
Kniffe von Radsportprofis
Im Sattel ohne Beschwerden bleiben
Stundenlanges Rennradfahren hat es in sich. Mit viel Fett und einem passenden Sattel versuchen die Profis, Wundfahren und Erektionsstörungen vorzubeugen. Bei Analleiden verhindert frühes Behandeln ernste Probleme.
Hämorrhoiden: Bei Beschwerden früh zum Arzt
Eine gute Nachricht: Weil Radsportler sich so viel bewegen, entwickeln sie sehr selten Verstopfungen und leisten einem Hämorrhoidenleiden in dieser Hinsicht keinen Vorschub. Außerdem sitzen sie beim Fahren nicht auf ihrem Allerwertesten, sondern auf dem Damm. Die typischen Probleme, die Freizeitradler mit vergrößerten Hämorrhoiden haben, treten daher bei ihnen eher selten auf. Wenn sich allerdings ein Hämorrhoidenleiden andeutet, sollten Radsportler sich frühzeitig an einen entsprechenden Facharzt, einen sogenannten Coloproktologen, wenden. Eine frühe Behandlung durch den Enddarmspezialisten kann größere Beschwerden wie Schmerzen, Jucken und Analekzem oder einen chirurgischen Eingriff mit nachfolgender Sportpause verhindern.
Schwachstelle Damm
Häufiger sind Probleme durch Druckstellen, Schwellungen oder Wunden im Dammbereich, der Region zwischen After und Geschlechtsteilen: "Kennt jeder Radsportler", urteilt Carsten Podlesch, zweifacher Steher-Weltmeister. Zu den unangenehmsten Sachen während seiner 21-jährigen Profikarriere gehörten Hämatome am Damm. "Wenn man eine Stunde lang im Kreis fährt mit dem dreifachen Körpergewicht als Druck in der Kurve, und die Rennbahn auch noch sehr schlecht ist, dann kann es passieren, dass ein Bluterguss oder sogar eine offene Wunde entsteht." Solche Verletzungen sollte auf jeden Fall ein Dermatologe behandeln, rät Podlesch. Hautärzte wissen, wie solche Wunden schnell verheilen, ohne dass dabei Verhärtungen zurückbleiben oder Narben entstehen. Da sie beim Radfahren scheuern würden, sorgten sie sonst immer wieder für Probleme, sagt der Fachmann.
Rasiert und dick eingecremt
Um Druckstellen und Schlimmeres zu verhindern, kennen Radsportprofis einige Kniffe. "Eine gründliche Intimrasur ist für Radsportler ein Muss", sagt Podlesch. Weiter gilt: viel Hygiene und eincremen. Damit die Haut geschmeidig bleibt, verwendet Podlesch Melkfett. "Gesäßcreme erfüllt den gleichen Zweck, ist aber teurer. Wichtig ist, dass das Fett oder die Creme keine Duftstoffe enthält. Sie könnten die Haut reizen und Allergien auslösen", sagt der ehemalige Profi-Radsportler. Fett oder Creme werden etwa einen Zentimeter dick auf die Haut aufgetragen. Sie lassen sich aber auch auf den Einsatz der Radlerhose streichen. Unterwäsche tragen Radsportler nicht. Die könnte scheuern, erläutert Podlesch.
Passender Sattel beugt Hodenproblemen vor
Ein falscher Fahrradsattel hat es in sich und kann bei Männern zu ernsthaften Beschwerden führen. Die Folgen reichen von Hautirritationen am Gesäß, über Taubheit in den Genitalien bis hin zu Erektionsstörungen. Da beim Radeln große Hitze in der Beckengegend entsteht, kann die Qualität der Spermien leiden, und Männern drohen Schäden an den Hoden mit der Gefahr der Unfruchtbarkeit. Besonders gefährdet seien Mountainbiker, schreibt der Urologe Vinod Nargund vom Bartholomew's and Homerton Hospitals in London im Fachblatt BJU International. Sie entwickelten sehr häufig Anomalien in der Region um den Hodensack. Aber auch Rennradfahrer besitzen dieses Risiko. Denn die Damm-Zone ist sehr empfindlich. Sie beheimatet viele Nerven und Gefäße und enthält Haarfollikel, Schweiß- und Talgdrüsen, die eine Brutstätte für Infektionen bieten können.
Der Druck durch den Sattel kann außerdem die Blutzufuhr drosseln; Studien zufolge klagen 60% der männlichen Vielradler über Taubheit der Genitalien. Der Urologe rät daher zu gepolsterten Hosen und Sätteln. Ferner sollte der Sattel der Sitzhaltung beim Fahren angepasst sein. Dieser Forderung kann Podlesch nur beipflichten. "Wenn die Spitze zu weit nach oben zeigt, stört der Sattel", erklärt er. "Ein Sattel muss waagerecht eingestellt sein - auch für Frauen." Um ihn richtig zu fixieren, empfiehlt der ehemalige Radprofi, eine Wasserwaage auf den Sattel zu legen. Außerdem sei es wichtig, den richtigen Sattel zu kaufen. Podlesch: "Jeder Mensch ist unterschiedlich gebaut und hat andere Vorlieben. Deshalb sollte jeder Radsportler einen Sattel längere Zeit ausprobieren, bevor er ihn kauft."










