Harmlose Hautlappen

Marisken: Analfalten-Op meist überflüssig

Gerade Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben, tasten oft einen Hautwulst um den Anus herum. Viele sind überzeugt, es handele sich um Hämorrhoiden. Doch das ist nicht der Fall: Die linsen- bis kastaniengroßen Hautlappen aus dem Analkanal werden Marisken genannt. Sie sind harmlos und verursachen keine Schmerzen, können jedoch die Analhygiene erschweren.

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Marisken können durch Schwangerschaft entstehen.
(c) Stockbyte

Anders als bei Hämorrhoiden handelt es sich bei Marisken nicht um Gefäßknoten, sondern um Hautlappen, die stecknadelkopfgroß, aber auch mehrere Zentimeter lang sein können.

Fälschlicherweise werden Marisken manchmal als äußere Hämorrhoiden bezeichnet. Im Unterschied zu Hämorrhoiden schwellen sie bei der Bauchpresse jedoch nicht an; sie nässen und bluten nicht. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder eine Analthrombose können allerdings zu Ödemen an den Hautlappen führen, sodass diese zu prallen Knoten anschwellen.

Die häufigsten Analerkrankungen

Wenn Analmarisken auch nicht mit Hämorrhoiden verwechselt werden sollten, können sie doch ein Symptom dafür sein, dass sich im Anus vergrößerte Hämorrhoiden befinden. Denn während des Hämorrhoidalleidens schiebt sich oft Analkanalhaut (Anoderm) nach außen. Es ist darum immer ratsam, Marisken vom Arzt untersuchen zu lassen.

Ursachen: Schwangerschaften fördern Marisken

Auch ein zurück gebildetes Blutgerinnsel in einem Analgefäß (Analthrombose) oder eine Analfissur (Einriss der Analkanalhaut) kann Analfalten zurücklassen. Oft finden sich Marisken auch bei Frauen, die bereits zwei oder drei Kinder zur Welt gebracht haben. "Durch den Druck auf den Beckenboden und die Hormone wird die Analhaut weicher und durch Wasser aufgedunsen. Wenn die Wassereinlagerungen nach der Schwangerschaft wieder verschwinden, bleiben die Falten übrig", erklärt Professor Alexander Herold vom Enddarmzentrum Mannheim.

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Marisken können Juckreiz und Analekzem auslösen

Zwar handelt es sich bei Marisken um eine harmlose Art der Hautveränderung. Besonders große Analfalten sind aufgrund erschwerter hygienischer Bedingungen jedoch anfällig für die Entwicklung eines Pruritus ani (Juckreiz) oder Analekzems. Hintergrund ist, dass sich Stuhlreste in den Falten festsetzen können und die Analhaut reizen.

Behandlung der Marisken ist meist nicht nötig

Marisken sollten möglichst nicht entfernt werden. "Sie stellen kein Krankheitsbild dar. Es ist darum aus medizinischen Gründen nicht notwendig, sie zu operieren", sagt Professor Alois Fürst, Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Regensburg. Er hat jedoch schon erlebt, dass manche Patienten – etwa FKK-Anhänger – aus kosmetischen Gründen eine Entfernung wünschen.

Auch aus hygienischen Gründen kann eine Mariskenentfernung notwendig sein, um weitere Analerkrankungen wie Ekzeme zu verhindern.

Mariskentfernung unter lokaler Betäubung

Marisken lassen sich durch eine sogenannten Elektroresektion recht einfach entfernen: Die Analfalten werden mit einem elektrischen Messer herausgeschnitten. Der Eingriff geschieht unter Lokalanästhesie und der Patient kann danach meistens sofort nach Hause gehen.

Sollen multiple Analfalten entfernt werden, sind mehrere Sitzungen ratsam, damit die Wunden einzeln abheilen können und Narben vorgebeugt wird. Die Nachbehandlung besteht meist aus Sitzbädern sowie entzündungshemmenden Medikamenten.

Mögliche Komplikationen bei der Mariskenentfernung

Nach der Operation sind starke Schmerzen möglich, da in die hochsensible Analkanalhaut geschnitten wird. Zudem nässt die Wunde oft stark. Der Eingriff sollte nur von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden. Es darf beispielsweise bei Marisken, die den gesamten Anus umranken, nicht der gesamte Kranz entfernt werden. Die Folge können nämlich dauerhafte Missempfindungen und Störungen der Feinkontinenz sein – das heißt, es können unwillkürlich kleine Stuhlmengen abgehen. Außerdem sollte der Schnitt so durchgeführt werden, dass der Wundrand nicht im Analkanal zum Liegen kommt. Dadurch wird das Abfließen des Wundsekrets vereinfacht.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. November 2017
Quellen: Rainer Winkler, Peter Otto, Thomas Schiedeck: Proktologie. Ein Leitfaden für die Praxis. Thieme; Professor Alexander Herold, Sprecher des End- und Dickdarm-Zentrums Mannheim; Prof. Alois Fürst, Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Regensburg

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