Mit Wissen gegen Vorurteile

Die häufigsten Irrtümer über Hämorrhoiden

Über ihre Probleme mit Hämorrhoiden sprechen Menschen nicht gern. So können sich zwischen Geheimniskrämerei und Unwissen allerhand Annahmen und Märchen über Hämorrhoiden und ihre Entstehung halten: Über kalte Steine, mangelnde Hygiene und Fahrradfahren.

Frau sitzt auf Steinmauer
Auf kalten Steinen zu sitzen fördert das Entstehen von Hämorrhoiden nicht.
Getty Images/Polka Dot RF

Mythos Nr. 1: Hämorrhoidalleiden entstehen durch langes Sitzen

Sicher ist langes Sitzen bei der Vorbeugung von Hämorrhoidalleiden nicht förderlich – die Ursache für deren Entstehung ist es jedoch nicht. "Nicht einfach nur langes Sitzen, sondern vielmehr langes Sitzen auf der Toilette beschreibt die Entstehungsgeschichte von Hämorrhoiden treffend", erläutert Proktologe Bernhard Lenhard. So steht am Beginn der Erkrankung ein gestörtes, von langem Pressen begleitetes Stuhlentleerungsverhalten, oft bedingt durch Verstopfungen. Diese wiederum werden durch langes Sitzen begünstigt, denn Bewegung regt die Darmtätigkeit an. Dennoch ist langes Sitzen alleine nicht ausschlaggebend für die Entstehung von vergrößerten Hämorrhoiden.

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Mythos Nr. 2: Junge Menschen haben keine Hämorrhoiden

Auch wenn die Häufigkeit der Hämorrhoiden mit steigendem Alter zunimmt, schützt Jugend allein nicht vor deren Entstehung. Junge Menschen, die an Hämorrhoiden erkranken, weisen meist mehrere Risikofaktoren wie Fehlernährung, Übergewicht und Bewegungsarmut auf. Die ballaststoffarme Kost ist dabei meist der Anfang der Krankheitsentstehung: Die Fehlernährung führt zu langen Sitzungen auf dem Klo, das Pressen bedingt die Entstehung der Hämorrhoiden und das Übergewicht bewirkt durch ständiges Drücken eine Überlastung der Beckenbodenmuskulatur, die die Problematik vertieft.

Mythos Nr. 3: Das Sitzen auf kalten Steinen führt zu Hämorrhoiden

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Diese Ansicht ist verbreitet, aber falsch. Zum einen hat jeder Mensch Hämorrhoiden – diese Schwellkörper am Afterausgang dienen zusammen mit dem Schließmuskel dazu, den Po nach außen abzudichten. Zum anderen bewirkt Kälte nicht, dass sich die Hämorrhoiden vergrößern und Probleme wie Jucken, Brennen oder Entzündungen auftreten. Allerdings kann das Sitzen auf einem kalten Untergrund die Durchblutung im Analbereich fördern. Dadurch kommt es eventuell zu Analvenenthrombosen. Das sind Blutgerinnsel, die sich als kleine rotbläuliche Knubbel am Afterrand äußern.

Mythos Nr. 4: Ein harter Fahrradsattel verursacht Hämorrhoidenbeschwerden

Stimmt nicht. Auf das Entstehen eines Hämorrhoidenleidens hat ein harter Radsattel keinen Einfluss. Dazu kommt es durch Belastungen des Beckenbodens, wie es etwa bei Schwangerschaften und Geburten oder durch chronische Verstopfung und das ständige Heben von schweren Lasten der Fall ist. Radfahren selbst entlastet den Beckenboden sogar und beugt Beschwerden vor. Sind die Hämorrhoiden jedoch schon stark vergrößert und nässen zudem, raten Ärzte vom Radfahren ab, da Feuchtigkeit und Reibung die Haut entzünden können.

Mythos Nr. 5: Eine Sitzheizung im Auto lässt Hämorrhoiden anschwellen

Die Vorstellung, dass die Wärme einer Sitzheizung dank besserer Durchblutung die Hämorrhoiden vergrößert, ist falsch. Beheizte PKW-Sitze fördern das Entstehen eines Hämorrhoidenleidens nicht. Die bessere Durchblutung führt aber unter Umständen zu Analvenenthrombosen. Negativ kann sich eine Sitzheizung auch auf die Spermienproduktion bei Männern auswirken. Eine Studie der Universität Gießen zeigte im Sommer 2008, dass sich die Temperatur der Hoden schon nach einer Stunde auf einem beheizten Autositz um 0,6 auf 37,3 Grad erhöht. Das reicht, um die Spermienproduktion zu stören.

Mythos Nr. 6: Analsex führt zu Hämorrhoiden

Nein, Analverkehr führt nicht dazu, dass Hämorrhoiden anschwellen. Probleme kann es aber geben, wenn die Hämorrhoiden bereits krankhaft verändert sind. Die Reibung beim Sex provoziert unter Umständen Entzündungen, Nässen und Blutungen. Wer krankhaft veränderte Hämorrhoiden hat und auf Analverkehr nicht verzichten möchte, sollte sich behandeln lassen. Während sich Entzündungen und Juckreiz mit Sitzbädern und Salben lindern lassen, müssen große Hämorrhoidenknoten verkleinert werden. Von selbst schrumpfen sie nicht.

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Mythos Nr. 7: Pflaumengroße Blutgerinnsel außerhalb des Anus, sehr schmerzhaft und nicht blutend – das können nur Hämorrhoiden sein

Wer immer diese Diagnose stellt – er liegt falsch. Hämorrhoiden liegen im Mastdarm und sind mit Schleimhaut überzogen. Sogenannte "äußere Hämorrhoiden" gibt es nicht. "Dieser Terminus ist fachlich falsch", betont Lenhard, "auch wenn er noch immer auf ärztlicher Seite hier und da auftaucht". Meist handelt es sich bei dem beschriebenen Phänomen um eine Analvenenthrombose.

Mythos Nr. 8: Wer keine gute Hygiene betreibt, bekommt Hämorrhoiden

"Dieses noch immer verbreitete Vorurteil ist wirklich Quatsch", schimpft Lenhard. Die Körperpflege hat mit der Entstehung von Hämorrhoiden nichts zu tun. Bei manchen Patienten spiegelt sich in diesen Gedanken eine Form von "Schuldgefühlen" wider, die jedoch komplett entkräftet werden können.

Mythos Nr. 9: Scharfes Essen ist bei Hämorrhoiden tabu

In vielen Ländern der Welt essen die Menschen gerne scharf. Das ist gesund. Denn pikante Speisen kurbeln die Produktion von Magensaft an und fördern so die Verdauung. Zudem wirkt der saure Magensaft antibakteriell und tötet krankmachende Mikroorganismen ab. Doch scharfes Essen steht auch in dem Ruf, Hämorrhoidalleiden zu verschlechtern. Eine Gruppe italienischer Wissenschaftler konnte das widerlegen: Weder sechs, 24 noch 48 Stunden später verschlimmerte scharfes Essen ihrer Untersuchung zufolge Beschwerden wie Blutung, Schwellung, Schmerzen, Juckreiz sowie Brennen. Enddarmexperten verweisen jedoch darauf, dass scharfes Essen bei manchen Menschen zu Durchfall führen kann. Dieser wiederum kann die durch ein Hämorrhoidalleiden oft gereizte Analhaut weiter schädigen und zu Entzündungen führen.

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Mythos Nr. 10: Ein Hämorrhoidalleiden kommt nicht so häufig vor

Hämorrhoiden sind alles andere als eine seltene Krankheit – im Gegenteil, man kann sie sogar als Volkskrankheit bezeichnen. Während man früher davon ausging, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland im Laufe des Lebens Erfahrungen mit Hämorrhoiden macht, liegen neuere Schätzungen weit höher. "Inzwischen kann man sagen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung irgendwann einmal in ihrem Leben mit hämorrhoidalen Komplikationen konfrontiert werden", betont Lenhard. Hohe Dunkelziffern spielen dabei keine sehr große Rolle mehr – die Bereitschaft der Patienten, mit ihrer Erkrankung einen Arzt aufzusuchen, ist in den letzten Jahrzehnten erfreulich gestiegen.

Mythos Nr. 11: Hämorrhoiden sind Schicksalssache – vorbeugen kann man kann nicht

Hämorrhoiden sind in den allerseltensten Fällen schicksalhaft. Zwar kann es sein, dass Menschen mit einer entsprechenden Veranlagung öfter daran leiden – in den meisten Fällen jedoch, können Präventivmaßnahmen die Entstehung verhindern. Hierzu zählen in erster Linie ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung. Von entscheidender Bedeutung ist zudem ein richtiges Stuhlentleerungsverhalten. Lange Sitzungen auf der Toilette mit starkem Pressen sollten unbedingt vermieden werden. "Zeitungen und Bücher haben als Lektüre für einen Daueraufenthalt auf der Toilette nichts zu suchen", warnt Lenhard. Der Zeitpunkt zur Darmentleerung sollte zudem den natürlichen Erfordernissen angepasst werden: "Es heißt ja auch schließlich "ich muss mal" und nicht "ich will mal", so der Fachmann.

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Mythos Nr. 12: Wenn es nicht weh tut, können es keine Hämorrhoiden sein

Das genaue Gegenteil ist richtig: "Wenn es weh tut, können es keine Hämorrhoiden sein", erläutert Lenhard. Der Grund dafür liegt in der Beschaffenheit der Dickdarmschleimhaut. Sie enthält keine Nerven und ist daher schmerzunempfindlich.

Mythos Nr. 13: Hämorrhoiden bluten immer

"Hämorrhoiden können, müssen aber nicht bluten", erklärt der Experte. Nur wenn die Schleimhaut, die die Hämorrhoiden überzieht, gereizt wird, kommt es zur Blutung. Das Blut stammt dabei aus den kleinen Versorgungsgefäßen der Schleimhaut. Bleibt jedoch eine Reizung aus, bluten selbst große Hämorrhoiden nicht. Vor allem schwarzes Blut im Stuhl sollte man auch bei bestehendem Hämorrhoidenleiden immer abklären lassen. Es könnten ernsthafte Krankheiten dahinterstecken.

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Mythos Nr. 14: Die Untersuchung beim Arzt ist schmerzhaft

"Eine Afterspiegelung (Proktoskopie), wie sie bei Hämorrhoiden ansteht, ist bei fachmännischer Durchführung niemals schmerzhaft", beruhigt der Experte. Eine örtliche Betäubung ist völlig unnötig. Nur wenn andere Erkrankungen, wie beispielsweise Analfissuren, bestehen, könnte die Untersuchung eventuell mit Schmerzen verbunden sein.

Mythos Nr. 15: Wenn man die Hämorrhoiden behandeln lässt, ist immer eine Darmspiegelung fällig

Hier kann der Experte Entwarnung geben: "Eine Behandlung der Hämorrhoiden ist niemals mit einem Einlauf und einer Darmspiegelung verbunden", versichert Proktologe Lenhard. Schließlich befinden sich die Hämorrhoiden ganz am Ende des Darmrohres und der Eingriff spielt sich damit lediglich im Bereich dieser letzten Zentimeter ab.

Mythos Nr. 16: Schwangere bekommen Hämorrhoiden

Es ist ein Trugschluss, dass eine Schwangerschaft vergrößerte Hämorrhoiden von heute auf morgen entstehen lässt. Ein bestehendes Leiden kann allerdings durch Schwangerschaft und Geburt weiter verschlimmert werden: Beides belastet den Beckenboden, der wachsende Druck kann die Polster am After weiter vergrößern.

Mythos Nr. 17: Sauna vergrößert Hämorrhoiden

Sauna fördert die Durchblutung. Aber: "Das führt nicht zu einer Vergrößerung der Hämorrhoidenpolster", erklärt Coloproktologe Bernhard Lenhard. Bei einem fortgeschrittenen Hämorrhoidenleiden rät der Experte trotzdem von Saunagängen ab, weil sie die Beschwerden verstärken können: "Es kann zum Beispiel zu einem vermehrten Nässen kommen." Wenn der Hautmantel rissig sei, könne die Mischung aus Schweiß und Analsekret zu Entzündungen führen, warnt Lenhard.

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Autor:
Letzte Aktualisierung:01. September 2017
Durch: Silke Stadler
Quellen: Mit Informationen von Dr. Bernhard Lenhard, von Dr. Freya Reinhard und Dr. Jens J. Kirsch: Hämorrhoiden und der kranke Enddarm, Kohlhammer-Verlag 2003 und der Universität Gießen

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