Stuhlinkontinenz

Stuhlschmieren oder Stuhlinkontinenz? Wenn Hämorrhoiden den Darm nicht mehr dicht halten

"Brems-" oder "Rallystreifen", also Kotspuren in der Unterhose, sind ein Hinweis auf ein fortgeschrittenes Hämorrhoidenleiden. Diese Form der gestörten Abdichtung des Darms betrifft etwa jeden fünften Hämorrhoidengeplagten und kann zu Stuhlschmieren führen, die jedoch nicht mit einer echten Stuhlinkontinenz verwechselt werden sollte.

Frau auf Toilette
Vergrößerte Hämorrhoiden führen oft zu Kotresten in der Unterhose, weil die Feinabdichtung des Darms nicht mehr richtig funktioniert. Echte Stuhlinkontinenz ist das aber nicht.
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Als wenn der Juckreiz, das Brennen und die Schmerzen beim Stuhlgang nicht Plage genug wären, nun haben Sie auch noch ständig braune Streifen in der Unterhose? In diesem Fall sollten Sie an ein Hämorrhoidalleiden denken – und zwar an ein fortgeschrittenes. Denn erst, wenn die Gewebepolster am Afterausgang stark vergrößert sind, kann Flüssigkeit oder Stuhl entweichen.

Fachärzte (Proktologen) beobachten diese Art von Stuhlinkontinenz zum Teil schon bei Hämorrhoidalleiden ab dem zweiten von insgesamt vier Stadien. Laut Schätzungen von Proktologen quälen sich etwa 20 Prozent der Hämorrhoiden-Patienten mit einer gestörten Feinkontinenz herum.

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Warum führen große Hämorrhoiden zu Stuhlschmieren?

Genau genommen handelt es sich beim Stuhlschmieren nicht um eine echte Stuhlinkontinenz. Vielmehr sprechen Mediziner hier von einer "sensorischen Kontinenzstörung". Coloproktologe Bernhard Lenhard erklärt, was das bedeutet: "Wenn die Hämorrhoiden größer werden und weit in den Analkanal hineinragen, stören sie die Feinabdichtung des Afters. Das wird umso schlimmer, desto mehr die Hämorrhoiden wachsen."

Der Effekt potenziert sich schließlich sogar, sagt der Enddarmspezialist: "Denn je größer die Hämorrhoidenknoten werden, desto mehr entzünden sie sich und sondern Sekret ab." Diese Flüssigkeit rinnt dann aus dem After und kann kleine Stuhlreste mit sich nehmen – das Sekret wird quasi zu einer Kotrutsche. Fast immer tritt Juckreiz und Brennen auf, oft entzündet sich die Haut am After und es entsteht ein Analekzem.

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Wenn die Hämorrhoidenknoten so groß geworden sind, dass sie ihren Job als Darmabdichter nicht mehr erledigen können, sollten sie verkleinert werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten wie eine Verödung, Gummiband-Ligatur oder Operation. Hämorrhoidenmittel, sogenannte Proktologika, können einmal gewachsene Hämorrhoiden nicht wieder zum Schrumpfen bringen. Sie vermögen aber das Jucken und Brennen zu bessern. Präparate mit lokal betäubenden Wirkstoffen können sogar Schmerzen lindern.

Stuhlinkontinenz: Keine Kontrolle mehr über Ausscheidungen

Anders als bei einer gestörten Feinkontinenz durch ein Hämorrhoidalleiden, verliert ein Mensch mit Stuhlinkontinenz die Kontrolle über seinen Schließmuskel – der Stuhl rutscht einfach heraus, ohne dass er zu halten wäre.

Dafür kann es verschiedene Ursachen geben. So kann diese Stuhlinkontinenz Folge einer Verletzung sein, beispielsweise nach einer Entbindung oder Operationen des Enddarm. Dahinter kann sich jedoch auch eine altersbedingte Erschlaffung der Muskulatur verbergen oder auch angeborene Missbildungen, etwa der Nerven oder der Schließmuskeln.

Die Probleme können auch die Folge jahrelangen Fehlverhaltens bei der Stuhlentleerung oder sportlicher Aktivitäten, die sich ungünstig auf die Beckenbodenmuskulatur auswirken sein. Hierzu zählen Joggen, Tennisspielen sowie Sportarten, die mit starkem Hüpfen oder Springen verbunden sind. Auch Folgen von Rückenmarksveränderungen schränken die Stuhlkontrolle ein.

Oft kämen sogar mehrere Ursachen für Stuhlinkontinenz zusammen, berichtet der Proktologe und Chirurg Franz Raulf: "Die Stuhlausscheidung wird von einem ganzen System von Komponenten kontrolliert, etwa dem Schließmuskel, den Nerven zur Wahrnehmung des Stuhldrangs oder dem Beckenboden. Eine Inkontinenz resultiert zumeist aus einer Schwäche mehrerer Teile des Kontinenzapparates."

Welcher Sport bei Hämorrhoiden?

Dazu gesellen sich oft noch soziale oder psychische Komponenten. Wie viele Menschen in Deutschland an Stuhlinkontinenz leiden, kann niemand genau sagen. Aber die Deutsche Kontinenz Gesellschaft schätzt ihre Zahl auf rund 1,2 Millionen.

Stuhlinkontinenz lässt sich behandeln

So unterschiedlich wie die Ursachen für anale Inkontinenz sind, so vielfältig sind die Therapieoptionen. Sie reichen von spezieller Kost, Beckenbodengymnastik und Biofeedback über das Beheben von Stoffwechselstörungen oder die Einnahme stuhlverdickender Medikamente bis zu einer Operation oder dem Implantieren eines Schrittmachers. Oft helfe es aber schon, wenn der Patient ein Stuhltagebuch führt, sagt Raulf. Denn das Protokoll kann etwa ergeben, dass es sinnvoll ist, zu bestimmten Tageszeiten prophylaktisch zur Toilette zu gehen.

Mit Zäpfchen oder Einläufen lässt sich das Entleeren des Darms so einstellen, dass der Patient in der folgenden Zeit keine Angst vor einem unfreiwilligem Stuhlabgang haben muss. Chirurgische Eingriffe seien insgesamt eher selten nötig, räumt Doktor Raulf ein. Sie kämen vor allem infrage, wenn sich der Mastdarm aus dem After stülpt (Rektumprolaps) oder um die anale Muskulatur zu korrigieren.

Gegen Stuhlschmieren hilft Muskeltraining

Schmierstuhl ist zwar weit harmloser als Stuhlinkontinenz. Für Betroffene sind die ständigen Spuren in der Unterhose dennoch äußerst unangenehm und mit Scham besetzt. Außerdem reizen die Absonderungen aus dem Analkanal die ohnehin gereizte Afterhaut. Letzteres lässt sich mit der richtigen Pflege gut in den Griff bekommen. Um das Stuhlschmieren an sich zu unterbinden, sollte möglichst die Ursache behandelt werden – also die Hämorrhoiden. Außerdem kann ein Schließmuskeltraining helfen, Stuhlschmieren zu verbessern.

Übung für den Schließmuskel

Führen Sie nach der Entleerung und vor dem Säubern des Afters dreimal folgende Übung durch:

  • After zusammenkneifen
  • Schließmuskel einziehen
  • eingezogenen Schließmuskel drei bis fünf Sekunden einhalten
  • After locker fallen lassen

Damit drückt der Schließmuskel auch den bei der Entleerung abgesenkten Darm wieder nach oben. Der Analbereich sollte dann nach jedem Stuhlgang mit Wasser gereinigt und mit einem weichen Tuch oder Toilettenpapier gut abgetrocknet werden.

Weitere Tipps, die die Stuhlkontrolle fördern:

Die richtige Ernährung bei Hämorrhoiden

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. November 2017
Durch:
Quellen: Mit Informationen des Proktologen Dr. Bernhnard Lenhard und der Deutschen Kontinenz Gesellschaft; Reinhard /Kirsch: Hämorrhoiden und der kranke Enddarm sowie der Frauenklinik Baden

Fragen an die Expertin
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