherpes-Beschwerden leidet, kann sich zudem bezüglich einer Dauertherapie mit antiviralen Medikamenten (Virostatika) beraten lassen. Diese hemmen die Aktivität des Virus ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken. Bei der Entscheidung für eine solche Therapie kann ein Bluttest auf Antikörper sinnvoll sein. Weisen beispielsweise zwei feste Intimpartner*innen den gleichen Virustyp auf, besteht keine Notwendigkeit für die vorbeugende Einnahme von Medikamenten. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass Virostatika mit Nebenwirkungen (zum Beispiel allgemeine Abgeschlagenheit oder Schlafstörungen) einhergehen können.

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