Sie sind hier: Home » Ursachen » Gibt es wirklich Hämorrhoiden bei Kindern?
Was dahintersteckt

Gibt es wirklich Hämorrhoiden bei Kindern?

Wenn Eltern bei ihrem Kind bläuliche Knoten am After entdecken, ist der Schreck meistens groß. Auch wenn sich die Knötchen einige Zeit nach dem Stuhlgang wieder in den Anus zurückziehen – die Sorge bleibt: Können kleine Kinder schon Hämorrhoiden bekommen? Sie können. Allerdings kommt das äußerst selten vor. In der Regel steckt etwas anderes hinter den Symptomen.

Kind mit Wasserglas
Leiden Kinder an Hämorrhoiden, sind meist Verstopfungen schuld. Mit ballaststoffreicher Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr lässt sich prima gegensteuern!
iStock

Vergrößerte Hämorrhoiden können aus dem After treten, jucken und brennen. Erwachsene leiden sehr häufig daran. Doch "Hämorrhoiden bei Kindern sind sehr, sehr selten", sagt Professor Klaus-Peter Zimmer, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung. In seinen 13 Jahren Praxis als Magen-Darm-Spezialist für Kinder habe er nur einmal einen kleinen Patienten wegen Hämorrhoiden behandeln müssen.

Hämorrhoiden: 16 hartnäckige Mythen

Bei Kindern eher Analfissur oder Prolaps als Ursache

"Bei Verdacht auf Hämorrhoiden ist immer erst zu prüfen, ob es sich um einen Prolaps handelt", erklärt Zimmer. Ein Darmprolaps ist eine der häufigsten Ursachen, wenn bei Kindern kleine Knötchen am Anus in Erscheinung treten. In Wahrheit handelt es sich dabei um die Schleimhaut des Enddarms, die durch den Schließmuskel nach außen gedrückt wird.

Auch weitere Ursachen kommen in Betracht: Eine Analfissur, ein kleiner Riss in der Analschleimhaut, der sich entzündet hat, kann etwa hämorrhoidenähnliche Beschwerden auslösen. Die Fissur verursacht brennende bis krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang. Kinder reagieren darauf mitunter, indem sie den Toilettengang hinauszögern und vermeiden möchten. Das ist nicht sinnvoll: Der Stuhl wird dadurch härter, die Schmerzen auf der Toilette stärker. Durch Pressen wird die Analfissur außerdem weiter gefördert.

Juckreiz oft auf Würmer zurückzuführen

Plagen Kinder keine Schmerzen beim Stuhlgang, sondern in erster Linie Juckreiz am After, der vor allem nachts auftritt, sollte man einen Wurmbefall denken. Darauf lässt oft ein Blick in die Toilette schließen: Im Kot sind dann winzige, weiße Parasiten zu entdecken. Die Ansteckung erfolgt meist, indem die Eier über den Mund aufgenommen werden. Nachdem die Larven im Magen geschlüpft sind, wandern sie in den Darm und entwickeln sich zu Würmern weiter. Die Weibchen legen ihre Eier nachts am After ab, was für Juckreiz sorgt. Kratzt das Kind – oft unbewusst im Schlaf – befinden sich die Eier an den Fingern und können so für weitere Ansteckung in der Familie sorgen.

Auch wenn ein solcher Wurmbefall eklig klingt, ist er recht unbedenklich: Der Arzt verschreibt ein wirksames Gegenmittel, das nur zweimal eingenommen werden muss. Trotzdem sollte man mit guter Hygiene gegensteuern: Regelmäßiges Händewaschen, vor allem vor den Mahlzeiten, sollte auch für Kinder selbstverständlich sein.

Verstopfung beschert Kindern Hämorrhoiden

Wenn Kinder entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch vergrößerte Hämorrhoiden entwickeln, sind meist die gleichen Auslöser wie bei Erwachsenen am Werk: "Die häufigste Ursache für Hämorrhoiden bei Kindern ist Verstopfung", erläutert Zimmer. Kein seltenes Phänomen. "Man glaubt es gar nicht, aber vier bis zehn Prozent der Kinder leiden an Verstopfung", sagt der Experte.

Die richtige Ernährung bei Hämorrhoiden

An zweiter Stelle – und eng mit Verstopfung verwandt – stehe Pressen beim Stuhlgang. Manche Eltern entwickelten großen Ehrgeiz, ihren Nachwuchs möglichst früh sauber zu bekommen. "Doch Kinder sollten nicht zu stark unter Druck gesetzt werden", rät der Experte. "Auch Ermutigungen zu starken Bauchpressungen sind fehl am Platz."

Was hilft Kindern mit Hämorrhoiden?

Das A und O bei der Behandlung von Hämorrhoiden sind stuhlregulierende Maßnahmen, um Verstopfungen zu bekämpfen. Zum einen sollten die Eltern darauf achten, dass das Kind ausreichend trinkt. Viele Jungen und Mädchen vergäßen das einfach, beobachtet Kindergastroenterologe Zimmer. Zum anderen rät er, die Ernährung anzupassen: "Weniger Schokolade und mehr Obst und Gemüse." Auch Vollkornprodukte helfen der Verdauung dank der großen Menge an Ballaststoffen auf die Sprünge und machen den Stuhl weich und wohlgeformt. Hilft das alles nicht, können "Stuhlweichmacher" wie Milchzucker oder Lactulose infrage kommen. Besprechen Sie dies am besten mit dem Kinderarzt.

Plagen ein Kind Hämorrhoiden, sollte man die Symptome außerdem mit entzündungshemmenden Salben behandeln, die zugleich schmerzstillend sind. Professor Zimmer mahnt zu angemessenem Vorgehen: "Der Anus ist eine unheimlich empfindliche Zone. Zu viele Rektaluntersuchungen und Eingriffe können ein Kind traumatisieren. Wichtig ist auch, es nicht ständig von einem anderen Arzt begutachten zu lassen."

Umfassende Informationen zur Behandlung von Hämorrhoiden im Allgemeinen erhalten Sie hier.

Noch ein Wort zur Analhygiene: Bei kleinen Wunden sollte der Po nach dem Stuhlgang mit klarem Wasser abgeduscht werden, empfiehlt Zimmer. Gut seien auch Sitzbäder mit einem entzündungshemmenden Zusatz wie Kamille, um Analekzemen vorzubeugen.

Die besten Tipps gegen wunden Po