Analfissur

Analfissur: Schmerz hält oft Stunden an

Für viele Männer und Frauen ist der Toilettengang eine gute Gelegenheit, Zeitung zu lesen: Sie pressen oft minutenlang - manch einer kehrt sogar erst nach 20 Minuten aus dem Badezimmer zurück. Experten warnen vor dieser Gewohnheit: Starkes Pressen kann nicht nur zu Hämorrhoiden führen - es löst manchmal auch eine Analfissur aus, die extrem schmerzhaft ist.

Bei einer Analfissur handelt es sich um einen Riss im Anoderm (Analkanalhaut), der sich entzündet hat. Der Riss entsteht am Übergang vom Anoderm zum Mastdarm, dort, wo die Krypten (Drüsenausführungsgänge) sitzen. Die Analkrypten hatten vor Jahrtausenden die Aufgabe, Duftmarken zu produzieren. Heute sind sie funktionslos. Für Coloproktologen spielen sie aber immer noch eine Rolle, da sie sich leicht entzünden: Rund 10% aller Patienten mit Enddarm-Beschwerden leiden unter einer Analfissur.

Hämorrhoiden begünstigen eine Analfissur, denn bei diesem Leiden ist der Zustrom und die Abfuhr von Blut gestört. Das Gewebe ist somit oft nur unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was die Heilung eines Risses im Anoderm erschwert. Bei gutem Ernährungszustand des Gewebes ist die Gefahr geringer, dass sich ein Riss in der Analkanalhaut entzündet. "Bei Kindern etwa heilt ein Riss in drei Tagen ab, es kommt bei ihnen fast nie zu einer Analfissur", sagt Dr. Bernhard H. Lenhard, Sprecher des Bundesverbandes der Coloproktologen Deutschlands.

Schmerzen führen in einen Teufelskreis

Charakteristisch für eine Analfissur ist ein brennender, krampfartig stechender Schmerz, der mit dem Stuhlgang einsetzt und Stunden anhalten kann. Der Grund für die starken Schmerzen: Das Ulkus geht so tief, dass der innere Schließmuskel (Sphinktermuskel) zu sehen ist - und das bei einer hochsensiblen Analkanalhaut. Die starken Schmerzen führen dazu, dass der Schließmuskel verkrampft (Sphinkterspasmus). Ein verkrampfter Schließmuskel aber macht noch stärkeres Pressen nötig, wodurch sich der Riss bis zum Afterausgang ausdehnen und die Entzündung verstärken kann. Außerdem verschlechtert sich durch den Sphinkterkrampf die Mikrozirkulation des entzündeten Gewebes. Es entsteht also ein Teufelskreis.

Therapie mit Analdehner entspannt den Schließmuskel

Die Analfissur kann nur heilen, wenn sich der Schließmuskel wieder entspannt. Dies ist durch Dehnung möglich. Diese kann der Patient mittels Analdehner selbst in die Hand nehmen. Benutzt er das konisch geformte Kunststoffstäbchen ein paar Wochen täglich 2-3-mal, entspannt sich die Schließmuskulatur. Bei extrem starken Schmerzen kann der Arzt die ersten ein, zwei Dehnungen unter Lokalanästhesie vornehmen. Zusätzlich empfehlen sich warme Sitzbäder mit Kamille: Sie wirken gegen die Entzündung und fördern die Mikrozirkulation. Auch eine Ernährung mit vielen Ballaststoffen und viel Trinken ist wichtig, um Verstopfungen und somit starkes Pressen zu verhindern.

"Sphinkterektomie fast ein Behandlungsfehler"

In hartnäckigen Fällen muss der Narbenbereich entfernt werden (Fissurektomie). Von einer Durchtrennung des inneren Schließmuskels (Sphinkterektomie), die einige Medizin-Seiten im Internet noch immer propagieren, raten Experten dringend ab: Es hat sich gezeigt, dass manche Patienten plötzlich Jahre nach der Operation den Stuhl nicht mehr halten können. "Eine Sphinkterektomie gilt deshalb nach derzeitigem Erfahrungsstand fast als Behandlungsfehler", sagt Lenhard. (kig)


Autor: BSMO Redaktion
Stand: 27-06-2003



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