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Rektumkarzinom: Tumore im Enddarm

Ein Rektumkarzinom ist ein bösartiger Tumor im letzten Abschnitt des Darms, dem Mastdarm. In den meisten Fällen entwickelt er sich aus harmlosen Polypen und geht mit Verstopfung, Durchfällen oder Blut im Stuhl einher. Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Anatomisches Bild von Darm und Rektumkarzinom
© Getty Images/SEBASTIAN KAULITZKI/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Etwa jede achte Krebserkrankung in Deutschland betrifft den Dickdarm oder Mastdarm, im Jahr 2018 erkrankten mehr als 26.000 Frauen und mehr als 33.000 Männer. In etwa einem Drittel der Fälle ist der Enddarm betroffen, ein Rektumkarzinom hat sich entwickelt. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter: Mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankt jenseits des 70. Lebensjahres, nur zehn Prozent sind unter 55.

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Was ist ein Rektumkarzinom?

Ein Rektumkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der den letzten Abschnitt des Dickdarms (Enddarm) betrifft. Dieser sogenannte Mastdarm umfasst die letzten 16 Zentimeter des Dickdarms oberhalb des Darmausgangs (auch: Anus oder After). Deshalb wird ein Rektumkarzinom auch Enddarmkrebs oder Mastdarmkrebs genannt.

Rektumkarzinom: Ursachen und Risikofaktoren

Die große Mehrheit der Rektumkarzinome entwickelt sich aus Polypen oder Adenomen, also gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut. Werden diese nicht entdeckt und entfernt, können sie sich im Laufe der Jahre verändern und zu bösartigen Tumoren werden. Ob sich bei einem Menschen Darmpolypen und damit möglicherweise auch Tumore im Darm entwickeln, hängt eng mit seinem Lebensstil zusammen.

Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Rektumkarzinomen:

  • Regelmäßiger Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Hoher Alkohol- und Tabakkonsum
  • Ballaststoffarme und fettreiche Ernährung
  • Diabetes mellitus Typ 2

Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Mastdarmkrebs zu erkranken. Das Gleiche gilt, wenn mindestens zwei Verwandte ersten Grades (Eltern oder Geschwister) betroffen sind.

Bei etwa fünf Prozent der Patient*innen handelt es sich um eine erblich bedingte Form von Darmkrebs, wie die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) oder das hereditäre nicht-polypöse Kolorektalkarzinom (HNPCC, Lynch-Syndrom). Diese Veranlagung fällt meist durch das gehäufte Auftreten von Darmkrebs bei Menschen in jüngerem Alter auf.

Symptome: So äußert sich ein Rektumkarzinom

Bei den meisten Betroffenen verursacht ein Rektumkarzinom zunächst keine Beschwerden. Im weiteren Verlauf können dann folgende Symptome auftreten:

  • Blut oder Schleim im Stuhl

  • Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung

  • Gewichtsverlust

  • Krampfartige Bauchschmerzen

  • Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit

  • Blutarmut (Anämie)

Ist das Rektumkarzinom bereits weiter fortgeschritten, führt dies unter Umständen zu einer Verengung des Darms, der Stuhlgang erscheint dann dünn wie ein Bleistift (Bleistiftstuhl). Im schlimmsten Fall kann dies zu einem Darmverschluss (Ileus) führen – ein Notfall, der sofort behandelt werden muss.

Diagnose bei Verdacht auf Rektumkarzinom

Bei neu auftretenden Darmbeschwerden oder Stuhlveränderungen ist der*die Hausärzt*in meist die erste Ansprechperson, weitere Anlaufstelle sind Fachleute für Erkrankungen des Verdauungstraktes (Gastroenterolog*innen). In einem ersten Gespräch werden zunächst die Beschwerden, der Lebensstil und eventuell vorliegende andere Erkrankungen abgefragt. Außerdem wird geklärt, ob es bereits Fälle von Darmkrebs in der Familie gegeben hat.

Dann folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung, zu der auch eine rektal-digitale Untersuchung gehört. Dabei wird der Enddarm mithilfe eines Fingers untersucht – zirka ein Drittel der Rektumkarzinome lässt sich so ertasten. Die aussagekräftigste Untersuchung zur Beurteilung des Darms ist aber die Darmspiegelung (Rektoskopie). Hierzu wird ein biegsamer Schlauch mit einer Lichtquelle und einer Lupe durch den After eingeführt und die Darmwand untersucht. Dabei können Gewebeproben entnommen werden (Biopsie) und im Labor auf Veränderungen untersucht werden.

Bestätigt sich der Verdacht auf ein Rektumkarzinom, nimmt der*die Arzt*Ärztin weitere Untersuchungen vor, das sogenannten Staging. Damit wird die genaue Lage und Ausbreitung des Tumors festgestellt und erfasst, in welchem Stadium sich die Krebserkrankung befindet.

Bei den Staging-Untersuchungen kommen vor allem bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • Ultraschall des Enddarms (endorektale Sonografie) und des Bauchraums
  • CT und MRT von Becken und Bauchraum
  • Röntgenbild der Lunge (zum Ausschluss von Metastasen)

Bei Frauen wird oft zusätzlich eine gynäkologische Untersuchung vorgenommen, um auszuschließen, dass das Rektumkarzinom sich auf Scheide und/oder Gebärmutter ausgebreitet hat.

Stadien des Rektumkarzinoms

Abhängig von der Größe und Ausbreitung werden Rektumkarzinome in folgende Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Der Tumor ist auf die Bindegewebs- oder Muskelschicht der Darmwand begrenzt.

  • Stadium II: Das Rektumkarzinom hat die äußere Schicht der Darmwand erreicht oder ist in benachbarte Gewebe eingewachsen.

  • Stadium III: Der Tumor hat in die umliegenden Lymphknoten gestreut.

  • Stadium IV: Das Rektumkarzinom hat Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen gebildet.

Therapie, Heilungschancen und Lebenserwartung bei einem Rektumkarzinom hängen eng mit dem jeweiligen Stadium zusammen.

Therapie: So wird ein Rektumkarzinom behandelt

Die einzige Möglichkeit, ein Rektumkarzinom zu heilen, ist dessen operative Entfernung. Abhängig von der Größe und Lage des Tumors muss dabei unter Umständen auch der Schließmuskel entfernt werden – in diesen Fällen erhalten Patient*innen einen künstlichen Darmausgang (Stoma). Bei Rektumkarzinomen im Stadium I genügt meist eine operative Resektion. Befindet sich der Tumor bereits in Stadium II oder III, wird vor der Operation oft eine Strahlentherapie oder Chemotherapie durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern. Auch nach der Operation wird in manchen Fällen eine Chemotherapie durchgeführt, um eventuell im Körper verbliebene Krebszellen abzutöten. Ergänzend wird manchmal eine Behandlung mit Antikörpern eingesetzt, welche die Blutgefäßbildung des Tumors (mit VEGF-Antikörpern wie Bevacizumab) oder das Wachstum des Tumors (mit EGFR-Antikörpern wie Cetuximab oder Panitumumab) bremsen soll.

Auch bei Rektumkarzinomen in Stadium IV bestehen bei zirka einem Viertel der Betroffenen noch gute Heilungschancen: Das ist der Fall, wenn das Rektumkarzinom so in Leber oder Lunge gestreut hat, dass die Tumore sich gut entfernen lassen. Bei den meisten Patient*innen in diesem Stadium kann jedoch nur noch palliativ behandelt werden: Diese Therapie zögert das Wachstum des Tumors hinaus, versucht aber vor allem, die Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.

Verlauf und Prognose bei Rektumkarzinom

Je früher ein Rektumkarzinom erkannt wird, desto besser sind dessen Heilungschancen: Fünf Jahre nach der Operation eines Rektumkarzinoms in Stadium I leben noch 95 Prozent der Betroffenen, in Stadium IV sind es nur noch 5 Prozent. Besonders wichtig für die Erhöhung der Lebenserwartung ist das frühzeitige Erkennen von Rezidiven (Rückfällen) – deshalb ist die Nachsorge von großer Bedeutung. In den ersten beiden Jahren nach der Operation werden Nachsorgeuntersuchungen halbjährlich, in den darauffolgenden drei Jahren einmal pro Jahr empfohlen.

Wie kann man einem Rektumkarzinom vorbeugen?

Fachleute gehen davon aus, dass sich die meisten Rektumkarzinome durch einen gesunden Lebensstil sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen vermeiden lassen. Zu diesem gesunden Lebensstil gehört:

  • Regelmäßige Bewegung
  • Ballaststoffreiche Ernährung mit wenig rotem oder verarbeitetem Fleisch
  • Übergewicht vermeiden
  • Wenig Alkohol, kein Nikotin

Im Rahmen der Früherkennung von Karzinomen im Darm und ihren Vorstufen übernehmen die Krankenkassen ab dem 50. Lebensjahr eine Untersuchung auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl pro Jahr und ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung alle zehn Jahre. Bei einer familiären Vorbelastung kann es sinnvoll sein, schon früher eine erste Darmspiegelung durchzuführen.

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