Pruritus ani

Juckreiz am After: Bei Erwachsenen oft Hämorrhoiden schuld

Juckreiz am After ist ein typisches Symptom von vergrößerten Hämorrhoiden. Bei Kindern kommen dagegen eher Madenwürmer in Betracht.

Analer Juckreiz
Nicht jedes Jucken im Po müssen Hämorrhoiden sein.
(c) Stockbyte

Manche Menschen leiden an einer ganz besonderen Einschlafstörung. Wenn sie sich zur Nacht gebettet haben, geht es los: Ihr After beginnt zu jucken. Das nervt so, dass die wenigsten an sich halten können. Sie kratzen, um sich Erleichterung zu verschaffen – und erreichen damit das genaue Gegenteil. Denn Kratzen verursacht kleine Wunden, die sich entzünden können.

Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen

Beim Abheilen verstärkt sich dann der Juckreiz sogar und nötigt erneut zum Kratzen. So entsteht ein Teufelskreis aus Jucken und Kratzen, der den Zustand der Haut immer weiter verschlimmert oft bis hin zum Ekzem. Hautveränderungen sind einer der häufigsten Gründe für Juckreiz am After, den Mediziner Pruritus ani nennen.

Am Anfang steht oft Feuchtigkeit

Zu Irritationen der Analhaut kommt es häufig durch Feuchtigkeit. Die kann durch Schwitzen oder breiigen Stuhl, aber auch durch vergrößerte Hämorrhoiden entstehen, die nässen. Bisweilen führen Analfisteln oder entzündliche Darmerkrankungen zum Juckreiz, wenn Sekret austritt und die Haut in Mitleidenschaft zieht. Ferner können scharfe Gewürze und Alkohol Durchfall bewirken und so die Afterzone reizen. Aber auch Hauterkrankungen sind oft Auslöser für analen Juckreiz. Fachärzte beobachten, dass einige Speisen und Getränke Afterjucken verschlimmern können: Dazu gehören Bier, Milch, Zitrussäfte und koffeinhaltige Getränke sowie Schokolade, Tomaten und Nüsse, berichten die Koloproktologen der Kliniken St. Antonius in Wuppertal.

Kinder sind anfällig für Juckreiz am After durch Würmer

Gerade bei Kindern raten Experten nach Madenwürmern zu fahnden, wenn sie über Afterjucken klagen. Das ist nicht schwer. In der Regel winden sich die weißlichen, winzigen Parasiten nämlich nach dem Toilettengang auf dem Stuhl. Die Ansteckung mit den Würmern erfolgt, indem ihre Eier durch den Mund aufgenommen werden. Im Magen schlüpfen die Larven und wandern zum Darm, wo sich die Würmer entwickeln. Die Wurmweibchen bewegen sich nachts zum After, wo sie an der Haut ihre Eier ablegen. Diese sorgen dann für das Jucken. Das klingt schlimmer, als es ist. Um Madenwürmer abzutöten, reicht es, zwei Mal ein Wurmmittel zu nehmen. Um sich nicht erneut zu infizieren, ist Sauberkeit erste Pflicht: Häufig die Hände waschen. Ferner Unter- und Bettwäsche täglich wechseln und kochen oder mit Desinfektionsmittel waschen. Dann juckt bald nichts mehr im After.

Sauberkeitswahn und übertriebene Hygiene nicht sinnvoll

Viele Menschen regieren mit besonders sorgfältiger Hygiene auf anales Jucken und tun sich damit keinen Gefallen. Starkes Reiben setzt der malträtierten Haut zusätzlich zu, ebenso wie Seifen, Deos und Feuchttücher. Duft- und Farbstoffe können sogar Allergien auslösen. Ein Sauberkeitswahn macht so aus einem lästigen Jucken schnell ein böses Ekzem. Stuhlreste sollten zwar sorgfältig, aber sanft entfernt werden. Die Hautärztin Dr. Gisela Hubbes empfiehlt, den Po nach dem Stuhlgang am besten mit klarem Wasser zu reinigen und dann mit weichem Toilettenpapier zu trocknen oder zu föhnen.

Pruritus ani vom Facharzt abklären lassen

Ist eine Hautschädigung für das Afterjucken verantwortlich, kann ein Betroffener zunächst versuchen, es mit Sitzbädern und einer zinkhaltiger Creme in den Griff zu bekommen. Tritt jedoch nach ein bis zwei Wochen keine Besserung ein, besteht die Gefahr, dass ein Analekzem chronisch wird, sagt Dr. Bernhard Lenhard. Der Facharzt rät, sich an einen ausgewiesenen Koloproktologen zu wenden, der dermatologische Kenntnisse besitzt. Bei andauerndem analen Juckreiz sollten Erwachsene wie Kinder auf jeden Fall einen solchen Facharzt aufsuchen, damit der die Ursache ermitteln und eine passende Therapie einleiten kann.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Juli 2015
Quellen: Nach Informationen des Kantonsspitals Luzern, des Koloproktologen Dr. Bernhard Lenhard, des Europäischen Coloproktologischen Zentrums St. Elisabeth, der Kliniken St. Antonius Wuppertal und der Dermatologin Dr. Gisela Hubbes

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