Nicht zu verwechseln mit Hämorrhoiden

Rektumprolaps: Wenn der Mastdarm aus dem After rutscht

Meist erkennt man einen Rektumprolaps beim Stuhlgang: Der Darm wölbt sich durch den After nach außen. Zieht er sich nicht von selbst in den After zurück, muss operiert werden.

Frau auf Toilette
Bei einem Prolaps rutscht der Darm – meist während des Stuhlgangs – aus dem After. Dann sollte ein Arzt aufgesucht werden.
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Reinhild W.* war wegen starker Schmerzen am Gesäß ins Krankenhaus gefahren und hatte an allerlei Ursachen gedacht, doch daran nun wirklich nicht: Die Mediziner erklärten ihr, dass ein Stück des Mastdarms aus ihrem After hinge. Sie brachten den Darm zurück in seine normale Position, aber völlige Entwarnung gaben sie nicht: Bei einem weiteren Rektumprolaps, so wird der Vorfall des Mastdarms auch bezeichnet, müsse sich Reinhild W. operieren lassen.

Schlaffer Beckenboden ist Ursache des Rektumprolaps

Es klingt ungewöhnlicher, als es ist: Ein Rektumprolaps gehört zu den häufigsten Krankheiten des Enddarms bei Menschen ab 50 Jahren. Frauen sind in besonderem Maße betroffen, weil ihr Beckenboden durch Schwangerschaften und Geburten stärker belastet wird als bei Männern. Sie leiden zudem häufiger an chronischer Verstopfung (Obstipation). Auch die Umstellung der Hormone während der Wechseljahre schwächt das Muskelgeflecht im Unterleib.

Typische Symptome: Daran erkennt man einen Prolaps

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Infolge des erschlafften Beckenbodens ist es möglich, dass sich das unterste Stück des Mastdarms, das unmittelbar über dem Darmausgang liegt, in sich selbst einstülpt. Am Anfang ist davon nichts zu sehen – die meisten Betroffenen spüren aber ein starkes Druckgefühl. Erst wenn die Erkrankung fortschreitet, bewegt sich der Darm aus dem After heraus. Das passiere meistens beim Stuhlgang, sagt Proktologe Bernhard Lenhard. Anfangs gleitet der Darmabschnitt oft von selbst wieder in den Körper. Später müsse der Darm dann mit der Hand zurück in den After geschoben werden, berichtet der Facharzt.

Rektumprolaps wird oft mit Hämorrhoiden oder Analprolaps verwechselt

Nichtmediziner verwechseln einen Mastdarmvorfall oft mit einem Hämorrhoidenvorfall. Doch für einen Enddarmspezialisten wie Doktor Lenhard sind die beiden Erkrankungen etwas völlig anderes. "Bei einem Prolaps der Hämorrhoiden fallen die Gewebepolster aus dem After, weil sie stark vergrößert sind. Dies ist bei Hämorrhoidenleiden dritten und vierten Grades der Fall. Bei einem Rektumprolaps drückt sich die Wand des Mastdarms komplett aus dem After. Diese kann leicht acht bis zehn Zentimeter nach außen ragen", sagt Lenhard. Das unterscheidet einen Mastdarmvorfall auch von einem Analprolaps. Bei diesem wälzt sich lediglich die Afterinnenhaut nach außen.

Prolaps-Behandlung durch minimal-invasive Operation

Ein Mastdarmvorfall führt in der Regel dazu, dass der Patient seinen Darm nicht mehr vollständig entleeren kann. Schon deshalb sollte er das Leiden fachgerecht behandeln lassen und sich nicht damit behelfen, den Darm in den After zurückzuschieben. Auf Dauer schwächt ein Mastdarmvorfall nämlich den Schließmuskel und es kann sich eine Stuhlinkontinenz entwickeln, bei der unwillkürlich Stuhl abgeht. 

Enddarmspezialist Lenhard rät daher zu einer schnellen Behandlung. "Dazu wird der Patient operiert und der Darm am Kreuzbein befestigt. Ist der Darm zu lang, wird er bei dem Eingriff gekürzt, bevor er fixiert wird", beschreibt er. Heutzutage erfolgt die Operation meistens minimal-invasiv. Bei diesem Schlüssellochchirurgie genannten Verfahren arbeitet der Operateur durch eine sehr kleine Öffnung in der Bauchhöhle. Das beschleunigt die Heilung der OP-Wunde und schont so den Patienten.

Eine Alternative zur Operation gebe es nicht, urteilt Doktor Lenhard. Nur bei Kindern könnten die Eltern zunächst abwarten, ob sich der Darm von selbst in den After zurückziehe. "Allerdings kommt ein Mastdarmvorfall bei Kindern sehr, sehr selten vor", sagt der Proktologe.

* Name geändert

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. Januar 2017
Durch: sist
Quellen: Nach Informationen von Dr. Bernhard Lenhard vom Berufsverband der Coloproktologen Deutschlands und Dr. med. Dieter Baumgartner, Facharzt für Chirurgie

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