Bei Hämorrhoiden besonders fatal

Verstopfung loswerden: So sorgen Sie für weichen Stuhlgang

Wenn der Darm Probleme macht, wirkt sich das auf das gesamte Wohlbefinden aus. Eines der häufigsten Leiden stellt die Verstopfung dar. Sie ist gleich doppelt tückisch: Erstens ist sie die häufigste Ursache für vergrößerte Hämorrhoiden und zweitens nimmt sie auch auf ein bereits bestehendes Hämorrhoidalleiden negativen Einfluss. Zum Glück lässt sich eine Verstopfung in vielen Fällen leicht vermeiden – wenn man bestimmte Regeln befolgt und die richtigen Hausmittel kennt.

Verstopfung
Harter Stuhlgang kann den Toilettenbesuch zur Tortur machen. Je nach Ursache lassen sich regelmäßige Verstopfungen aber oft selbst behandeln.
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Unser Alltag ist alles andere als verdauungsfördernd. Schnelle Mahlzeiten beim Imbiss oder vom Bäcker, die oft aus Weißmehl und kaum Ballaststoffen bestehen, verbunden mit einem Tagesablauf, der minimale Bewegung zulässt. Oft wird noch zu wenig getrunken – alles Faktoren, die dafür sorgen, dass der Darm träge wird.

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass für den Stuhlgang häufig nur ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung steht. In dieser Zeit wird versucht, den Stuhl im wahrsten Sinne zu "erpressen". Zu anderen Tageszeiten wird der natürliche Drang hingegen ignoriert und der Verstopfung (Obstipation) damit noch Vorschub geleistet.

Die richtige Ernährung bei Hämorrhoiden

Formen der chronischen Verstopfung

Das Gefühl, unter einer Verstopfung zu leiden, stellt sich bei Patienten unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen ein. Hier spielen natürlich die individuellen Stuhlgewohnheiten eine große Rolle. So fühlen sich manche Menschen "verstopft", wenn sie nicht einmal pro Tag Stuhlgang haben oder beim Stuhlgang stark pressen müssen.

Medizinisch wird von einer Verstopfung hingegen in der Regel erst dann gesprochen, wenn es pro Woche zu weniger als drei Stuhlentleerungen kommt. Charakteristisch ist darüber hinaus harter Stuhl, heftiges Pressen sowie nicht vollständige Stuhlentleerung. Hält dieser Zustand länger als drei Monate an, spricht man von chronischer Verstopfung.

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Grundsätzlich kann zwischen verschiedenen Formen der Obstipation unterschieden werden:

Verstopfung durch trägen Dickdarm

Gelegentlich starkes Zusammenziehen, das Teil der normalen Darmbewegungen (Peristaltik) im Rahmen der Verdauung ist, tritt bei einer echten Darmträgheit vermindert auf. Dadurch verzögert sich der Nahrungstransport im Dickdarm (Kolon). Mediziner sprechen von einem "langsamen Kolontransit". Hervorgerufen werden kann dieser durch falsche Ernährung (zum Beispiel ballaststoffarm, geringe Flüssigkeitszufuhr), aber auch durch neurologische Erkrankungen (beispielsweise Parkinson, Multiple Sklerose oder Querschnittslähmung), endokrinologische Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes mellitus, Hyperthyreose) oder Medikamente. In den meisten Fällen bleibt die Ursache jedoch ungeklärt.

Verstopfung durch Zurückhalten des Stuhls

Weitaus häufiger ist eine Verstopfung auf eine Darmentleerungsstörung zurückzuführen, bei der sich meist eine normale Kolontransitzeit zeigt. Ausgangspunkt dieser Erkrankungsform ist zumeist ein bewusster oder unbewusster Versuch, den Stuhl zurückzuhalten. Dadurch wird der Kot in den letzten Abschnitten des Darms verhärtet. Die sich später anschließende Darmentleerung wird so oft erschwert und bewirkt bei einem bestehenden Hämorrhoidalleiden unter Umständen Risse im Schleimhautüberzug.

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Es besteht deshalb die Gefahr, dass ein Vermeidungsverhalten einsetzt und sich ein Teufelskreis aus schmerzhafter Stuhlentleerung, Vermeidung des Stuhlgangs und noch stärkerer Verdichtung und Verhärtung des Stuhls entwickelt, ohne dass eine körperliche Ursache für die Verstopfung bestehen würde. Zu den möglichen Ursachen von Defäkationsstörung können zum Beispiel Erkrankungen des Analkanals (beispielsweise Hämorrhoiden, Fissuren) oder ein Anismus bei jungen Frauen (fehlende Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur) sein.

Verstopfung ist häufigste Ursache für Hämorrhoiden

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Wenn der Stuhl hart und unbeweglich wird, verweilt der Nahrungsbrei lange im Darm. Dabei wird ihm noch mehr Wasser entzogen. Die Folge: Beim Stuhlgang muss stark gepresst werden. Das überdehnt die Blutgefäße im Enddarm und vergrößert das Hämorrhoidalgeflecht. Wird das Adergeflecht ständig überdehnt, bilden sich Aussackungen in Enddarm und After.

Obstipation gilt unter Experten als eine der häufigsten Ursachen von Hämorrhoidenerkrankungen. Ein wichtiger Aspekt der nachhaltigen Behandlung ist es daher, bei den betroffenen Patienten für weichen Stuhlgang und eine problemlose Darmentleerung zu sorgen. Pressen wird unnötig, ein Blutstau in den Hämorrhoiden, der diese zum Anschwellen bringt, vermieden. Doch wie schafft man es, den Stuhl weicher zu machen?

Was hilft gegen Verstopfung? Tipps und Hausmittel

Flüssigkeit

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist das A und O für eine geregelte Verdauung. Denn je mehr Flüssigkeit wir unserem Körper zuführen, desto weniger Wasser wird dem Nahrungsbrei während der Darmpassage entzogen. Der Stuhl bleibt weich und locker, statt zu verhärten. Experten empfehlen, täglich mindestens 1,5 Liter zu trinken, bei körperlicher Anstrengung, starkem Schwitzen und Hitze deutlich mehr. Der tägliche Bedarf sollte am besten über kalorienfreie oder -arme Getränke wie Wasser, ungesüßten Tee oder stark verdünnte Säfte gedeckt werden.

Bewegung

Körperliche Aktivität wirkt sich günstig auf die Darmtätigkeit aus. Ein täglicher Spaziergang von etwa 30 Minuten reicht bereits aus, um den Darm auf Trab zu halten. Wer keine Zeit zum Spazierengehen hat, sollte versuchen, möglichst viel Bewegung während alltäglicher Aufgaben aufzuwenden. Radeln Sie zum Beispiel zur Arbeit oder nehmen Sie statt Rolltreppen oder Aufzug lieber die Treppe.

Gesunde Ernährung

Die Ernährung ist ein wichtiger Schlüssel für eine funktionierende Verdauung. Eine entscheidende Rolle spielen Ballaststoffe. Die größtenteils unverdaulichen Faserstoffe bringen unseren Darm auf Trab, halten die Darmschleimhaut gesund und binden Wasser. So sorgen sie für weichen Stuhlgang. Die Pflanzenfasern sind vor allem in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen, Obst und Gemüse sowie Trockenfrüchten enthalten. Jeder Mensch sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu sich nehmen. Aufgepasst: Wer die Verdauung mit Ballaststoffbomben wie Flohsamenschalen, Leinsamen oder Weizenkleie ankurbelt, sollte ein bis zwei große Gläser Wasser dazu trinken.

Toilettengang

Der Stuhlgang sollte nach Möglichkeit nicht unnötig hinausgezögert werden, um den Kreislauf aus Verstopfung, Stuhlverhärtung, Schmerzen beim Toilettengang und daraus resultierendem erneuten Hinauszögern des Stuhlgangs zu durchbrechen.

Pressen gilt es unbedingt zu vermeiden. Das ist nicht nur wichtig, um vergrößerten Hämorrhoiden vorzubeugen, sondern auch bei bestehender Erkrankung. Denn bei zu großem Druck können die Blutpolster überdehnt werden. Die krankhaft veränderten Hämorrhoidalgefäße reißen mitunter ein und es kommt zu teilweise starken Blutungen.

Abführmittel ziehen Teufelskreis nach sich

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Wenn der Toilettengang durch zu harten Stuhl schmerzt, greifen viele regelmäßig zu Abführmitteln, damit der Stuhl weicher wird. Doch die Medikamente können das Leiden verstärken oder auch erst auslösen. "Sie machen den Darm träge und führen zu Reizungen", erklärt die Proktologin Claudia Herzler. Man sollte daher allenfalls vorübergehend zu Abführmitteln greifen, wenn es gar nicht anders geht.

Die meisten Abführmittel – egal ob pflanzlich oder synthetisch – machen den Darminhalt weich oder sogar flüssig wie Durchfall. Was zunächst eine angenehme Abwechslung zum harten Stuhlgang ist, hat auf Dauer Konsequenzen: Der Schließmuskel muss sich beim Toilettengang nicht mehr weiten. Er schrumpfe und verenge sich mit der Zeit, erklärt Alexander Herold vom Enddarm-Zentrum in Mannheim. Die Folge: Das Blut kann aus dem natürlichen, den Schließmuskel umgebenden Gefäßpolster nicht mehr vernünftig abfließen. Es staut sich und es entstehen vergrößerte Hämorrhoiden.

Zudem regen viele Abführmittel den Darm zu vermehrter Wassersekretion an. Dies führt im gesamten Körper zu einem Mangel an Elektrolyten wie Natrium und Kalium. Gerade Kalium ist für die Muskelfunktion des Darms wichtig. Ist dieser Mineralstoff nur in geringer Menge vorhanden, kommt es zur Muskelschwäche. Für den Transport des Stuhls im Darm sind aber wellenförmige Bewegungen der Darmwand notwendig. Bleiben diese wegen Muskelschwäche aus, sind Verstopfungen die Folge. Am Ende führen Abführmittel also dazu, dass sich die Darmträgheit verstärkt.

Verdauungsprobleme: Wann zum Arzt?

Mit Verdauungsproblemen ist nicht zu spaßen. "Blähungen, Durchfall- oder Verstopfung können Menschen auf Dauer in die Isolation treiben und ihren Tagesablauf maßgeblich bestimmen", erklärt die Berliner Proktologin Claudia Herzler. "Muss man den Stuhl zurückhalten oder sich die Blähungen verkneifen, kann dies zu Schmerzen führen und auch ernsthafte Störungen im Enddarmbereich nach sich ziehen", warnt sie.

Bei Beschwerden, die länger als einen Monat andauern, starken Schmerzen und Blutungen, rät Herzler dringend zum Arztbesuch. Ein Spezialist kann den Problemen gezielt auf den Grund gehen.

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Warum ein gesunder Darm gute Laune macht

Psychische Prozesse und die Verdauung sind sehr viel enger miteinander verbunden als lange angenommen: Sorgen und seelische Probleme irritieren den Darm und fördern zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom oder Verstopfung. "Menschen haben nicht nur ein Gehirn im Kopf, sondern auch eins im Bauch", erklärt die Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst. Das sogenannte Bauchhirn fühlt mit und tauscht sich mit dem Kopfhirn aus, haben Forscher herausgefunden.

"Als Mitverursacher funktioneller Magen-Darm-Störungen vermuten Experten daher eine gestörte Kommunikation zwischen Bauch- und Kopfhirn", berichtet Scharnhorst. Erstaunlich: 90 Prozent der Informationen gehen vom Bauch zum Gehirn. Nur zehn Prozent der Nervenfasern liefern Mitteilungen vom Hirn zurück zum Darm. Der Bauch informiert also das Gehirn und zwar den Teil, der für Stimmungen zuständig ist. Das erklärt, warum Menschen mit chronischen Darmstörungen oft auch mit seelischen Schwierigkeiten kämpfen und schlechtes Essen aufs Gemüt schlägt.

Wunderwerk Darm: Wie funktioniert das Bauchhirn?

Die Eingeweide sind mit über 100 Millionen Nervenzellen umhüllt, das sind mehr als sich im Rückenmark befinden. Das Bauchhirn ist ein Abbild des Kopfhirns – Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind genau gleich. Diese größte Ansammlung von Nervenzellen außerhalb des Kopfes managt nicht nur unsere hochkomplexe Verdauung.

Sie ist auch an der Herstellung von Hormonen beteiligt, die unsere Stimmung beeinflussen. Beispielsweise produziert der Körper das Glückshormon Serotonin zu 95 Prozent in den Zellen der Darmwand und lagert es dort ein. Insgesamt fertigt und reguliert das Bauchhirn mindestens 40 Botenstoffe, unter ihnen berauschende Endorphine und aktivierendes Dopamin. Zugleich reagiert der feinnervige Darm empfindlich auf Stresshormone; sie können seine Tätigkeit nachhaltig stören. Immer wenn der Darm kontrahiert, stößt er Serotonin oder andere Botenstoffe aus, die Daten über das Nervensystem ins Kopfhirn leiten. So entstehen Unpässlichkeit oder Wohlbefinden, Müdigkeit oder Energie, schlechte oder gute Stimmung.

Das Darmhirn entwickelt sich schon im Mutterleib und beginnt nach der Geburt sofort zu arbeiten. Es registriert alles: Die Nahrungsstoffe, die das Baby zu sich nimmt, aber auch die Zuwendung, die das Kind bekommt. Da das Bauchhirn mit dem Großhirn korrespondiert, nimmt es an dessen Wahrnehmung teil. So merkt sich der Darm auch Stimmungen und Gefühle. Darunter sicher die große Anerkennung für die ersten Haufen ins Töpfchen. Erlebnisse, die Erwachsene später unbewusst erinnern als: Stuhlgang gut, alles gut.

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Letzte Aktualisierung: 27. August 2017
Quellen: Nach Informationen eines Vortrags von Julia Scharnhorst bei einer Veranstaltung des Unternehmens Bayer, der Zeitschrift GEO und des TV-Senders 3sat; Nach Informationen der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie sowie der Fachzeitschrift MMW – Fortschritte der Medizin 2011. Stiefelhagen P. Funktionelles oder mentales Problem. Welcher Obstipationstyp ist Ihr Patient? MMW - Fortschritte der Medizin 2011; 153: 16-17. URL: http://www.springermedizin.de/welcher-obstipationstyp-ist-ihr-patient/436838.html Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie. Hämorrhoidalleiden. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-007e_S1_Haemorrhoidalleiden_07-2008_07-2012.pdf; "Hämorrhoiden - eine Volkskrankheit?" Aufsatz von Dr. Alexander Herold (Enddarm-Zentrum Mannheim); Infotext Klinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Bochum, Infotext Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände

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