Schonend für Mama und Kind

Schwangerschaft und Hämorrhoiden

Ein Hämorrhoidenleiden entsteht nicht von heute auf morgen oder während einer Schwangerschaft. Dafür braucht es Jahre. Viele Schwangerschaften steigern aber das Risiko für Beschwerden mit den Hämorrhoiden. Vorbeugende Maßnahmen und schonende Behandlungsmöglichkeiten, falls es doch zur Beschwerden im Analbereich kommt.

Schwangere Frau
Beckenbodengymnastik und die richtige Ernährung können verhindern, dass sich Hämorrhoiden während der Schwangerschaft weiter vergrößern.
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Jeder Mensch hat Hämorrhoiden – diese Gewebeposter am Afterausgang dichten den Enddarm ab. Entgegen hartnäckiger Gerüchte vergrößern sie sich während einer Schwangerschaft nicht plötzlich: "Sie wachsen im Laufe von zehn bis 20 Jahren – nicht von einem Tag auf den anderen", erklärt Enddarmspezialist Bernhard Lenhard. Wenn sich am After überraschend ein schmerzhafter Knubbel findet, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Analvenenthrombose.

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Warum Schwangere trotzdem öfter unter Hämorrhoiden leiden

Richtig ist aber, dass viele Schwangerschaften und Geburten das Risiko erhöhen, dass die Hämorrhoiden sich weiter vergrößern. Denn beides kann den Beckenboden schwächen und begünstigt dadurch Probleme mit den Hämorrhoiden. Falls eine werdende Mutter schon ein Hämorrhoidenleiden hat, kann ihr Zustand die Beschwerden verstärken.

Während einer Schwangerschaft ist der Körper einer Frau besonderen Belastungen ausgesetzt. Hormonelle Umstellung und Gewichtszunahme können unangenehme Begleiterscheinungen hervorrufen. So sind etwa Bindegewebe und Blutgefäße einer schwangeren Frau besonders stark belastet: Eine rasche Steigerung des Körpergewichts, die wachsende Gebärmutter, Wassereinlagerungen im Gewebe und die zunehmende Unbeweglichkeit im Laufe einer Schwangerschaft können den Blutrückfluss in den Gefäßen beeinträchtigen.

Dazu kommt, dass Schwangere oft an Verstopfung leiden. Sie müssen daher beim Toilettengang stark pressen, was die Hämorrhoiden ebenfalls wachsen lässt. "Der Druck auf den Beckenboden während einer Schwangerschaft und das Pressen bei einer Geburt kann die Hämorrhoidalpolster etwas vergrößern", sagt Lenhard, "aber nicht so stark, dass das Leiden plötzlich von einem Schweregrad zum nächsten springt."

Salben, Zäpfchen, OP: So werden Sie Hämorrhoiden los

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Um zu verhindern, dass sich ein Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft verschlimmert, lassen sich vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Hämorrhoiden vorbeugen – für Schwangere besonders wichtig!

Verstopfungen sind die Hauptursache für vergrößerte Hämorrhoiden. Um vorzubeugen, sollte die Verdauung deshalb konsequent in Gang gehalten werden. Eine ballaststoffreiche Ernährung, die Aufnahme von reichlich Flüssigkeit und regelmäßige körperliche Bewegung regen die Darmtätigkeit an. Als besonders effektives Training gegen Hämorrhoiden hat sich die Beckenbodengymnastik erwiesen, von der Schwangere folglich gleich mehrfach profitieren. Eine einfache Übung ist hier das Zusammenpressen der Beckenmuskulatur: Hierzu zehnmal täglich Scheide und After fest zusammenpressen und nach einer kurzen Haltephase wieder entspannen. Dies kann zudem einer Harn- und Stuhlinkontinenz vorbeugen.

Die richtige Ernährung bei Hämorrhoiden

Weitere Tipps:

• Starkes Pressen beim Toilettengang vermeiden: Der Stuhlgang sollte weder erzwungen noch unterdrückt werden. Starkes Pressen sollte grundsätzlich vermieden werden.

• Haut und Schleimhaut im Analbereich schützen: Um die schmerzempfindlichen Bereiche der Analregion zu schützen und die Gleitfähigkeit des Stuhlgangs zu verbessern, können Salben oder Zäpfchen mit einem speziellen Hautschutz-Komplex hilfreich sein.

• Auf die richtige Analhygiene achten: Nach jedem Stuhlgang sollte der Analbereich behutsam mit lauwarmem Wasser (zum Beispiel mit einem Einmalwaschlappen) gesäubert werden.

Falls es dennoch zu Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden kommt, gibt es auch für Schwangere schonende Abhilfe.

Hämorrhoiden-Behandlung in der Schwangerschaft: Was hilft?

Falls die Hämorrhoiden brennen, wehtun oder ein Analekzem ausgelöst haben, sollte sich eine Schwangere von einem Proktologen behandeln lassen. Gegen Juckreiz und Schmerzen helfen Salben und mit Arznei getränkte Analtampons. Sie sind wirkungsvoller als herkömmliche Hämorrhoidenzäpfchen, weil sie dort zum Liegen kommen, wo die Wirkstoffe gebraucht werden, nämlich rund zwei Zentimeter hinter der Afteröffnung.

Wichtig ist darauf zu achten, dass Frauen die Wirkstoffe in Hämorrhoidenmitteln während Schwangerschaft und Stillzeit ohne Bedenken nehmen können. Um ganz sicher zu gehen, sollten sich werdende Mütter von ihrem behandelnden Arzt oder einem Apotheker beraten lassen.

Neben Medikamenten können Sitzbäder die Symptome eines Hämorrhoidenleidens lindern. Sie seien bei einem Analekzem sinnvoll, sagt Enddarmspezialist Lenhard. Er empfiehlt Eichenrinde. Sie enthält Gerbstoffe, die eine bei Hämorrhoidalleiden günstige zusammenziehende Wirkung haben.

Heilkräuter gegen Hämorrhoidenleiden

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. August 2017
Durch:
Quellen: Mit Informationen von Dr. Bernhard Lenhard, Pressesprecher des Berufsverbandes der Coloproktologen Deutschlands und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie

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