Vorurteile über Hämorrhoidalleiden

Zehn Mythen über Hämorrhoiden

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Aufklärung hilft gegen Vorurteile rund um Hämorrhoiden.
(c) Getty Images/Comstock Images

Hämorrhoiden sind in den meisten Fällen weder Schicksalssache noch entstehen sie aufgrund mangelnder Körperhygiene - dennoch sind derlei Ansichten in der Bevölkerung weit verbreitet. Grund genug, die gängigsten Mythen über Hämorrhoiden aufzugreifen und von Dr. Bernhard H. Lenhard* einem ausgewiesenen Experten, entkräften zu lassen.

Mythos Nr. 1: Hämorrhoiden sind eine seltene Krankheit

Hämorrhoiden sind alles andere als eine seltene Krankheit - im Gegenteil, man kann sie sogar als Volkskrankheit bezeichnen. Während man früher davon ausging, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland im Laufe des Lebens Erfahrungen mit Hämorrhoiden macht, liegen neuere Schätzungen weit höher. "Inzwischen kann man sagen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung irgendwann einmal in ihrem Leben mit hämorrhoidalen Komplikationen konfrontiert werden", betont Lenhard. Hohe Dunkelziffern spielen dabei keine sehr große Rolle mehr - die Bereitschaft der Patienten mit ihrer Erkrankung einen Arzt aufzusuchen ist in den letzten Jahrzehnten erfreulich gestiegen.

Mythos Nr. 2: Hämorrhoidalleiden entstehen durch langes Sitzen

Sicher ist langes Sitzen bei der Vorbeugung von Hämorrhoidalleiden nicht förderlich - die Ursache für deren Entstehung ist es jedoch nicht. "Nicht einfach nur "langes Sitzen" - sondern vielmehr "langes Sitzen auf der Toilette" beschreibt die Entstehungsgeschichte von Hämorrhoiden treffend", erläutert Lenhard. So steht am Beginn der Erkrankung ein gestörtes, von langem Pressen begleitetes Stuhlentleerungsverhalten, oft bedingt durch Verstopfungen. Diese wiederum werden durch langes Sitzen begünstigt, denn Bewegung regt die Darmtätigkeit an. Dennoch ist langes Sitzen alleine "nicht der wichtigste und wesentlichste Grund" für die Ausbildung von Hämorrhoiden, klärt der Experte auf.

Mythos Nr. 3: Wer keine gute Hygiene betreibt, bekommt Hämorrhoiden

"Dieses noch immer verbreitete Vorurteil ist wirklich Quatsch", schimpft Lenhard. Die Körperpflege hat mit der Entstehungsgeschichte von Hämorrhoiden nichts zu tun. Bei manchen Patienten spiegelt sich in diesen Gedanken eine Form von "Schuldgefühlen" wider, die jedoch komplett entkräftet werden können.

Mythos Nr. 4: Hämorrhoiden sind Schicksalssache - man kann im Vorfeld nichts dagegen tun

Hämorrhoiden sind in den allerseltensten Fällen schicksalhaft. Zwar kann es sein, dass Frauen mit einer entsprechenden Veranlagung nach einer Entbindung unter hämorrhoidalen Komplikationen leiden - in den meisten Fällen jedoch, können Präventivmaßnahmen die Entstehung verhindern. Hierzu zählen in erster Linie ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung. Von entscheidender Bedeutung ist zudem ein richtiges Stuhlentleerungsverhalten. Lange Sitzungen auf der Toilette mit starkem Pressen sollten unbedingt vermieden werden. "Zeitungen und Bücher haben als Lektüre für einen Daueraufenthalt auf der Toilette nichts zu suchen", warnt Lenhard. Der Zeitpunkt zur Darmentleerung sollte zudem den natürlichen Erfordernissen angepasst werden: "Es heißt ja auch schließlich "ich muss mal" und nicht "ich will mal", so der Fachmann.

Mythos Nr. 5: Wenn es nicht weh tut, können es keine Hämorrhoiden sein

Das genaue Gegenteil ist richtig: "Wenn es weh tut, können es keine Hämorrhoiden sein", erläutert Lenhard. Der Grund dafür liegt in der Beschaffenheit der Dickdarmschleimhaut - diese enthält keine Nerven und ist daher schmerzunempfindlich.

 

Mythos Nr. 6: Hämorrhoiden bluten immer

"Hämorrhoiden können, müssen aber nicht bluten", erklärt der Experte. Nur wenn die Schleimhaut, die die Hämorrhoiden überzieht, gereizt wird, kommt es zur Blutung. Das Blut stammt dabei aus den kleinen Versorgungsgefäßen der Schleimhaut. Bleibt jedoch eine Reizung aus, bluten selbst große Hämorrhoiden nicht.

Mythos Nr. 7: Junge Menschen haben keine Hämorrhoiden

Auch wenn die Häufigkeit der Hämorrhoiden mit steigendem Alter zunimmt, schützt Jugend allein nicht vor deren Entstehung. Junge Menschen, die an Hämorrhoiden erkranken, weisen meist mehrere Risikofaktoren wie Fehlernährung, Übergewicht und Bewegungsarmut auf. Die ballaststoffarme Kost ist dabei meist der Anfang der Krankheitsentstehung: Die Fehlernährung führt zu langen Sitzungen auf dem Klo, das Pressen bedingt die Entstehung der Hämorrhoiden und das Übergewicht bewirkt durch ständiges Drücken eine Überlastung der Beckenbodenmuskulatur, die die Problematik vertieft.

Mythos Nr. 8: Pflaumengroße Blutgerinnsel außerhalb des Anus, sehr schmerzhaft und nicht blutend - das können nur Hämorrhoiden sein

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Wer immer diese Diagnose stellt - er liegt falsch. Hämorrhoiden liegen im Mastdarm und sind mit Schleimhaut überzogen. So genannte "äußere Hämorrhoiden" gibt es nicht. "Dieser Terminus ist fachlich falsch", betont Lenhard, "auch wenn er noch immer auf ärztlicher Seite hier und da auftaucht". Meist handelt es sich bei dem beschriebenen Phänomen um eine Analvenenthrombose.

Mythos Nr. 9: Die Untersuchung beim Arzt ist schmerzhaft

"Eine Afterspiegelung (Proktoskopie), wie sie bei Hämorrhoiden ansteht, ist bei fachmännischer Durchführung niemals schmerzhaft", beruhigt der Experte. Eine örtliche Betäubung ist völlig unnötig. Nur wenn andere Erkrankungen, wie beispielsweise Analfissuren, bestehen, könnte die Untersuchung eventuell mit Schmerzen verbunden sein.

Mythos Nr. 10: Wenn man die Hämorrhoiden behandeln lässt, ist immer eine Darmspiegelung fällig

Hier kann der Experte völlige Entwarnung geben: "Eine Behandlung der Hämorrhoiden ist niemals mit einem Einlauf und einer Darmspiegelung verbunden", versichert er. Schließlich befinden sich die Hämorrhoiden ganz am Ende des Darmrohres und der Eingriff spielt sich damit lediglich im Bereich dieser letzten Zentimeter ab.

Heilkräuter gegen Hämorrhoidenleiden
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  • heilkräuter_hämorrhoiden-144721350.jpg
    Die besten Heilkräuter gegen Hämorrhoidenleiden

    Einige Kräuter sollen die Symptome vergrößerter Hämorrhoiden bessern, nämlich die Entzündung hemmen, den Juckreiz stillen und die krankhaft erweiterten Blutgefäßpolste etwas zusammenziehen. Es gibt eine Reihe von Heilpflanzen, die über solche Wirkungen verfügen, die wichtigsten sind:

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    Kamille

    Sie wirkt entzündungshemmend und fördert die Wundheilung.

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    Schafgarbe

    Sie hat sich bei Juckreiz und Blutungsneigung bewährt.

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  • Donar_Reiskoffer_Hamamelis.JPG
    Hamamelis

    Sie wird auch Zaubernuss genannt und lindert Juckreiz, fördert die Wundheilung und hemmt Entzündungen.

    Foto: Donar_Reiskoffer unter CC-Lizenz

  • Eiche-hämorrhoiden_200279087-001.jpg
    Eiche

    Sie verfügt über adstringierende Eigenschaften und lindert den Juckreiz.

    (c) Shunsuke Yamamoto Photography

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 25. März 2014
Quellen: BSMO-Interview mit *Dr. med. Dipl.-Psych. Bernhard H. Lenhard, Gründer einer Spezialpraxis für Enddarmerkrankungen in Heidelberg und eines wissenschaftlichen, proktologischen Instituts sowie Pressesprecher des Berufsverbandes und Mitglied der Wissenschaft

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